Veröffentlicht: 12.10.2026. Rubrik: Persönliches
3698 Tage
Gedanken über Freundschaft
3698 Tage sind eine lange Zeit, umgerechnet etwa zehn Jahre und 1,5 Monate. So lange bist du jetzt Teil meines Lebens. Es war oft schön, manchmal aber auch nicht. Wir hatten oft viel Spaß miteinander, in den Kartenspielrunden, die wir zu zweit immer sehr gerne spielten. Wir erlebten oft schöne Tage voller Musik und gingen oft miteinander etwas essen. Als wir uns kennenlernten, hatte ich selbst noch nicht viele Freunde und war daher sehr froh, einen guten Freund gefunden zu haben, auch wenn mir damals schon gesagt wurde, dass du vereinnahmend bist. Damals sah ich das jedoch nicht so. Da ich wohl meist gemacht habe, was du möchtest, fiel das erst auf, als ich anfing, andere Interessen zu entwickeln und weniger Interesse am Uno spielen hatte. Der kleine Drache, also ich, entwickelte langsam Flügel, die mich in eine andere Richtung trieben. Nicht ganz, nur teilweise. Das Kartenspielen machte mir an manchen Tagen dennoch Spaß.
Doch seit längerer Zeit spüre ich, dass wir uns in andere Richtungen entwickelt haben. Wir stehen einander gegenüber, jeder von uns auf einer anderen Seite des Flusses, der sich Freundschaft nennt. Unschlüssig bleibe ich stehen und überlege. Der Drache in mir möchte die Flügel ausbreiten, um sich weiter zu entfernen, aber ein Teil von mir bleibt stehen. "Vielleicht tut es mir danach doch Leid, wenn ich die Freundschaft beende", denke ich. Aber dann erinnere ich mich wieder daran, warum ich sie beenden möchte. Ja, wir hatten schöne Zeiten, und ich bereue es nicht, dich kennengelernt zu haben. Aber die Dinge, die du mir in Konflikten immer wieder vorwirfst und deine einengende Art stehen zwischen uns. Wenn mir gerade ein Spruch einer anderen Freundin einfällt und ich lache und daher kurz nicht so ernst beim Uno bin, regst du dich auf. Wenn ich einfach nur Gedanken einfließen lassen will und gleichzeitig sage, dass ich damit deine Entscheidung keinesfalls in Frage stellen möchte, verstehst du es trotzdem nicht. Und zuletzt macht mir auch das Kartenspielen nicht mehr den Spaß wie früher. Ich möchte spontan "Ja!" sagen können, wenn ich gefragt werde, ob ich mit anderen Freunden mitgehen möchte. Ich möchte so lange bei einem Treffen bleiben, wie es mir gefällt und nicht auf die Uhr schauen müssen. In diesem Moment fühlt sich die Freiheit so gut an. Mein Drache breitet seine Flügel aus, und ich entferne mich von dir. Ob ich dies auch in der Realität schaffe, bleibt noch abzuwarten. Übermorgen ist der 3700 Tag, da habe ich vor, es umzusetzen. So bekommt die Freundschaft auch zahlenmäßig ein rundes Ende. Ich möchte ganz normal, ohne Streit die Freundschaft ausklingen lassen. Ich möchte dich nicht verletzen, auch wenn ich weiß, dass das nicht leicht wird. Ich lasse dich ziehen und behalte dich dennoch in guter Erinnerung. Du wirst immer einen gewissen Platz in meinen Gedanken einnehmen, aber nicht mehr als gegenwärtiger Freund, sondern als Erinnerung.
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