Veröffentlicht: 08.09.2026. Rubrik: Aktionen
Die Wandlerin zwischen zwei Welten, Teil 4
Kapitel 7: Der Beginn einer Freundschaft
Mila ging im Wald spazieren. Gerade hatte sie keine Therapie, und das Wetter war schön, sodass sie ihre Chance nutzte. Der Anweisung der Betreuerin folgend, blieb sie jedoch immer auf dem Klinikgelände. Als sie so ihren Gedanken nachhing, hörte sie plötzlich etwas. "Bist du gerne im Wald?", fragte eine männliche Stimme. Sie drehte sich um und erkannte Luka, den autistischen Jungen. "Ja, das bin ich sehr gerne", antwortete sie. "Darf ich mich dir anschließen?" Sie nickte, und nun gingen sie beide spazieren. In den ersten Minuten sagte niemand ein Wort, doch dies war auch nicht nötig. Mila freute sich, dass jemand an ihrer Seite war, ohne etwas von ihr zu erwarten, und auch Luka schien der Spaziergang zu gefallen. Plötzlich blieb er jedoch stehen und sah sie an. "Möchtest du mit mir befreundet sein?"
Diese Frage hatte Mila noch nie in ihrem Leben gestellt bekommen, und sie freute sich sehr darüber. Also nickte sie. Zum ersten Mal kam etwas wie Zugehörigkeit und Freude in ihr Herz. Die Freunde spazierten noch eine Weile durch den Wald, teils schweigend, teils im Gespräch. Niemand dachte mehr an die Regel, auf dem Gelände zu bleiben und um spätestens 16 Uhr wieder hineinzukommen, weil Mila wieder eine Therapie gehabt hätte. Plötzlich wurde dies Mila bewusst und sie blieb abrupt stehen. "Verdammt!", entfuhr es ihr. "Ich habe meine Therapie verpasst."
Es war bereits 17 Uhr, und die Freunde rannten zurück. "Wo wart ihr denn gewesen?", fragte eine Betreuerin. Mila erzählte von dem Waldspaziergang und der Freundschaft zwischen ihnen. "Das finde ich sehr schön, aber eure Therapien solltet ihr dabei bitte nicht vergessen!" Beide nickten schuldbewusst und wurden in die Zimmer geschickt.
Kapitel 8: Milas Gedanken
Mila setzte sich auf ihr Bett, um ein wenig zu entspannen. Dabei wanderten ihre Gedanken ständig zu dem Jungen, welcher ihr seine Freundschaft geschenkt hatte. Dies alles schien zu schön um wahr zu sein. Inzwischen sah sie ihren Aufenthalt hier als Möglichkeit, nicht mehr als Versagen. Inzwischen war sie zwei Wochen hier und kam mit ihrer Zimmergenossin ebenfalls immer besser klar, auch wenn man nicht von Freundschaft sprechen konnte.
Ein Klopfen riss Mila aus ihren Gedanken. "Deine Mutter ist da", erklärte eine Betreuerin. Natürlich! Die zwei Wochen Besuchssperre waren um. "Sie soll hereinkommen", antwortete Mila, und ihre Mutter kam ins Zimmer. Überschwänglich umarmte sie ihre Tochter, doch Mila zog sich zurück. Sie hatte ihrer Mutter nie gesagt, dass sie so viel intensiven Körperkontakt nicht mochte. Hier hatte sie gelernt, für ihre Grenzen einzustehen und teilte ihrer Mutter diese auch mit. Diese nahm es hin und setzte sich auf einen Stuhl am Tisch. "Wie geht es dir?", fragte sie. "Gut. Ich habe einen Freund gefunden." Ein Lächeln umspielte für kurze Zeit das Gesicht der Mutter. "Wirklich! Das freut mich aber!" "Er ist ein Autist", erklärte Mila. "Ich sehe, es war die richtige Entscheidung, dich in diese Klinik geschickt zu haben", sagte die Mutter, und Mila nickte. Die Beiden verließen das Zimmer, und Mila konnte ihrer Mutter den neuen Freund vorstellen. "Ein sehr sympathischer Junge", meinte die Mutter noch, bevor sie sich von ihrer Tochter verabschiedete.
Kapitel 9: Eine schlechte Nachricht
Beim Abendessen war Luka auffallend still gewesen und hatte nur wenig gegessen. Immer wieder hatte er zu Mila geschaut, jedoch ohne etwas zu sagen. Als Mila auf ihr Zimmer zusteuerte, zog Luka sie in eine Ecke. "Ich muss dir etwas sagen", sagte er leise. Mila blieb stehen und hörte ihm zu. "Ich finde es sehr schade, da wir uns so gut verstehen, aber ich werde wahrscheinlich nächsten Freitag entlassen." Dieser Satz war für Mila wie ein Schlag in die Magengrube. Zwar freute sie sich darauf, dass er so gefestigt war, um bereits entlassen zu werden, allerdings wusste sie, dass sie noch viel länger hier bleiben musste. Sie hatte sich schon darauf gefreut, viel mit ihrem neuen Freund zu unternehmen und im Wald spazieren zu gehen. "Es tut mir Leid", fügte er hinzu, doch sie schüttelte den Kopf. "Es braucht dir nicht Leid zu tun, aber ich hoffe, wir bleiben in Kontakt." "Das werden wir ganz sicher."
Am Abend dachte Mila noch lange über diese Situation nach. Sie war etwas traurig, dass er so schnell wieder weg war, aber sie hoffte, noch andere Freunde zu finden. Was sie einmal geschafft hatte, konnte sie auch ein zweites Mal schaffen. Mila lachte auf, denn vor zwei Wochen hätte sie niemals so positiv gedacht. "Woran denkst du?", fragte Katja, welche auf ihrem Bett saß. Mila erzählte dem Mädchen von ihrer Freundschaft. Die Mädchen redeten lange, und so erfuhr Mila, dass Katja große soziale Ängste hatte. Sie schwor sich, Katja bei der Bewältigung dieser Ängste zu helfen, und vielleicht würde dies auch eines Tages eine Freundin sein. Fröhlich ging sie an diesem Tag zu Bett.
Fortsetzung folgt
2x



