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5xhab ich gern gelesen
geschrieben 2018 von Dirk Hoffmann.
Veröffentlicht: 18.03.2021. Rubrik: Persönliches


Frikadellen

(Ich sammle gerade lediglich einige ältere Texte zusammen, daher spielen aktuelle Bezüge und coronabedingte Umstände keine Rolle)

Ganz ehrlich, manchmal fallen mir einfach keine Geschichten ein. So wie jetzt gerade. Daher denke ich mir, vielleicht wäre ja eine Art Kolumne, in der ich mit regelmäßiger Unregelmäßigkeit vor mich hin schreibe, genau das richtige.

Meine Liebste betrachtet mein Vorhaben eher kritisch.
„Kolumne? Du meinst so kleine Artikel, in denen der Autor seine persönliche Meinung zu etwas darlegt?“, fragt sie.
„Ja, genau.“, bestätige ich.
„Da sehe ich ein Problem.“
„Welches denn?“ Frauen.
„Das du erfahrungsgemäß eher zu dummen Meinungen tendierst.“
„Ja, und? Das tut der Dings doch auch.“
„Welcher Dings?“
„Na, der Dings von der Zeitung.“ Wie heißt der selbstgerechte Penner nochmal?
„Ach der. Der ist ja auch ein XXXXXXXXX“ Sorry, das konnte ich so nicht stehen lassen. Sie hat aber recht.
„Für zweifelhafte Inhalte und abstoßende Charakterzüge meiner Kollegen kann ich ja nichts.“ Echt mal, jetzt.
„Das ist kein Kollege von dir. Dafür müsstest du erst mal eine Kolumne schreiben und was hast du denn schon interessantes zu erzählen?“
„Tja, mal überlegen... Also, zum Beispiel hatte ich ich heute Bock auf Frikadellen. Aber so richtig Bock. Das war jetzt nicht so ein normaler, alltäglicher Bock, wie der morgens einfach mal liegen zu bleiben, sondern so ein nachhaltiger, alles andere verdrängender, völlig das Innerste beherrschender, ja, meinetwegen auch unbezähmbarer Bock auf Frikadellen. Das ist ja auch völlig okay, Frikadellen sind überall beliebt, weil sie einfach eine feine Sache sind. Sie sind halt kein Trend, sondern ein Klassiker. Man kann ihre Bedeutung schon daran erkennen, das sie viele verschiedene Namen haben. Frikadellen nennt man in Berlin Bulette und im richtigen Osten hat man die - jedenfalls meiner Meinung nach - sympathischste Bezeichnung, nämlich Klops.
So, nun stand ich da also mit diesem tierischen Bock auf Frikadellen. Klar, man kann den Weg des geringsten Widerstands beschreiten und die fertigen aus dem Supermarkt nehmen, aber sind wir mal ehrlich, das ist so ähnlich, wie ein Liebesakt mit einer unsympathischen und obendrein noch wenig attraktiven Person. Rein technisch erfüllt das Ganze schon seinen Zweck, aber hinterher fühlt man sich halt irgendwie schlecht. Selber machen ist besser. Also, bei Frikadellen, meine ich jetzt. Im anderen Bezug möge das jeder für sich selbst entscheiden.
Das Gute am Frikadellenmachen ist ja die herrlich einfache, schon fast ans meditative grenzende und trotzdem die archaischen Triebe voll ausfüllende Tätigkeit.
Während ich nun in der – im Rohzustand wirklich widerlichen – Masse herumpantschte, sie in Form brachte und schließlich mit an Zärtlichkeit grenzender Sorgfalt in der Pfanne platzierte, dachte ich mir: Solange dir keine Geschichten einfallen, machst du halt genau das. Den unangenehm kalten Alltagsbrei durchmatschen, ohne Angst davor zu haben sich schmierige Finger zu holen, das fade Zeug kräftig würzen, schön was trocken-sprödes für die nötige Konsistenz reinbröseln und es mit heißer Pfanne richtig qualmen lassen. Noch eigenen Senf dazu geben, fertig."
„Du möchtest damit jetzt aber nicht sagen, dass du im Prinzip keine Kolumnen, sondern Frikadellen schreibst, oder?“, erkundigt sich meine Liebste vorsichtig.
„Doch, schon. Meiner Meinung nach ist das eine sehr gute Idee.“ Ich nicke überzeugt.
„Siehst du, habe ich doch gesagt“, seufzt sie.

5xhab ich gern gelesen

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Nordlicht am 18.03.2021:
Ich musste sehr schmunzeln.




geschrieben von Susi56 am 19.03.2021:
Eine sehr gelungene Kolumne über Klöpschen... Hab mich köstlich amüsiert. 👍🏻

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