Veröffentlicht: 24.05.2026. Rubrik: Fantastisches
Die Hexenakademie, Teil 5
Kapitel 9: Eine düstere Vorahnung
Saphira hatte gerade in die Zukunft gesehen und die Kristallkugel weggelegt, da landete ein magischer Brief in ihrer Hand. Verwundert starrte sie den Brief an, denn dies war in ihrer Hexenkugel nicht zu sehen gewesen. "Komm schnell zum Friedhof. Ich habe gesehen, wie Clara dort schamanische Magie angewandt hat und möchte es dir zeigen. Liebe Grüße, Astasia." Saphiras Hexeninstinkte wurden wach, und eine düstere Vorahnung beschlich sie. Sie wusste nicht, was passieren würde, doch etwas sagte ihr, dass sie vorsichtig sein musste. Schnell setzte sie sich auf ihren Besen und flog los. Auf dem Weg begegnete sie allen anderen Hexen, jung und alt. Sie fragte sich, was dies sollte, doch gemeinsam flogen sie weiter und fanden bald den Eingang zu einer Höhle. Dort landeten sie und stiegen hinab. Clara stand mitten im Raum, und es sah aus, als würde sie Astasia nur anstarren. Saphira konnte nicht ahnen, dass bereits ein mentaler Kampf zwischen ihnen tobte. Dann bemerkte Astasia die anderen Hexen und drehte sich lächelnd um. "Ah, da seid ihr ja", murmelte sie und lächelte dabei düster. Erst jetzt bemerkte Saphira, dass mit ihrer Tochter etwas nicht stimmte. Sie konnte nicht beschreiben, was es wahr, doch ihre Tochter wirkte plötzlich so gefühllos und kalt, als wäre sie von irgendetwas besessen worden. Saphira sah ihre Hexengemeinschaft an, und ihr Blick sagte, dass sie handeln mussten. Ein Ausdruck der Wut huschte für einen Moment über Astasias Gesicht, als sie begriff, dass sie so früh durchschaut worden war, doch dann lachte sie nur freudlos auf. "Ihr werdet mich nicht besiegen! Ich bin die wahre Meisterin! Ich habe es geschafft, eine Verbindung mit einem Dämon einzugehen, ohne von ihm vernichtet zu werden." Ihre Augen funkelten. "Der Dämon hat dich zwar nicht vernichtet, aber du bist nicht mehr du selbst! Du bist nicht klar im Kopf!", rief Saphira. Astasia grinste. "Du irrst, meine liebe Mutter. Ich war noch nie so klar, wie in diesem Moment." Die Hexen fassten einander an den Händen und stellten sich in einem Kreis auf. "Auch eure gebündelte Hexenkraft wird mich nicht töten!" Die Hexen ignorierten die Dämonenhexe und sprachen einen komplizierten Spruch. Clara erkannte sofort, dass es ein Fluch sein musste. Als der Fluch sie traf, lachte Astasia nur. "Ein Todesfluch, das habe ich mir gedacht. Wie dumm nur, dass ihr nicht wisst, dass Dämonen und deren Begleiter dagegen immun sind! Mein Dämon wird sich all eure Seelen holen, und am Ende werde ich die Einzige sein, welche noch am Leben ist." Mit einem Gedankenzauber brachte Astasia lähmende Angst über alle Hexen. Sie gingen zu Boden, und ihr Atem ging in schnellen Stößen. "Hol dir die Seelen", befahl Astasia dem Dämon, und Clara sah, wie dieser sich auf die Hexen zubewegte. Dies musste sie verhindern, und so versuchte sie, ihm die Energie zu entziehen, wie sie es damals getan hatte. Leider jedoch stieß sie auf eine Barriere, und Panik wallte in ihr auf. "Du wirst meine Energie nicht bekommen!", brüllte der Geisterdämon in ihren Gedanken, doch Clara gab nicht nach. Im Hintergrund nahm sie wahr, wie Astasia mit Agorius kämpfte. Zum Glück konnten Geister nicht sterben, und dies beruhigte sie. Der Geist hatte ihr erklärt, dass er nur für kurze Zeit verschwand, wenn seine Magie aufgebraucht war. Sobald er sie wieder regeneriert hatte, konnte er wieder als Geist erscheinen. Also konzentrierte sich Clara ganz auf den Kampf gegen den Dämon. Immer wieder schleuderte