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geschrieben 2026 von Phoberos (Phoberos).
Veröffentlicht: 02.09.2026. Rubrik: Kürzestgeschichten


P, V und ich

Unter der Woche sah ich P selten. Er hatte seinen eigenen Rhythmus, seine eigenen Verpflichtungen, und so blieben für uns fast nur die Wochenenden – dafür beinahe alle.

Ab Freitag gehörte die Zeit uns. Fast immer trafen wir uns bei ihm. Bevor wir loslegten, nahmen wir jeweils eine kleine Stärkung zu uns – es war wie ein Ritual für das Bevorstehende. Danach konnte es Stunden dauern, und nicht selten waren wir beide völlig erledigt, wenn wir aufhörten – aber zufrieden.

P war kräftig. Nicht auf die laute Art, sondern auf diese stille, verlässliche Weise, die man erst zu schätzen weiss, wenn man sie wirklich braucht. Mit ihm konnte ich stundenlang weitermachen, ohne dass er nachliess. Er brachte mich dazu, Dinge zu probieren, an die ich nie gedacht hatte, und ich verliess mich blind auf ihn.

Dann traf ich V. Sie passte zu P und mir, als hätte es uns schon immer zu dritt gegeben.

Mit ihr war es dennoch anders. Ich sah sie unter der Woche häufiger – ein kurzer Abend hier, ein Nachmittag dort –, an den Wochenenden dagegen seltener, weil sie dann manchmal arbeiten musste. Also war ich mal mit P zusammen, mal mit V. Wenn es ging, verbrachten wir die Zeit gerne zu dritt.

Auch sie war ausdauernd, aber ihre eigentliche Stärke lag woanders. Sie war unglaublich gelenkig. Ihre Bewegungen waren fliessend, geschmeidig, fast wie die eines Panthers auf Beutezug. Ich bewunderte sie und fragte mich, wie sie ihre Beine so hoch bekam. Ich selbst war nicht unbeweglich – ich konnte mich schon sehr verrenken –, aber neben ihr war das nur ein müder Abklatsch.

Waren wir zu dritt, war V meist in der Mitte. Es fühlte sich richtig an, sie dort zu wissen, geschützt zwischen P und mir. Die Führung überliessen wir ihr nur selten – nicht, weil sie es nicht gekonnt hätte, sondern weil P und ich uns daran gewöhnt hatten, das Tempo zu bestimmen. Wenn sie doch einmal führte, war es, als würde sich das ganze Gefüge neu sortieren, leichter, wacher, ein bisschen gefährlicher.

Ich denke oft an diese Wochenenden, an das Wechselspiel zwischen uns dreien, an das, was die beiden mir gezeigt haben. Manchmal frage ich mich, ob –

„Attenzione, corda!“

Ein Surren von oben. Jemand hat ein Seil zum Abseilen ausgeworfen. Schon saust es an mir vorbei, klatscht gegen die Wand und streift meine Schulter.

Ich sollte meine Gedanken nicht so weit abschweifen lassen. Vor allem nicht bei einem Durchstieg durch die Nordwand der Grossen Zinne.

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