Veröffentlicht: 28.05.2026. Rubrik: Fantastisches
Die Halbelfe, Teil 2
Kapitel 3: Der Ritt auf einem Greifen
Aurora fand sich in einem tiefen, dichten Wald wieder. Überall wuchsen Bäume und Pflanzen. "Darf ich vorstellen, das ist der Eingang von Elyndar. Es ist eine riesige Welt mit verschiedenen Völkern", erklärte Auroras Vater und blickte dann in eine bestimmte Richtung. Nun sah Aurora es, etwa hundert Schritte vom Eingang der Welt war ein Strand mit einem großen, blauen Ozean zu sehen. Überall auf dem Meer sowie in der Luft war ein weißes Licht zu erkennen. "Dies ist ein Schutzzauber, welchen die Feen vor tausenden von Jahren gewoben haben", erklärte Lisara. "Er sorgt dafür, dass keine bösen Wesen auf die Erde gelangen. Eigentlich sollte er auch die Welt vor den Dunkelfeen, Dämonenvampiren und anderen dunklen Wesen schützen, was leider nicht so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben." "Welche Völker leben hier?", wollte Aurora wissen. "Im Meer leben Nixen, und etwas weiter westlich befindet sich die Elfenstadt Kamyriel. Weiter im Osten leben Baumtrolle und Waldriesen. Sie sind meistens friedlich, nur manche von ihnen wurden bereits aus Elyndar verbannt, da sie andere Wesen gefangen nahmen. Weiter im Norden existiert ein schier unbezwingbares Gebirge. Dort haben die Eisriesen ihre Stadt aufgebaut, welche vollkommen aus Eis besteht. Man weiß nicht viel über sie, es ist nur bekannt, dass sie jedes Wesen mit ihrem Blick einfrieren können. Am Fuße dieses Gebirges haben es sich einige friedliebende Vampire eingerichtet und Berghöhlen gebaut. Dort scheint selten die Sonne, und obwohl Vampire einen Zauber beherrschen, welcher sie Sonne ertragen lässt, gehen sie meistens des Nachts auf die Jagd. Leider haben sich viele Vampire den Dämonen und Dunkelfeen angeschlossen und sind in die Schattenwelt gegangen." Als Aurora ihren Eltern so aufmerksam zuhörte, bemerkte sie plötzlich, wie Tiko, ihr Vogelbegleiter, von ihrer Schulter flog. Sie wollte ihn einfangen, doch er begann plötzlich zu wachsen, und wenige Sekunden später stand ein riesiger Greif vor ihr. Aurora wusste nicht warum, doch sie war sich sicher, dass dies ein Greif war, obwohl sie solche Geschöpfe noch nie gesehen hatte. "Du liegst ganz richtig", hörte sie eine tiefe, telepathische Stimme. "Ich bin ein Greif und habe dich zu meiner Reiterin auserwählt. Jeder Elf und jede Elfe hat einen tierischen Begleiter, der fliegen kann, nur du bist die Einzige, welche telepathisch mit ihrem Tier sprechen kann, da die anderen Elfen keine Magie mehr besitzen." Aurora wusste für einen Moment nicht, was sie sagen sollte. "Steig auf", befahl ihr Tiko. "Wir haben keine Zeit zu verlieren, die Elfenkönigin Celestia wartet auf dich." Plötzlich tauchte ein Einhorn auf, und Auroras Vater bestieg es. "Wir sollten uns beeilen", sagte auch er. Lisara nickte. "Ich fliege inzwischen in den Wolkenwald und verhandle mit Skaraya, unserer ältesten Fee darüber, ob es nicht doch eine Möglichkeit gibt, dass sie zu dir kommt, um deine Magie freizusetzen. Der Wolkenwald ist nämlich nur schwer zu finden, solltest du wissen. Feen können mit einem Portal reisen, aber auch ein Portal von mir würde dich nicht mitnehmen." Aurora nickte, und ihre Mutter breitete die Flügel aus. Im nächsten Moment wurde sie von Feenlicht eingehüllt. Weißer Feenstaub wurde sichtbar, und dann war sie weg. Nun stieg Aurora auf ihren Greifen, und er flog los. Obwohl sie noch nie geflogen war, fühlte sie sich auf eine seltsame Art und Weise sicher.
