Veröffentlicht: 04.10.2026. Rubrik: Unsortiert
Eine Libelle in der City
Libellen waren ihre Lieblingstiere schon seit Kindheitstagen, darum trug sie heute nun als Erwachsene auch eine mit sich auf der Haut.
Diese lag etwa auf Kragenhöhe ihrer linken Halsseite, und wenn sie unter dem neonphosphoreszierenden Licht an der Kasse im Discounter saß und Preise für Chips oder Dosenbier im Angebot der Woche eintippte, dann sah sie manchmal, wie ihre Libelle sich am Kittellkragen langsam in die Lüfte erhob und davonschwebte, hinaus ins Freie. Dort würde sie Wasser suchen und zwischen hohen Gräsern zur Ruhe kommen vom Lärm der City mit ihren pickligen Bewohnern, voll vom Dreck der Straße oder den Produkten, die Lilli so zahlreich für die Kunden über die Kasse zog.
Oft, wenn Lilli Feierabend hatte und spätabends im Bett lag, die Libelle wieder bei ihr war, kreiste diese langsam über ihrem Kopf und begann, sich mit ihr zu unterhalten. Die Libelle erzählte Lilli, wie wichtig es sei, die Kunden darauf aufmerksam zu machen, für sie individuell schädliche Produkte an den Kassen oder in den Regalen zurückzulassen. Produkte, welche ihre Einsamkeit, Sucht, Verzweiflung, ihr Übergewicht oder ihre Nervosität, ihr finanzielles Loch unnötigerweise und Weiteres noch mehr befeuerten als nötig.
Viele Abende vergingen so mit Gesprächen darüber, was die Kunden brauchen würden. Die Libelle wirkte dabei geduldig, aber eindringlich, als würde sie auf etwas warten, das noch nicht eingetroffen war.
Eines nächsten Tages nach einem solchen abendlichen Gespräch kam Hugo, ein Stammkunde, in den Laden und wollte zwei Flaschen Schnaps wie üblich kaufen. Dabei kaufte er stehts die billigere Sorte, denn von der teureren hätte er sich nur eine Flasche kaufen können. Lillis Libelle schwirrte los. Sie umkreiste diesmal, bevor sie nach draußen flog, Hugos Kopf, als wolle sie ihn beschwören, und dann war sie weg. Hugo, der sie nicht hatte sehen können, war dennoch wie angewurzelt stehen geblieben, eine Flasche in der Hand, die andere bereits auf dem Kassenband. Dann hatte er beide aufgenommen und in den Wagen an der Kasse, der dafür vorgesehen war, Kaputtes, falsch Gekauftes oder Reklamiertes hineinzulegen, zurückgestellt. Dann war Hugo mit einem irritierten Lächeln und leicht unsicherem Gang aus dem Discounter gegangen.
Etwas später kam Hannerl, die immer zu viele Süßigkeiten kaufte und gestern schon kräftig für die Wochenration gesorgt hatte, an die Kasse und wollte gerade zwei Tafeln Schokolade Traube Nuss hinlegen, da flog die Libelle im Schuss von hinten an sie heran und umschwirrte Hannerls Herz. Hannerl hatte immer viel Kummer, weil sie gehänselt wurde, da sie zu dick und schlecht in Sport war. Aus diesem Grund aß die Hannerl viel zu viel Süßes, und das führte dazu, dass sie nur immer dicker und schlechter in Sport wurde wodurch sie immer nur noch mehr gehänselt wurde. Was Hannerl brauchte, war keine Schokolade, sondern Liebe und Freunde. Die Libelle flog beschwörend um Hannerls Herz, als wolle sie ihr alle Weisheit eingeben, wie Hugos Kopf, dass dieser eine Aufgabe, etwas Sinnvolles brauchte, etwas, wo man ihn brauchen konnte, eine Chance, keinen Schnaps.
Und so kam es, dass auch Hannerl die Traube-Nuss-Schokolade liegen ließ, allerdings direkt auf dem Kassenband inklusive der 2,69 Euro, die sie gemacht hätten. Mit glasig gerührten Augen und einen Gruß murmelnd an Lilli, dass sie heim müsse, ihrer Puppe was erzählen, verließ sie den Laden.
