Veröffentlicht: 05.10.2026. Rubrik: Fantastisches
Der Drachendiamant
Gerade sitze ich mit meinen Freunden auf dem Waldboden meines magischen Waldes. Lunara, Tilaro, Kirona und ich sitzen in einem Kreis um Siraya, welche ihr beruhigendes Schnurren von sich gibt. Unser Plan ist einfach, die Ruhe des Waldes zu genießen, während Takyrius um uns herumfliegt und die beiden Gnome auf Bäume klettern und daraus ein Wettrennen machen. Kalaro und Monila, die Wandlerkinder sind gerade nicht zu sehen. Sie verstecken sich gerne im Wald.
Leider wird diese Ruhe in einem Moment zunichte gemacht, denn der Himmel teilt sich über uns, und Sarantor, der Gott der Drachenkrieger, landet auf der Lichtung. Tilaro hält den Atem an, denn er ahnt nichts Gutes. Esara hatte sich vor ein paar Tagen für den finalen Kampf gegen die schwarzen Drachen verabschiedet. Dass nun der Gott erscheint, auf dessen Insel sie lebt, wirft Fragen auf. Der riesige, violette Drache senkt seinen Kopf. "Esara ist leider im Kampf gefallen", sagt er. Durch das Band zu Tilaro spüre ich, dass etwas in ihm zerbricht. Esara ist zwar nicht seine Tochter, aber er hat sie aufgezogen wie sein eigenes Kind. "Ich möchte sie sehen", sagt er, und Sarantor hebt seine Klauen. Im nächsten Moment landet der Körper einer Drachin. Esaras Schuppen haben ihre violett-grüne Farbe verloren, und ihr Schwanz hängt schlaff herab. "Lasst mich alleine", ruft Tilaro. Respektvoll nehmen wir alle ein wenig Abstand, und selbst Kirona, die noch klein ist, versteht den Ernst der Lage. Esara ist ihre leibliche Mutter, auch wenn ich zu ihrer Hüterin geworden bin. "Was ist mit Mama?", fragt sie, und ich streichle ihre silbernen Schuppen. Plötzlich jedoch durchfährt mich ein Geistesblitz, und ich renne los. Vor einigen Tagen gab mir eine göttliche Macht einen Drachendiamanten, der die Kraft hat, Drachen wiederzubeleben und zu heilen. "Mit diesem Diamanten kannst du drei Drachen wieder zum Leben erwecken. Wähle weise!", hatte eine Stimme gesagt. Ich grabe ihn aus und laufe wieder zu Tilaro, der sich von seiner Ziehtochter verabschiedet. "Ich sagte, ich will ..." Weiter kommt er nicht, denn ich lege den Diamanten auf den Körper der Drachin, dort, wo das Drachenherz sich befindet. Ein goldenes Leuchten breitet sich aus, und Esaras Körper beginnt zu vibrieren. Die violett-grüne Farbe auf ihren Schuppen kehrt zurück, und sie öffnet die Augen. "Woher ... hast du dieses magische Artefakt?", will Tilaro wissen. Ich erzähle ihnen beiden, was damals passiert war, und sie umarmen mich.
Plötzlich teilt sich der Himmel erneut, und der Gott der Kriegsdrachen landet neben mir. Als er Esara erblickt, weiten sich seine Augen, doch als er meinen Diamanten sieht, spricht die reine Gier aus ihm. "Das pulsierende Drachenherz", sagt er ehrfürchtig. "Gib mir den Diamanten!" Ich schüttle den Kopf und halte den Diamanten fest, schließlich wurde ich auserwählt, um ihn zu erhalten, und nicht er. Sarantor stößt ein drachisches, wütendes Brüllen aus, und plötzlich zeigt sich noch etwas Anderes. Auch er ist vom Bösen korrumpiert worden, denn ich erkenne schwarze Adern an seinem Körper. Schnell sammle ich meine Gedankenmagie, um diese zur Vernichtung einzusetzen, als Esara mich aufhält. "Du darfst ihm nichts tun! Sonst stirbt unsere Art aus!" Da kommt mir eine andere Idee. Mit meiner gesamten Gedankenkraft werfe ich den Diamanten, sodass er auf der Brust des korrumpierten Gottes landet. Sarantor ist empört und möchte ihn sofort packen, doch er klebt fest. Wieder erstrahlt dieses goldene Licht und entfernt alle schwarzen Adern im Körper des Gottes, bis dieser keuchend in die Knie geht und der Diamant wieder in meiner Hand landet.
Sarantor blickt sich erschrocken um. "Was ... was ist passiert?", fragt er. Als er erfährt, dass er korrumpiert worden war, stockt ihm der Atem. "Danke, dass du mich befreit hast", sagt er zu mir. Lunara tritt vor, ihr weißes Licht auf ihn gerichtet. "Ich beschütze deine Seele nun so, dass dies nie wieder passieren kann, wenn du es möchtest", sagt sie, und der Gott nickt. Sofort breitet sich weißes Licht aus und umhüllt den Drachen für einige Sekunden, bevor es sich zurückzieht. Sarantor verabschiedet sich und fliegt zurück auf seine Insel. Esara bleibt hier, um ihre zweite Chance mit uns zu feiern. Gemeinsam und aneinander gekuschelt liegen wir auf dem weichen Waldboden und atmen die Waldluft ein. Die Stille wird nur unterbrochen von Sirayas Schnurren und dem Zwitschern von Vögeln. "Ich bin froh, dass wir uns haben", sage ich, und meine Freunde stimmen mir zu. Nun kommen auch die beiden Wandler aus dem Unterholz und lassen sich neben uns nieder. Der Frieden in dieser Welt ist zurückgekehrt.