Kapitel 4: Ein Besuch bei der Elfenkönigin
Nach wenigen Minuten sah Aurora ein Tor mitten im Wald. Vor dem Tor standen zwei Elfenwächter. Einer von ihnen hielt ein elfisches Langschwert, während der Zweite einen Bogen in den Händen hielt. Die Bogensehne war gespannt. Nicht bedrohlich, sondern als Warnung. Als Tiko an ihnen vorbeiflog, musterten sie ihn und seine Reiterin. "Die Rettung naht!", riefen beide im Chor. Dann fiel ihr Blick auf Lunariel, und sie wurden wütend. "Warum bist du damals einfach so verschwunden!", schrie einer der Krieger. "Arion, lass es mich bitte erklären", erwiderte Auroras Vater sanft. "Du wusstest, dass die Mischung aus Fee und Elfe die Macht hat, den Fluch von uns zu nehmen, und trotzdem hast du sie nicht sofort nach der Geburt zu uns Elfen gebracht, damit sie hier erzogen und trainiert wird!" "Lisara meinte, es wäre nicht gut, wenn ..." "Und weil Feen wahrsagen können, glaubst du, dich nicht mehr an die Absprache halten zu müssen, welche du mit Celestia getroffen hast? Unsere Königin ist wütend!" Arion hob sein Schwert und ließ es kreisen. Auch der andere Elf hielt seinen Bogen fester. Aurora hob eine Hand. "Genug!", rief sie, ohne weiter über ihr Verhalten nachzudenken. "Schuldzuweisungen nützen nichts. Nun bin ich da, und ich will euch helfen." Sofort wurde es still, als würden die Krieger erst jetzt realisieren, dass Aurora nun wirklich hier war. Die Elfen senkten ihre Waffen und setzten sich auf ihre geflügelten Einhörner. Dann flogen sie voraus. Es ging einige Minuten durch den Wald, bis Aurora einen riesigen Turm vor sich sah. Er schien ganz aus Ästen zu bestehen, und Moos wuchs überall. Die Elfenwächter nickten den beiden Turmwachen zu, welche auf Greifen flogen, und diese gaben den Weg frei. Tiko und die Einhörner landeten auf einem Plateau an der Spitze des Turms, und die Elfen gingen eine Treppe hinunter. Nicht weit von der Spitze weg sah Aurora eine riesige Halle. Auch dort hielt die Natur noch immer Einzug, denn einige Pflanzen blühten. Auf einem Thron saß eine bildschöne Elfe, welche von zwei Wächtern flankiert wurde. Aurora verneigte sich voller Respekt vor Celestia. Der Blick der Königin wanderte durch den Raum. Mit einer Geste bedeutete sie den Kriegern, welche Aurora und ihren Vater begleitet hatten, ihrer Arbeit wieder nachzugehen. Als diese sich entfernt hatten, verweilte ihr Blick einen Moment auf Lunariel. Sie ließ sich zwar nichts anmerken, doch Aurora vermutete, dass sie wütend war. "Ich weiß nicht, was ich davon halten soll, dass du dich nicht an unsere Abmachung gehalten hast, Lunariel, ehemaliger Heerführer", sagte sie nur. Lunariel blickte sie schuldbewusst an, doch sie kümmerte sich nicht weiter um ihn. Ein Lächeln umspielte Celestias Gesicht, als sie Aurora musterte. "Das ist sie also", murmelte die Königin. "Aurora, die Elfenfee, Herrin der Natur und Retterin von Elyndar." Aurora riss ihre Augen weit auf vor Staunen. "Könnt ihr auch in die Zukunft sehen?", fragte sie. Die Königin schüttelte den Kopf. "Lisara kam damals zu uns und berichtete uns davon. Deshalb haben wir Lunariel dazu ausgewählt, mit ihr ein Kind zu gebären. Wir wussten damals nicht, dass er den Vertrag mit mir brechen würde." Ihr Ausdruck wurde ein wenig düsterer, bevor sie wieder lächelte. "In drei Tagen musst du wahrscheinlich in den Wolkenwald reisen, um die Feenmagie in dir freisetzen zu lassen", stellte Celestia fest. "Bis dahin wird dir einer meiner fähigsten Krieger Unterricht in den verschiedenen Waffen geben, denn obwohl du Magie wirken kannst, ist es manchmal wichtig, ebenfalls den Kampf mit Waffen zu erlernen und die elfischen Instinkte zu trainieren. Du wirst im Palastturm wohnen, eine meiner Dienerinnen ist bereits damit beschäftigt, eine Kammer für dich vorzubereiten." Aurora nickte, und schon bald betrat eine freundliche Elfe den Raum. Sie trug eine grüne Tunika aus Leinen, welche mit Blumenmustern bestickt war, dazu noch eine gleichfarbige Hose. Nach einer tiefen Verbeugung vor der Königin, ging sie auch vor Aurora auf ein Knie. Diese sah die Dienerin überrascht an. "Es ist sicher ungewohnt, dass Andere vor dir knien, aber da du eine sehr zentrale Rolle für die Rettung der Welt spielst, wollen sie dir damit den Respekt zollen, den du verdienst", erklärte die Elfenkönigin. Die Dienerin nickte mit einem Lächeln. "Mein Name ist Asyra. Kommt mit, Elfenfee Aurora. Euer Zimmer ist bereit."
Fortsetzung folgt





