Veröffentlicht: 01.02.2026. Rubrik: Unsortiert
Du meinst es nicht ernst? - Teil 2
Nicht fremd wird vielen sein, wer hat damals nicht in Unternehmen gearbeitet wo die Geschäftsführung nur aus Männern bestand und selbst der Eigentümer, genauer die Eigentümerfamilie alles in eigener Hand behielt. In so einem von ihnen als Welt - Unternehmen bezeichnet, fing ich an, weil sie wachsen wollten, begannen kleinere Firmen, denen nicht nur Raum fehlte, aufzukaufen. Da wurden nun auch Bügelmaschinen gebaut, neben den anderen Produkten. Platz war da, Aufträge für diese überalterten Bügelmaschinen weniger. Mit den Dingern war es wie ein Backenzahn, der faulte. Die Firmenleitung, wie Könige so traten sie auf, stammten aus einer Zeit die nur 12 Jahre bestanden hatte, Trümmer hinterließ.
„Zickezacke“ tauften wir einen neuen Geschäftsführer, einen Herrn T. einst im Heeresstab vom Gröfaz. Vorsicht, dieses Wort, benutzt im Zusammenhang mit diesem Ex-Kommandeur, passte. Die kleine, firmeneigene freiwillige Feuerwehr, übte einmal im Monat, machte dann Nachbesprechung mit Weinbrand wo Herr T. Informationen sammelte über die Belegschaft, wenn die kleine Truppe die Promille steigen ließ.
„Ist das ihr Ernst?“
Nach einem Feuerwehrabend durfte ich strammstehen in seinem Büro. Von nichts eine Ahnung erlaubte ich mir die Frage nach dem Namen des Herrn, der da über mich was erzählt hatte.
Leopold Spritt, kam. Leo war einer der übergangenen Aufsteiger, gut reden ja, mehr aber nicht. Wurde es knifflig wurde Leo krank. All die Älteren kannten Leo und seine Art. Herr T, bat ich doch sich an Herrn P. zu wenden wegen der Beschwerde, dem angeblichen Vorfall.
Er tat es wohl, kam später zu mir und… es gibt so Momente da nimmt man was hin ohne ein Wort. Er kam zu mir, legte oder klopfte auf meine rechte Schulter, um zu sagen alles in Ordnung, demnächst gibt es einige Kündigungen, wir verjüngen hier die Kompanie.
Weihnachten stand die Mitarbeiter-Truppe, die im 2. WK noch gekämpft hatte, alkoholisiert im unteren Gang des Bürogebäudes. Sie sangen ein Kampflied, eigentlich für die neue Zeit unpassend. Es reichte mir mit Anderen, Jüngeren, eine Etage höher im Treppenhaus nach unten zu sehen, wie Herr T. mit erhobenem, verbotenem Arm, die Reihe seiner Kompanie von Büro-Fußsoldaten abschritt.
Stille, wir sahen uns an, gingen zurück ins Konstruktionsbüro.
Das wars, sagte der leitende Ingenieur.
Herr T. schied freiwillig aus zum neuen Jahr. Da hatte jemand ernst gemacht.
Der Ernst des Lebens kam mit einer Insolvenz-Nachricht. Wer konnte floh direkt, suchte, nahm noch seinen vorhandenen Urlaub. Wer spürte es ist zu Ende schrieb Bewerbungen. Der Betriebsrat schwieg, eine Betriebsrätin plauderte. „Unter uns bleibt alles“. Sie wollte, sie tat, wir beherzten sie, taten mehr als verlangt dafür und gewannen am Ende. Rechtzeitig raus ohne Verlust da die Firma pleite war, längst alles der Bank gehörte, was die Eigentümerfamilie nicht in Sicherheit gebracht hatte. Muss nicht stimmen, wurde aber so erzählt.
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