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3xhab ich gern gelesen
geschrieben 2020 von Nordlicht.
Veröffentlicht: 09.12.2020. Rubrik: Unsortiert


Das Weihnachtsgespann

Marianne sitzt im Wohnzimmer und liest ein Buch, als ihr Mann von draußen rein kommt. Er hat ein rotes Weihnachtsmannkostüm an mit schief hängender Weihnachtsmütze und zerzaustem, weißem Bart. Sie wundert sich und fragt schmunzelnd: "Was hast du denn da an?"
"Ich bin von jetzt an der Weihnachtsmann", antwortet er und zieht sich die schwarzen Stiefel aus.
"Wie du meinst", sagt Marianne und denkt bei sich, dass er wohl eben noch in der Kneipe war. "Hast du die Pferde gefüttert?"
"Ja."
"Für wen willst du denn den Weihnachtsmann spielen?", fragt sie nach, als er sich neben sie setzt und zumindest offensichtlich nicht nach Alkohol riecht.
"Na, für alle Kinder", antwortet er, als wäre das eine Selbstverständlichkeit.
"Alle Kinder? Wie stellst du dir das denn vor?"
"Ich werde Glöckchen, Söckchen und Flöckchen vor den Schlitten spannen und um die Welt fliegen", erklärt er mit ernster Stimme.
Marianne ist es gewohnt, dass ihr Mann von Zeit zu Zeit seltsame Einfälle hat, und deswegen hat sie sich ja auch in ihn verliebt. Jetzt fragt sie sich allerdings schon, ob er den Verstand verloren hatte.
Aber sie bleibt erstmal ruhig und fragt nur: "Wer sind Glöckchen, Söckchen und Flöckchen?"
"Unsere Pferde. Die Fuchsstute ist Glöckchen, die Schimmelstute ist Flöckchen und die Braune mit dem weißen Fuß ist Söckchen."
"Und du willst alle drei vor einen Schlitten spannen?", fragt sie und ergänzt: "Die können weder Schlitten fahren, noch haben wir einen."
"Seit eben haben wir eine Troika", erzählt er stolz.
"Eine was?"
"Das ist ein russischer Pferdeschlitten, vor den man drei Pferde spannt."
"Na dann sieh mal zu, wie du aus unseren Pferden in ein paar Wochen Schlitten taugliche Pferde machst."
"Das sind ab heute nicht mehr unsere Pferde. Das sind Glöckchen, Söckchen und Flöckchen, die Zugtiere vom Weihnachtsmann."
"Warst du deswegen in diesem Aufzug im Stall?"
"Sie müssen doch den Weihnachtsmann kennen lernen."
Marianne schüttelt den Kopf und steht auf. "Ich gehe jetzt schlafen. Gute Nacht, Herr Weihnachtsmann."

Die Wochen verfliegen und Marianne beobachtet, wie ihr Mann die Pferde an Göckchenklingeln gewöhnt und ihnen mit vollem Eifer das Schlittenfahren beibringt. Das klappt tatsächlich auch im Sand und ohne Schnee. Einen Tag kommt er mit drei großen Kisten aus dem Supermarkt wieder. "Die Geschenke", brummt er nur zur Erklärung.
Und dann ist auch schon Weihnachten.
Wie durch ein Wunder, hat es die ganze Nacht dicke Flocken geschneit. Der Weihnachtsmann spannt Glöckchen, Söckchen und Flöckchen vor die Troika. Marianne steht in der Tür und beobachtet ihn schmunzelnd. Er holt einen roten Weihnachtsmantel aus dem Schlitten und ruft zu ihr rüber: "Frau Weihnachtsmann, würdet ihr euch bitte anziehen? Ich kann doch nicht alleine die ganzen Geschenke verteilen und den Schlitten fahren!"
Dann fahren sie zusammen durch das Dorf und verteilen Lebkuchentütchen.

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von RudiRatlos am 09.12.2020:
Hoh-hoh-hoooh ..! Also gibt es sie doch, die Nikotante ...




geschrieben von Weißehex am 12.12.2020:
Süße Geschichte, da verfliegt tatsächlich ein Teil meiner gerade schlechten Laune wegen Weihnachten in diesem Jahr ..Toll, dass du das erreicht hast!




geschrieben von Nordlicht am 12.12.2020:
Freut mich, dass ich für ein bischen für gute Stimmung sorgen konnte.

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