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geschrieben 2018 von Angricolan (Angricolan).
Veröffentlicht: 15.08.2026. Rubrik: Menschliches


Haste für mich ein paar Euro?

Er schaute auf die Uhr und beschloss zum Rhein zu fahren.
Altstadt in Düsseldorf nur durchgehen, lieber am Rhein den Schiffen zusehen und dem bunten Völkchen. Unter der Kunsthalle fuhr er in die Tiefgarage, bummelte durch die Altstadt und stellte sich auf der Rheinpromenade zuerst an die Mauer, ging dann weiter.

"Haste für mich ein paar Euro?"

Die weibliche Stimme kam von seitlich zu ihm. Normalerweise ging er reaktionslos weiter, überhöre derart Bettelei.
" Sei doch nicht so". Nun nervte sie, machte ihn auch neugierig. Er blieb stehen, war wohl zu plötzlich für sie. Sie trafen aufeinander.
"Bitte nicht anfassen", die Worte kamen aus seinem Mund.
Der Druck ließ spürbar nach den ihr Körper auf ihn einwirken ließ.

Düsseldorf, Rheinpromenade wenige Menschen, so wurde er wohl ihre Zielperson. Eine leere Bank, sie folgte ihm, als er saß, nahm sie neben ihm Platz.
"Bekomme ich jetzt etwas?"
Sie sah nicht nach obdachlos oder ungepflegt aus, eher hilflos in dem Augenblick. Ihr Atem war frisch und sie verströmte angenehmen Parfümgeruch.

"Hast du kein Bankkonto, keine Karte dabei".
"Vergessen, doof ich weiß, aber ich muss irgendwie wieder nach Hause".
"Wo ist denn dein Zuhause? "
"Düsseldorf-Eller, wenn du weißt, wo das ist".
"Schwarzfahren ist wohl nicht so dein Ding?"
"Den Ärger hatte ich schon, wird immer teuer".
"Jetzt sind also ältere Herren deine Zielgruppe für: Haste mal ein paar Euro für mich?"
Sie lachte:" einen Versuch war es mir Wert, scheint ja geklappt zu haben".
"Noch nicht, oder hast du etwas bekommen".
"Ich fühle etwas in mir, es sagt du hast Glück heute. Manuela kannst du zu mir sagen, so geht es leichter zwischen uns".
"Clever von dir, noch etwas mehr und dann fragst du nach einem Date mit mir oder hast einen anderen Vorschlag nur um noch heute nach Hause zu kommen. Wie alt bist du eigentlich?"
"Ehrliche Antwort oder Märchen vom armen kleinen Mädchen?"
"Wenn dann ehrlich, nur die Wahrheit".
"Na gut, 32 Jahre, Beruf Verkäuferin derzeit oder Eine die sucht und nichts besseres findet".
"Du suchst also nach Quellen?"
"Wie meinst du das?"
"Nach Euro-Quellen und Lebensverbesserung nehme ich an".
"Stimmt alles".
Er schwieg, schaute einigen Schiffen zu, sah auf seine Armbanduhr, dachte an sein Parkticket. 15 Minuten noch dann wollte er aus der Tiefgarage unter dem Kunstmuseum rausfahren. Ein ruhiger Abend stand ihm allein bevor. Er stand auf.

"Bekomme ich jetzt etwas von dir? "
"Nur wenn du mich weiter begleitest".
"Wohin?"
"Tiefgarage, zu meinem Auto und dann sehen wir weiter".
"Machst du Scherze mit mir?"
"Habe ich nicht vor, du wohnst wirklich in Eller?"
Sie ging an seiner Seite mit, war nun neugierig geworden. "Du wohnst in Düsseldorf oder wo?"
"In Benrath, wollte mal wieder durch die Altstadt bummeln heute".
Er zahlte am Automaten, ging dann die Treppe runter in die Ebene, wo sein Wagen stand.
"Angst muss ich doch nicht vor dir haben?"
"Bist du ängstlich? "
"Eigentlich nicht".
Er drückte auf den Autoschlüssel, es blinkte auf, kurz entfernt.
"Das ist deiner, könnte ich mir nie leisten".
"Steig ein, aber fahren werde ich".
Sie sah sich um im Fahrzeug. Er schwieg jetzt, musste sich auf die Ausfahrt konzentrieren.
"Wo fährst du nun hin?"
"Wo möchtest du denn hin?"
"Nach Hause, wenn es geht".
"Wartet da jemand auf dich?"
"Machen wir hier ein Frage-Antwortspiel", sie lachte." Ich könnte dir diese Frage auch stellen".
"Auf mich wartet niemand, nun bist du dran".
"Auf mich auch nicht, wohne allein".
"Ist heute mein Glückstag? "
"Wie soll ich das jetzt verstehen, erkläre es mir bitte. Erwartest du nun noch etwas? "
"Könnte ja sein, Märchen enden doch immer gut und eine kleine Verkäuferin sollte doch auch mal" .... Nun lachte er. "Wohin nun genau, tippe es ins NAVI ein".

"Meinen Namen auch dazu?"
"Ja, dazu deine Telefonnummer".
"Du scherzt, wenn ich ausgestiegen bin, hast du mich doch gleich vergessen".
"Du kannst mich doch mitnehmen in deine Wohnung".
"Besser nicht, sie sieht chaotisch aus und klein ist sie, eben keine Luxuswohnung, Altbau mit Hinterhof ohne Balkon aber preiswert und ohne Schimmel an der Wand".
"Na gut, wir machen einen Deal. Ich fahre weiter und du rufst mich an, wenn alles bei dir aufgeräumt ist. Ich schaue es mir an und dann darfst du sehen, wie und wo ich wohne". Er reichte ihr seine Visitenkarte durchs offene Autofenster und fuhr los. Sie stand auf dem Bürgersteig sah verloren aus, verstand in dem Augenblick ihre kleine Welt nicht mehr.

In ihrer Wohnung angekommen nahm sie die noch halbvolle Flasche Rotwein in der Küche in die Hand und stellte sie wieder zurück.

Das gibt es nicht. Sie stand auf stellte sich in die Dusche und drehte das kalte Wasser auf.
Aufwachen Manuela, das ist alles nur ein Traum. Rock und Pulli wurden nass, sie fröstelte, aber langsam kam etwas zurück. Einmal hatte sie Mut bewiesen einen älteren Herrn, alle ab 50 waren für sie ältere Herren, den sie sympathisch fand, anzusprechen. Mädchen sei stolz auf dich. Sie drehte das warme Wasser an und blieb einfach stehen. Ein warmer Regen, sie merkte, wie ihre langen Haare an ihr klebten, Schminke herablief. Wenig später lag sie im Bett und schlief ein.
Kann ich jetzt, muss ich jetzt, müsste ich nicht diese Chance ergreifen, um einiges zu ändern in meinem Leben, fragte sie sich am nächsten Tag.

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