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3xhab ich gern gelesen
geschrieben 2026 von Evelinya Lyriel (lys).
Veröffentlicht: 17.06.2026. Rubrik: Aktionen


Hin

Schon lange bevor sie das Meer sehen konnte, war da dieser Geruch.

Salz und etwas Unbekanntes, Weites, das sie nicht benennen konnte. Sie saß hinten im Auto, die Stirn an die Scheibe gelehnt, und sog die Luft ein, als könnte sie sie festhalten. Ihre Eltern sagten etwas, aber sie hörte nicht richtig zu. Da war nur dieses leise, stetige Rauschen, das immer deutlicher wurde.

„Ist es noch weit?“

Die Frage kam immer wieder, dringender jedes Mal.

Dann hielt das Auto an.

Der Weg führte über die Dünen, ein schmaler Pfad, der sich durch das helle Gras zog. Der Sand war weich unter ihren Schuhen, und sie ging schneller, zog schließlich ihre Eltern beinahe hinter sich her. Ihr Herz schlug plötzlich schneller, ohne dass sie wusste, warum.

Kurz vor dem höchsten Punkt blieb sie stehen.

Etwas in ihr zögerte.

Eine kleine, unerklärliche Angst.

Was, wenn es zu groß war? Zu laut? Zu anders?

Der Wind strich über ihr Gesicht, trug das Rauschen jetzt ganz nah heran.

Dann machte sie den letzten Schritt.

Und da war es.

Das Meer.

Unendlich breit, bis zum Horizont, der Himmel und Wasser kaum voneinander trennte. Wellen mit schaumgekrönten Spitzen rollten heran, brachen sich am Ufer und zogen sich wieder zurück, als würden sie atmen.

Sie vergaß die Angst.

Sie vergaß alles.

Ein Lachen brach aus ihr heraus, so plötzlich, dass sie selbst erschrak – und dann rannte sie los.

Den Hang hinunter, der Wind in den Haaren, der Sand spritzte unter ihren Füßen. Sie hörte ihre Eltern rufen, aber das war weit weg. Alles zog sie nach vorn.

Bis das Wasser sie erreichte.

Kalt.

Überraschend.

Lebendig.

Sie blieb stehen, dann setzte sie noch einen Schritt hinein, ließ die Wellen um ihre Füße spielen, spürte, wie der Sand unter ihr nachgab. Sie quietschte vor Kälte und Freude zugleich und konnte nicht mehr aufhören zu lachen.

Später saß sie eingewickelt in eine Decke zwischen ihren Eltern. Der Wind war milder geworden, das Licht weicher. In ihren Händen hielt sie eine Tasse Tee, viel zu warm für ihre kleinen Finger, und aß ein Stück Kuchen, langsam, zufrieden.

Das Meer rauschte weiter.

Sie blickte immer wieder hinüber, als müsste sie sich vergewissern, dass es noch da war.

Und tief in sich wusste sie, ohne es sagen zu können:

Dass sie immer wieder hierher zurückkehren würde.

Dass sie dieses Rauschen nie ganz verlassen würde.

Dass sie das Meer immer lieben würde.

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Catarina am 17.06.2026:

Liebe lys
eine sehr elegant geschriebene Geschichte. Dein Schreibstil gefällt mir.
Viele Grüße
Catarina

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