geschrieben 2026 von Matthias Stilke (CaptainX).
Veröffentlicht: 18.03.2026. Rubrik: Fantastisches
Psi-Jäger - Teil 2(2)
Tork Emilson war Kopfgeldjäger und suchte nach einem geflüchteten Psi-Verbrecher.
*
Er verabschiedete sich knapp und fuhr davon. Außerhalb der Sichtweite des Hofes hielt er an und zog eine metallene, fußballgroße Kugel aus seiner Ausrüstung. Es handelte sich um eine Überwachungsdrohne. Er hielt sie in die Luft und aktivierte die Kugel mit einem Sprachbefehl: "Drohne aktivieren!"
"Recon-Drohne 130 bereit!", meldete sich das Gerät mit einer geschlechtsneutralen Stimme. Er ließ die Kugel los und sie blieb in der Luft stehen.
"Drohne 120. Überwachungsauftrag. Gebäudegruppe Position Alpha. Abstand 100 Meter. Tarnmodus. Videoübertragung.", waren seine Anweisungen. Tork markierte die Position auf den Kartenpanel des Gleiters mit dem Schlüsselwort 'Alpha' und übertrug die Daten an die Drohne.
"Position bestätigt.", sagte die Drohne und sauste los. Auf seinem Panel konnte Tork in Echtzeit die Videoübertragung des Aufklärers verfolgen.
Zunächst sah er nur Gras, Büsche und vereinzelt niedrige Baumbestände. Nach einigen Minuten erschien der Hof der Antiss' auf dem Schirm. Die Drohne stoppte und positionierte sich automatisch so, dass sie alle Aktivitäten auf dem Hof überblicken konnte, von dort aber kaum auszumachen war.
Tork lehnte sich entspannt zurück. Das konnte jetzt dauern!
Einige Stunden passierte nichts. Dann meldete die Drohne Aktivitäten auf der Holzveranda. Die junge Frau, die sich vorhin ängstlich hinter ihrem Vater versteckt hatte, kam aus dem Haus. In der Hand hielt sie einen Beutel. Mit einem Fernglas suchte sie die Umgebung ab. Tork machte sich keine Sorgen. Er war weit außer Sichtweite und die Drohne für eine Entdeckung zu klein.
Nach einer Weile legte sie - anscheinend zufrieden - das Fernglas aus der Hand und ging in eines der kleineren Nebengebäude. Einen Moment später erschien sie wieder am Steuer eines kleinen offenen Elekrofahrzeugs. Sie fuhr vom Hof und bog Richtung Osten ab.
Tork wies die Drohne an, dem Fahrzeug vorsichtig hinterherzufahren. Er selber startete den Gleiter und folgte langsam dem Positionssignal der Drohne.
Die junge Frau fuhr stetig nach Osten, bis ein wasser- und namenloses Flussbett ihren Weg kreuzte. Dort hielt sie an, stieg aus und ging das steinerne Ufer in Richtung Norden entlang. Den Beutel trug sie über die Schulter.
Tork zögerte. Solange sie in ihrem Fahrzeug saß, übertönten die Fahrgeräusche das Antigravitationsmodul der Drohne. Er entschied sich, sie auf Position zu lassen und abzuwarten.
Nach etwa zehn Minuten kehrte sie zu ihrem Fahrzeug zurück - ohne Beutel! Tork's Ahnung hatte sich anscheinend als richtig erwiesen. Sie hatte jemanden - vermutlich ihren Bruder in einem Versteck - den Beutel überbracht. Wahrscheinlich handelte es sich um Vorräte.
Sie fuhr den Weg zum Hof ihres Vaters zurück. Tork steuerte einen weiten Bogen um sie herum und nahm Kurs auf die Drohne, die immer noch versteckt im Gras an diesem Flussbett schwebte.
Dort sammelte er das Gerät ein, schnappte sich sein Gewehr und ging zu Fuß vorsichtig das Flussbett in Richtung Norden entlang. Das Mädchen hatte hin und zurück nur zehn Minuten gebraucht. Das Versteck ihres Bruders konnte also nicht weit entfernt sein. Die Anfahrt mit dem Gleiter hätte ihn vermutlich alarmiert und eine Flucht ermöglicht.
Er griff in seinen Rucksack und zog eine kugelförmige Kappe heraus. Es war ein künstlicher Psischirm. Falls Jeremia neben telekinetische auch über telepathische Kräfte verfügen sollte (was bei Begabten nicht selten war), könnte er Tork frühzeitig orten und sich in die Büsche schlagen. Mit dieser Kappe war er nahezu unsichtbar im Astralraum.
