Veröffentlicht: 08.04.2026. Rubrik: Aktionen
Das Vermächtnis der Hyperboreer (Aprilaktion)
Die Legende von den vier Amuletten
Einst, vor Menschengedenken lag im hohen Norden der beinahe kreisrunde Kontinent Hyperborea.
Hyperborea, so ist es in alten Legenden niedergeschrieben, war ein Hort glückseeliger Menschen, die dem Gesang und den schönen Künsten zugeneigt waren.
Die Hyperboreer waren sehr große Menschen, von lichter Gestalt, transparenter Haut, silbrigen Haaren und Augen, die wie Bernsteine leuchteten.
Dieser Kontinent war eine einzige riesige Stadt, umgeben von einem Wall aus ewigen Eis, der Schutz vor Fluten und Seestürmen bot.
Zu jener Zeit war das Klima noch ein anderes auf der Erde.
Da der Kontinent auf dem heutigen Nordpol ruhte, seine Energie aus dem Erdinneren bezog, konnten die Bauern und Siedler zwei ertragreiche Ernten im Jahr einfahren.
Die Sonne spendete ebenfalls genügend Wärme für einen langen Sommer.
Außerhalb des Eiswalls war das Klima rauh.
Das Eis bedeckte die Norhalbkugel bis heran ans Mittelmeer, soweit das Auge sehen konnte.
Und dennoch zogen Karawanen mächtiger Mammute über das endlose Eis, um die wärmeren Gefilde zu erkunden.
Die Hyperboreer gründeten über die gesamten nördlichen Gebiete der Erde Kolonien.
Nicht mit einer Politik aus Feuer und Eisen wie es die heutige Welt kennt, sondern mit einem Wissensschatz aus Kunst, Spiritualität, Weisheit und Wissen.
Von diesem Wissensschatz profitierten die Menschen, die sie während ihrer Erkundungen antrafen.
Iskanderius war ein seltsamer Kauz, mit enormen seherischen Fähigkeiten ausgestattet.
Und mit einem Alter von 420 Jahren ein Mann in seinen besten Jahren.
Er strotzte vor Elan und Kraft.
Sein Wort hatte Gewicht beim großen Senat der Hyperboreer.
In den letzten Jahren zeigte er sich oft launisch, mit eingetrübtem Gesichtsausdruck.
Oder schweigsam.
Aufgrund seines Verhaltens, dass bei den freundlichen und lebensbejahenden Hyperboreern völlig unbekannt war, wurde er von den Mitmenschen darauf angesprochen.
Er wich einer Antwort dann stets galant aus.
Eines Abend sprach er zu seinem geliebten Weib.
"Das Meer außerhalb des Eiswalls steigt immer höher. Ich befürchte, dass er dem Druck des Wassers keine zwanzig Sonnenzyklen (Jahren) mehr standhält."
"Was bedeutet das für uns?", fragte sein Weib besorgt.
"Wir alle müssen unsere Heimat verlassen."
"Bist du dir sicher?"
"Die Gesetze der Natur lassen kein positives Ergebnis zu."
"Müssen wir jetzt alle sterben?"
"Nein, wir können die verbleibende Zeit nutzen, um uns in den südlichen Gefilde anzusiedeln."
"Dann sollten es der große Rat der Senatoren erfahren."
"Ja Elaja, heute wollte ich mit ihnen meine gesicherten Erkenntnisse vortragen."
Iskanderius hatte das wichtigste Werk seines Lebens vollbracht.
Auf der Arbeitsplatte seiner Wirkstätte lagen vier kunstvoll gefertigte Amulette, die je einen Kristall einfassten.
Da sich die Hyperboreer bei ihrer Abreise in vier Züge aufteilten, würde der Anführer eines jeden Zuges ein Amulett erhalten.
Die Besonderheit des Kristalles bestand darin, dass in ihm der Wissensschatz Hyperboreas abgespeichert und für alle Zeiten über virtuellen Bibliotheken abrufbar ist.
So setzten sich die vier Züge in Bewegung.
Ein Zug reiste in den Mittelmeeraum.
Ein Zug auf den indischen Subkontinent.
Ein dritter Zug an das Schwarze Meer.
Ein kleiner Teil zu den feurigen Quellen Islands.
Iskanderius mit seiner Familie zog es ins Land der Geysire und Vulkane (Island).
Als Letzter seines Zuges stieg er auf den Rücken seines mächtigen Mammuts.
Noch lange sah er immer wieder zurück.
Die kommende Katastrophe hatte sich lange angekündigt.
Die losen Eisschollen, getragen vom Meer, drückten bereits bedenklich gegen den Eiswall.
Der Eiswall würde bald einreißen.
Jens Richter, 2026
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