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geschrieben 2026 von Jens (Jens Richter).
Veröffentlicht: 10.06.2026. Rubrik: Kinder und Jugend


Jonas bei den Waldameisen

Angespornt von Catarinas Geschichte "Winzige Giganten" möchte Euch Jonas sein Abenteuer bei den Waldameisen kundtun.
Außerdem befinden wir uns im "Jahr der Ameise" (lt. NABU).

Ich wünsche dem geneigten Leser viel Spaß beim Schmökern.

Jonas bei den Waldameisen

Der Winter war vorüber und Jonas kribbelte es unter den Nägeln.
Ihn packte regelrecht das Reisefieber.
Da die Sonne hoch am Himmel stand und Jonas mit ihren wärmenden Strahlen kitzelte, beschloss er, sich am Waldesrand außerhalb der Stadt ein schattiges Plätzchen zu suchen.
Er fand schnell ein solches und schlug hier sein Lager auf.
Wie er so vor sich hin döste, zwickte es plötzlich.
Ein übler Schmerz stellte sich ein.
Dann sah er eine kleine Waldameise.
"Autsch! Warst du das?", grummelte er.
"Jawohl. Was sitzt du auch in unserem Revier herum", antwortete die Ameise selbstbewusst.
"Ich wollte hier nur einen schönen Nachmittag verbringen."
"Und das gibt dir das Recht, mit deinem Koffer direkt auf mir zu landen. Hast du keine Augen im Kopf? He."
"Ich schon", verteidigte sich Jonas. "Aber der Koffer nicht. Aber lass uns jetzt nicht zanken. Ich bin Jonas. Und wer bist du?"
"Ich bin Myra, eine Waldameise. Ich wohne in einem Ameisenhügel, nur einige Meter Weg von hier."
"Klingt interessant! Erzähle mir doch bitte mehr von euch Ameisen."
"Da ich arbeite, habe ich nicht viel Zeit zum Reden. Du kannst mich aber das Stück zu unserem Hügel begleiten. Unterwegs beantworte ich dir deine Fragen. Du gibst ja doch keine Ruhe."
"Stimmt", gab Jonas schmunzelnd zu.
"Wieviele Ameisen leben denn in eurem Hügel?"
"Ich lebe in einem Ameisenstaat mit elf Königinnen. Aber die Königinnen regieren uns nicht. Sie legen die Eier für unseren Nachwuchs. Jede von ihnen wird mit ihrer Brut von etwa 100.000 Arbeiterinnen und Jägerinnen versorgt. Wir ernähren uns und den Nachwuchs hauptsächlich von Insekten, kleinen Echsen und mit süßen Honigtau. Diesen leckeren Saft scheiden die Blattläuse aus, die Baumsaft trinken. (Myra holte tief Luft, ehe sie ihre Erzählung fortsetzte.) Die Natur ist ein funktionierender Kreislauf. Alles lebt vom Geben und Nehmen. Unser Staat hält immerhin einen Viertelhektar Wald von Insekten und ihren Larven sauber. Aber auch wir sind oft genug willkommene Beute. Blindschleichen und Echsen stehlen uns regelmäßig die Eier unserer Brut. Außerdem müssen wir stets auf der Hut vor den heimischen Vögeln sein. Damit müssen wir leben."
"Ist es nicht traurig, wenn eine Freundin von dir abends nicht wieder nach Hause kommt?"
"Was soll ich dir darauf antworten, Jonas?"
"Ich verstehe."
Beide schwiegen einen Moment.
"Wo sind eigentlich eure Männchen? Du redest nur von Arbeiterinnen."
"Die männlichen Ameisen werden nur für eine einzige Aufgabe aufgezogen. Um sich mit den neuen Königinnen zu paaren. Danach haben sie keine Aufgaben mehr. Sie werden dann ihrem Schicksal überlassen."
"Ist das nicht unfair?"
"Jonas, das ist der Lauf der Natur. Das habe ich mir nicht ausgedacht."
"Ich habe mal gesehen, dass es Ameisen mit Flügeln gibt", lenkte Jonas ab. "Was sind das für Ameisen?"
"Jungköniginnen haben anfangs noch Flügel und auch die männlichen Ameisen. Nach dem Paarungsflug werden die Flügel nicht mehr benötigt. Die Jungköniginnen stoßen sie kurzerhand ab."
"Wieviele Ameisenarten gibt es eigentlich von euch?"
"Weltweit kann ich es dir nicht genau sagen. Aber in Nord- und Mitteleuropa, so erklärten es uns die älteren Arbeiterinnen einmal, leben 190 Arten. In ganz Europa sollen es ca. 600 Arten sein."
"Oh, so viele Mäusearten sind mir persönlich nicht bekannt."
Der Ameisenhügel kam in Sicht.
"Der sieht ja aus wie ein Vulkan", war Jonas fasziniert.
"Ja, diese Form hat der Hügel bei schönen, angenehmen Temperaturen vom Frühling an bis in den Herbst hinein. Im Winter decken wir den Hügel ab, damit wir die Temperatur im Inneren bei 25 bis 30 Grad Celsius halten und vor Regen oder Schnee schützen."
Eine Arbeiterin schleppte einen Ast an den Beiden vorbei.
"Die ist aber stark", staunte Jonas.
Myra lachte, "Das ist keine Kunst. Wir Ameisen können das vierzigfache unseres Körpergewichtes transportieren."
"Also könnt ihr sinnbildlich 40 andere Ameisen auf eurem Rücken tragen?"
"Eine Kleinigkeit für uns. Mit diesem Ast zum Beispiel wird der Ameisenhügel erweitert. Du musst wissen, dass ein Hügel aus Aststücken, Harzklumpen, Holz, Knospen und Nadeln besteht."

Im Eifer ihres Gespräches haben Beide nicht bemerkt, dass sie unmittelbar vor dem Hügel standen.
Eine Wächterin, die vor der Öffnung des Eingangs postiert war, winkte Myra zu.
Myra verstand, dass sie sich beeilen sollte.
"Du Jonas, ich muss jetzt wirklich in den Bau hinein. Die Bruthelferinnen warten auf den Honigtau, den ich von den Läusen abgeholt habe. Lass es dir gut gehen und pass bitte auf, wo du zukünftig deinen Koffer abstellst."
Mit einem Winken verschwand Myra in der Öffnung des Ameisenhügels.
Jonas verharrte noch ein Weilchen vor dem Hügel und beobachtete das Treiben, ehe er zum Reisekoffer zurückkehrte.
"Das war wieder ein spannendes Erlebnis. Ab jetzt sind alle Ameisen meine Freunde."

Ende

Jens Richter, Juni 2026

counter6xhab ich gern gelesen

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von lüdel am 10.06.2026:

Da ist er wieder, Tiger Jens. Einfach herrlich lebendig erzählt, diese Geschichte. Super, gefällt mir sehr gut.

Lüdel 🧚‍♂️💜




geschrieben von Rautus Norvegicus am 10.06.2026:

Hallo Jens,

alter Bio-Lehrer😉Eine schöne Geschichte, hätte meine Bio-Lehrerin sein können, die brachte uns auch immer in kleinen Geschichten ein Thema nahe, bevor es ans Fakten pauken ging. Deine Geschichte hat mir viel Spaß gemacht😊

Internette Grüße
🐀
Rautus

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