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geschrieben 2026 von Rika.
Veröffentlicht: 04.09.2026. Rubrik: Aktionen


Die Wandlerin zwischen zwei Welten, Teil 3

Kapitel 5: Nicht allein

Die erste Therapiestunde war eine Gruppentherapie, und obwohl Mila Bedenken hatte, diese durchzustehen, klappte es ganz gut. Ihre Bedenken wurden zerstreut, denn hier war kein Stimmengewirr zu hören. Alle redeten nacheinander, und das Thema war Anderssein. Nun erkannte das Mädchen, dass jeder von ihnen sein eigenes Päckchen zu tragen hatte. Von Depressionen oder Zwangsstörungen bis hin zur Aufmerksamkeitsstörung war alles dabei. "Ich bin ein Autist", erklärte der Junge, mit welchem sie bereits im Speisesaal zusammengesessen hatte. Mila dachte über dieses Wort nach, wusste jedoch nicht, was das war. "Was ist das?", fragte sie also. "Autismus ist eine Beeinträchtigung in der sozialen Interaktion und Kommunikation. Das bedeutet, dass Autisten Schwierigkeiten haben, mit anderen Gleichaltrigen in Kontakt zu treten. Außerdem haben sie oft Verhaltensweisen, welche sie immer auf die gleiche Art und Weise ausführen. Ordnung und Routinen sind ihnen sehr wichtig. Viele von ihnen kompensieren, was bedeutet, dass sie im Laufe ihres Lebens eine Fassade aufbauen. Sie wirken überangepasst und ahmen oft das Verhalten der Anderen nach, um Freunde zu finden." Mila horchte auf. Genau das hatte sie stets getan. Die Therapeutin erkannte, dass Mila nachdenklich geworden war. "Erkennst du dich darin wieder?", fragte sie, und das Mädchen nickte. "Die Testungen werden zeigen, ob du eine Autistin bist", antwortete die Therapeutin.

Nun sprachen sie über die Schwierigkeiten, welche sich durch das Verhalten ergaben. "Ich konnte kaum noch das Haus verlassen", erklärte ein Mädchen, welches Anna hieß. "Ständig musste ich kontrollieren, ob meine Haustür zugesperrt war, und ich musste bis hundert zählen, bevor ich gehen konnte. Hatte ich mich verzählt oder war mir jemand entgegen gekommen, musste ich von vorne anfangen. Dies steigerte sich immer mehr, sodass ich dann hier landete." Mila war sprachlos. Dagegen wirkten ihre Probleme so klein. "Ich war mit allem überfordert und sehr aggressiv", erklärte der autistische Junge Namens Luka. "Obwohl mein Autismus früh erkannt wurde, entwickelte ich eine Depression als Begleiterscheinung, weshalb ich nun hier bin."

Auch die anderen drei Patienten erzählten etwas aus ihrem Leben. Jan, der Junge mit Aufmerksamkeitsdefiziten, erhob sich immer wieder und lief auf der Stelle. Niemanden schien das zu stören, und Mila hatte endlich das Gefühl, angekommen zu sein. "Ich stehe ständig unter Strom", erklärte der Junge. "Irgendwann wurde ich auch aggressiv, da ich mich nie konzentrieren konnte und selbst nicht verstand. Daran arbeite ich hier." "Was hat euch bisher am besten geholfen?", fragte die Therapeutin nun. "Der Zusammenhalt hier", meinte ein anderes Mädchen. "Der Sport", erklärte Jan. Luka hingegen mochte die Ruhe und Struktur hier besonders. "Die Therapiestunde ist zu Ende. Bitte überlegt euch bis zum nächsten Mal, welches Thema ihr behandelt haben möchtet."

Kapitel 6: mit Stift und Papier

Milas nächste Therapie war Kunsttherapie, und sie freute sich sehr darauf. Hier konnte sie ihre Zeichenfreude ausleben. "Ich möchte, dass du deine Gefühlslage bildlich darstellst", erklärte der Therapeut, und Mila begann zu zeichnen. Sie zeichnete einen tiefen Wald, welcher ihre Gedankenwelt symbolisieren sollte, doch mitten in diesem Wald störte eine Schlucht die Idylle. Es war ein tiefes, schwarzes Loch, welches keinen Boden erahnen ließ. "Du hast einen Rückzugsort, aber bist gleichzeitig auch traurig und verzweifelt", deutete der Therapeut ihre Zeichnung richtig. "Das Ziel hier ist, dass dieses Bild anders aussehen soll. Guck mal." Er nahm ebenfalls ein Blatt Papier und einen Stift und zeichnete den Wald noch farbenfroher. Um diesen Wald zeichnete er eine hohe Schutzmauer. "Der Schutz soll dir helfen, nicht mehr so schnell überfordert zu sein." Mila nickte. "Visualisiere dir dieses Bild immer wieder, wenn es dir nicht gut geht." Mila begann das Bild abzuzeichnen, und wenn sie es betrachtete, fühlte sie sich tatsächlich etwas besser.

In der nächsten Stunde hatte Mila einen Termin bei ihrem Psychiater. Sie musste einen Fragebogen beantworten. Dann wurde sie auch noch darauf getestet, wie gut sie kommunizieren konnte. Außerdem wurde ihr ein Medikament für die Depressionen verschrieben, welches sie jetzt jeden Tag einnehmen sollte. Dies behagte ihr gar nicht, da sie es gerne aus eigener Kraft geschafft hätte. Nach der Stunde war dann das Abendessen im Speisesaal. "Ich finde dich nett", sagte der autistische Junge neben ihr plötzlich, und Mila musste lächeln. "Ich auch", antwortete sie schließlich. "Wer macht heute bei unserem Spieleabend mit?", fragte ein Betreuer. Viele Hände hoben sich, doch Mila und Luka schüttelten die Köpfe. "Ich brauche jetzt Ruhe", erklärte Mila, und kurz danach zog sie sich ins Zimmer zurück.

Fortsetzung folgt

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Nordlicht am 04.09.2026:

Im Grunde ist doch jeder anders. Niemand ist wie ein anderer. In einzelnen Punkten ähneln sich einzelne Menschen. Es ist für das menschliche Gehirn einfacher, Dinge in Schubladen zu sortieren, dabei ist das eigentlich kaum möglich.
Und was ist schon normal. Das ist sowieso niemand.

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