Die Libelle ging nach demselben Schema vor. Kunde für Kunde, immer da, wo es nötig war, flog sie sie an, umschwirrte sie und flog wieder weg, bis zum nächsten. Als Lilli Feierabends im Bett fragte, wo sie denn immer zwischendrin gewesen wäre, da meinte die Libelle, sie hätte im Nebengebäude einen Zierbrunnen aufgetan, der magische Kräfte zu haben scheint. Mit seiner Hilfe fühle sie sich in der Lage, den Menschen mitzugeben, was sie benötigen, um das Ungesunde zurückzulassen.
Der Discounterbesitzer Herr Kreidemayer-Senfadel ein eigentlich besonnener und ruhiger Chef wurde bei der nächsten Abrechnung im Folgemonat stutzig, denn die so üblichen Waren wurden nicht mehr gut verkauft, und Lilli musste im Büro erscheinen. Dort nahm sie auf dem roten Bürostuhl mit der einseitigen Schieflage und der Armlehne, die mit ausgefranstem Gaffertape umwickelt war, Platz und hörte sich einen Vortrag über Verkaufsmanagement an. Dann durfte sie mit einer scharfen Mahnung, sich zu bessern, gehen.
Inzwischen waren die Kunden weitaus zufriedener, denn sie wussten scheinbar endlich, wo der Schuh in ihrem Leben drückte, und konsumierten weit weniger Zucker und Alkohol. Das war noch lange keine Heilung, und der eine oder andere Schnaps oder die Tafel Schokolade wanderte noch über das Kassenlaufband, aber dank der Libelle und dem magischen Zierbrunnenwasser immer weniger.
Auch erfuhren die Kunden gegenseitig voneinander von ihren Nöten, da sie nun weniger gestresst und gehetzt sich etwas mehr Zeit nahmen, nach rechts und links im Laden zu blicken, und ins Gespräch miteinander kamen. Und so kam es auch, dass Hugo so etwas wie ein väterlicher Freund für Hannerl wurde, wenn deren Mutter mal wieder lange arbeiten musste.
Als Lilli dann eines Tages auf dem Weg zur Arbeit wahrnahm, dass Maler das Nebengebäude des Discounters strichen, entdeckte sie zum ersten Mal, dass dieser unscheinbar wirkende quadratische Würfel eine Kirche war.
Sie war bisher nicht sonderlich gläubig gewesen, aber ein Stoßgebet gen Himmel konnte vielleicht helfen, dass ihr Chef Herr Kreidemayer-Senfadel sie nicht feuerte, sollte sich nicht von alleine eine Balance aus dem Wegfall der schlechten Lebensmitteleinkäufe hin zu mehr guten Lebensmitteleinkäufen ergeben.
Und so betrat sie das unscheinbar wirkende Gebäude und ging zwei Schritte hinein in den Mittelgang. Als sie gerade andächtig mit Sicht zum Kreuz stand, wurde ihre Libelle wach und surrte aufgeregt durch die Gegend, und da erkannte Lilli, wohin sie flog. Wenige Meter seitlich von ihr war er, der magische Zierbrunnen von ihrer Libelle. Es war das Weihwasserbecken der Kirche.
Wieder in der Arbeit angekommen, schlüpfte Lilli in ihren Kittel und verließ gerade die Tür zum Mitarbeiterzimmer, als ihr Chef sie abpasste, diesmal mit weit besserer Laune.
„Lilli, neue Aufsteller aufstellen. Die Kunden wollen gesünder?! Bekommen sie! Bio2000 und Fruit to Start x2 sind unsere neuen Partner.“
„Na, das ging ja fix!“, dachte Lilli.
Denn diese zwei Partner waren beliebt in der ganzen Stadt. Sie war sicher, dass ihre lieben Stammkunden ihre Sachen lieben würden, aber diesmal, um das Gute in ihnen zu unterstützen.
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Autorin: Meine Geschichten sind von Gott inspiriert und von mir Herbstsonne niedergeschrieben.
Meine Geschichten sind in Rechtschreibung und Grammatik von Copilot erstellt.
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