Nach gut fünf Minuten sah er am steinigen Ufer eine kleine provisorische Hütte. Auf einen großen Stein davor saß ein übergewichtiger junger Mann. Er ließ die Beine baumeln und bewegte seinen Oberkörper rhythmisch vor und zurück. Neben ihm lag der Beutel.
Tork nahm sein Gewehr in Anschlag und ging vorsichtig auf den Mann zu. Obwohl er saß, konnte Tork klar erkennen, dass er neben seiner Fülle auch sehr groß und kräftig war.
"Hey! Du!", rief der Kopfgeldjäger ihn an. Der Mann erschreckte sich, sprang von dem Stein und sah Tork mit großen Augen an. Er machte den Eindruck, als ob er geistig unterentwickelt war. Das war bei Begabten kein ungewöhnlicher Begleitzustand.
Tork zog sein Panel aus der Tasche und rief das Fahndungsbild der Polizeibehörde auf. Kein Zweifel! Es handelte sich um Jeremia Antiss!
"Jeremia? Ich verhafte dich im Namen der planetaren Regierung wegen paranormaler Umtriebe. Umdrehen, auf die Knie und Hände auf den Rücken."
Tork erwog den Gedanken, diesen kräftigen Fleischberg einfach niederzuschießen und auf die 2.000 Credits zu verzichten. Falls Jeremia nicht kooperierte, könnte er ihm eine Menge Ärger bereiten.
"Jaaa. Jeremia. Jaaa.", lallte der Riese, konnte aber anscheinend Tork's Anweisungen folgen. Er drehte sich um, ging auf die Knie und führte die dicken Arme auf seinen Rücken zusammen.
Tork steckte den Panel weg und zog einen pistolengroßen Scanner aus den Rucksack mit dem er paranormale Zustände messen konnte. Das Gerät zeigte nichts an. Entweder war er noch zu weit entfernt oder Jeremia's Kräfte waren nur rudimentär vorhanden und somit kaum messbar.
Er tauschte das Gerät mit einem Satz Handschellen aus seinem Gürtel. Vorsichtig näherte er sich Jeremia, das Gewehr immer noch im Anschlag. Mit einer vielfach geübten Bewegung legte er ihm die Stahlfesseln an.
Jetzt fühlte sich Tork etwas besser. Er nahm sich den Psischirm ab und setzte ihn auf Jeremia's Kopf. Falls der junge Mann nun doch noch versuchen wollte, ihn mit Psikräften zu attackieren, waren diese nun blockiert.
Hinter ihm erklang plötzlich eine Stimme: "Hey! Bulle!"
Tork drehte sich um. Auf den Weg, den er gekommen war, stand die junge Frau - Jeremia's Schwester.
Sein Alarmsinn klingelte. Er befand sich genau zwischen zwei Gefahrenmomenten. Allerdings war der eine gesichert, der andere offensichtlich harmlos. Trotzdem: Das Mädchen musste einen guten Grund haben zurückzukehren und das gefiel Tork irgendwie nicht.
"Verschwinde, Mädchen!", sagte er schroff: "Bevor ich dich auch noch mitnehme."
"Du hast den Falschen erwischt!", sagte sie ruhig und bestimmt, so als ob sie ihn nicht gehört hatte.
Noch während er über ihre Worte nachdachte, riss eine unsichtbare Kraft ihm das Gewehr aus den Händen. Es landete einige Meter entfernt auf den Steinen des Flussbetts.
"Dein Ruf ist dir vorausgeeilt, Tork Emilson.", rief die junge Frau kampflustig: "Wir haben auf dich gewartet."
Plötzlich begriff Tork! Es war eine Falle! Er griff nach seiner Pistole im Schulterholster, aber es war zu spät. Ein psionischer Schlag traf seinen Geist und raubte ihm das Bewusstsein.
Epilog
Jaina stand neben der Leiche. Tork's toter Blick war eine Mischung zwischen Verwirrung und Entsetzen. Ihr Bruder gesellte sich zu ihr.
"Das war Nummer Drei!", sagte er nachdenklich: "Wie lange wird es wohl noch gut gehen?"
Sie blickte Jeremia fest in die Augen: "Solange es sein muss!"
Ende
Geschrieben: März 2026
Autor: Matthias Stilke (c)
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