er Gedankenzauber gegen ihre Barriere, welche jedoch standhielt. Clara benutzte so viel geistige Energie, dass ihre Schläfen zu pochen begannen, doch es war notwendig. Triumph wallte in ihr auf, als die Barriere des Dämons in sich zusammenbrach. Sofort griff sie nach der Energie und entzog sie dem Dämon, bis er verschwand. Astasia, welche bereits einen weiteren Zauber gegen Agorius schleudern wollte, hielt plötzlich inne, und ihre Augen weiteten sich vor Angst. "Das kann nicht wahr sein!", schrie sie und nutzte ihre noch verbleibende Hexenkraft. Clara versuchte noch einen weiteren Gedankenzauber, doch sie bemerkte, dass ihre Konzentration nicht mehr stark genug war, um ihre Energie zu benutzen. Sie begriff, dass es nicht reichte, neue Energie erhalten zu haben, wenn ihr die Konzentration darauf nicht mehr gelang. Ihre Energie war zwar stark, doch Clara konnte sie nicht richtig greifen. Es fühlte sich an, als hätte sich ein Schleier über ihren Geist gelegt, welcher ihr die Konzentration nahm. Ungläubig spürte sie, wie der Zauber der Hexe sie traf. Hitze breitete sich in ihrem gesamten Körper aus, und sie stürzte zu Boden. "Du wirst innerlich verbrennen, und ich werde zusehen", flüsterte Astasia und setzte sich neben sie. Claras Blick fiel auf die anderen Hexen, doch diese rührten sich kaum noch und atmeten sehr flach. Die lähmende Angst war scheinbar noch immer da, also konnte sie nicht auf deren Rettung hoffen. Panisch bemerkte sie, wie das Brennen immer mehr an Stärke zunahm. Geistige Bilder ihres Lebens zogen an ihr vorbei, und dann nahm sie auch die Panik ihres Geisterfreundes wahr. "Das ist mein Ende", dachte sie.
Kapitel 10: Die Rettung
Plötzlich erschien eine Gestalt in der Höhle. Es war ein junger Mann, welcher Clara seltsam vertraut erschien. Sein Blick fiel auf die Dämonenhexe, welche sich plötzlich an die Brust fasste und zu Boden ging. Kurz darauf erlosch ihr Lebenslicht, und das Brennen in Claras Körper hörte augenblicklich auf. Nun erkannte sie den Mann wieder, es war ihr Vater, welchen sie im Traum gesehen hatte. Er drehte sich zu den anderen Hexen um, und kurz darauf erhoben diese sich wieder. Sie wirkten zwar noch sehr mitgenommen, aber wieder klar bei Verstand. "Danke", flüsterte Clara und erhob sich ebenfalls. "Das war Rettung in letzter Sekunde", bestätigte auch Saphira, und zum ersten Mal musterte sie Clara mit respektvollem Blick. "Du hast deine Sache gut gemacht", lobte sie, bevor ihr Blick zu dem Mann wanderte. "Und ihr habt Clara gerettet. Das werde ich euch nicht vergessen." Der Mann nickte nur. "Clara ist meine Tochter. Natürlich werde ich sie retten." Für einen Moment herrschte Stille, bis ihr Vater wieder das Wort ergriff. "Clara, es wird Zeit, dass du die Schamanenakademie besuchst. Deine Kräfte müssen noch gut trainiert werden, genau wie deine Konzentration." Sie nickte. "Ich habe eine Bedingung", mischte sich Saphira ein. "Clara muss einmal wöchentlich zurück in die Hexenakademie, um noch mehr zu lernen." Ihr Vater nickte. "Dann wäre dies abgemacht", stellte Saphira fest und stellte sich dann bei Claras Vater vor. Nun erfuhr sie auch, dass sein Name Kikaro lautete. "Lass uns gehen", sagte er, und als Clara sich umdrehte, fiel ihr Blick noch einmal auf Astasias Leiche. Ekel überkam sie, und sie kniff die Augen fest zusammen. Ihr Vater erschuf mit seiner Magie ein Tor, und Clara tat den ersten Schritt hinein. Nicht mutig oder selbstbewusst, aber mit einer gewissen Neugier auf das, was sie nun erwartete.
Vorläufiges Ende
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