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geschrieben 2018 von Carl-Paul Hénry (Carl-Paul Hénry).
Veröffentlicht: 21.02.2018. Rubrik: Historisches


Mit den Autos durch die 1960er und 1970er Jahre

Das erste Auto in meinem Leben war das, dass mein Vater fuhr. Es war ein grauer VW-Käfer mit kleiner und geteilter Heckscheibe. Das war 1960. Wir wohnten da noch am Westrand unserer Heimatstadt an der Schlei. Sonntags im Sommer – nach dem obligatorischen Kirchbesuch in der katholischen Sankt Ansgarkirche – fuhren wir bei gutem Wetter damit nach Eckernförde zum Baden. Der Strand lag (und liegt wohl auch heute noch) direkt an der Bundesstrasse 76.

1965 erwarb mein Vater bei dem einzigen Fordhändler am Ort einen hochmodernen Taunus 12 M. Als mein Vater mich einmal damit zur Schule brachte, staunten meine Schulkameraden nicht schlecht. Dabei war der 12 M eigentlich nur die kleine Ausgabe des Ford Taunus. Es gab noch den 15 M und den 17 M, später sogar 20 M und 26 M. Das „M“ stand für „Meisterstück“.

Mein erstes fast eigenes Auto, war ein Simca (Société Industrielle de Mécanique et Carosserie Automobile). Es gehörte aber eben nicht mir, sondern meinem Fahrschullehrer, Herrn Materne. Mit dem Simca, den es seit 1978 nicht mehr gibt, absolvierte ich meine 17 Fahrstunden und meine Prüfung. Der Führerschein kostete mich 575 Mark. Das war 1971. Im selben Jahr kaufte ich mir einen gebrauchten roten Fiat 500 mit schwarzem Faltdach, Zwischengas, Anlasser, 13,5 PS, Baujahr 1959 und mit einer Höchstgeschwindigkeit von 85 Km/h. Nach drei Monaten brannte mir der Zylinderkopf durch und ich versuchte, das Loch immer wieder mit Asbestschnüren abzudichten. Das hielt meist aber nur einige Kilometer und dann hörte sich mein Fiat wie ein Panzer an und ich musste ihn aus dem Verkehr ziehen, bevor es die "Bullen" taten.

So erwarb ich im Frühjahr 1972 einen roten Opel Kadett Coupé mit dem ich im Spätsommer desselben Jahres gemeinsam mit Freund Thomas zuerst nach München und dann weiter an den Achensee in Österreich fuhr. In den Kasseler Bergen jagte ich den Kadett abwärts bis auf Anschlag: 160 Km/h. Aufwärts musste ich ihn bis in den 2.Gang zurückschalten. In München sahen wir uns, wenige Tage vor Eröffnung der Olympischen Spiele, das entsprechende Gelände an und waren auch in der Schwimmhalle, wo wir Mark Spitz beim Training zusahen. Wenige Tage später kam es zu dem schlimmen Attentat auf die israelischen Sportler. Aber da waren wir schon in Austria.

1974 fuhr ich für ein paar Monate einen grünen VW 1200 (Käfer). Damals erzählte man sich folgende Geschichte. Auf der B76 zwischen Flensburg und Schleswig, hatte ein VW-Käfer-Fahrer eine Panne und blieb rechts liegen. Wenig später hält hinter ihm ein Auto – ebenfalls ein VW-Käfer. „Was ist los?“, fragte der Helfer. „Oh,“ meinte der andere, „mein Auto ist einfach stehengeblieben und springt nicht mehr an.“ Da öffnet der zweite VW-Fahrer die vordere Haube des liegengebliebenen Autos und meint: „Kein Wunder, dass das Auto nicht fährt. Sie haben ja gar keinen Motor. Aber das macht nichts, ich habe bei mir hinten noch einen in Ersatzmotor.“

Noch im Herbst desselben Jahres, gab es für mich die Möglichkeit, einen BMW – V 8 zu erwerben, der meinem früheren Schulkameraden "Jockel" gehörte. Der Wagen hatte acht Zylinder, 110 PS, 2600 cm³, Baujahr 1961, Lenkradschaltung und ein Armaturenbrett aus Echtholz. Farbe war beige. Im Sommer 1975 fuhr ich gemeinsam mit drei Freunden aus Schleswig damit bis nach Südfrankreich in die Stadt Saint Marie de la Mer. Es war die Carmargue mit den wilden Pferden und wir waren um den 14.Juli, dem französischen Nationalfeiertag dort. Abends, wenn die brütende Hitze nachgelassen hatte, setzten wir uns oft in einen der Biergärten. Einmal sah ich dort Paul Mc Cartney sitzen (meinte ich jedenfalls), aber ich wagte mich nicht, ihn anzusprechen und meine Freunde wollten es mir auch nicht glauben. Jedenfalls waren zu der Zeit wieder einmal viele Roma und Sinti aus ganz Europa hier versammelt. Das ist bis heute so Tradition.

Doch bald danach war mein V 8 nicht mehr richtig fahrtüchtig. Er verlor innerhalb einer halben Stunde die gesamte Bremsflüssigkeit und ich kam an keine neuen Bremsschläuche ran. So stand er da nun vor dem Haus in der Friedrichstrasse 111. Mein Freund Gert, der mit mir auf dem Finanzamt Eckernförde arbeitete und in der Fritz-Reuter-Strasse wohnte, nahm mich dankenswerterweise jeden Morgen in seinem Opel Rekord mit. Und das ist auch eine Geschichte wert.

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