geschrieben 2025 von Rautus Norvegicus (Rautus Norvegicus).
Veröffentlicht: 21.08.2025. Rubrik: Total Verrücktes
Das Auge isst mit (Total Verrücktes)
Ich bereute, dass ich Maurice zum Essen eingeladen hatte. Verstohlen sah ich mich im Restaurant um und schien von den geradezu schockierten Blicken der anderen Gäste bestätigt zu werden.

Maurice' Arm führte quasi ununterbrochen die gehäufte Gabel schwungvoll nach oben, wie
eine Maschine. Er traf nicht immer hundertprozentig das anvisierte Ziel, mit der Zeit hatte er sich fast das gesamte Gesicht, genauer gesagt dessen linke Seite, mit Kartoffelbrei, Spinat und Rührei, zugekleistert.
„Ist das wieder mal eine neuer Performance von dir?“ Begeistert nickte er. „Ja genau, Rautus. Auf künstlerische Art und Weise soll somit dargestellt werden, wie stark die Wahrnehmung der Zuführung von Nahrungsmitteln fremder Personen auf andere Menschen wirkt! Also, um es trivial zu sagen, ob und wenn ja, wieviel Zeit es braucht, bis die ersten Anwesenden sich übergeben müssen. Oder ihnen einfach nur schlecht wird!“.
Maurice war Performance Künstler! „Maurice“, erwiderte ich freundlich lächelnd, „ehrlich gesagt frage ich mich gerade, wie lange es dauert, bis du auf dem linken Auge erblindest. Du pustest ja auch gar nicht, du schaufelst dir den heißen Scheiß einfach in den Augapfel!“ „Ja, muss doch, Rautus, die Performance hat doch den Namen: Das Auge isst mit! Hier, hör auch mal...“ Er wandte den Kopf zu Seite, beugte sich tief hinab und bedeckte mit beiden Händen seinen Mund. Ich war gespannt und harrte der Dinge, die da kommen würden.
Im nächsten Augenblick ertönte ein schmatzendes Rülpsen, dazu trommelte Maurice mit den Zeigefingern und Mittelfingern, dazwischen die Tischplatte, auf das unschuldige Möbelstück und erzeugte so das Geräusch eines Trommelwirbels. Ich war sprachlos! Dafür schrie er plötzlich auf! Hatte es doch endlich geschafft, sich mit der Gabel ins Auge zu stechen. Ich zückte das Handy und wählte eine Nummer. „Ist nichts passiert Rautus, ich brauch keinen Augenarzt!“ Ich schüttelte meinen Kopf. „Irrenarzt, Maurice, du brauchst einen Irrenarzt! Ich hab mir nur ein Taxi geordert.“ Dann kam das Taxi und ich war kurz darauf zu Hause.
So schnell werde ich nicht mehr mit einem durchgeknallten Künstler essen gehen!
….........................................................Ende.........................................................................................
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