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2xhab ich gern gelesen
geschrieben 2022 von Christine Todsen.
Veröffentlicht: 04.03.2022. Rubrik: *News (keine Kurzgeschichte)


Bitte um Hilfe bei einem Artikel

Hallo Metti, hallo Mitschreibende,

zurzeit verfasse ich einen Artikel für ein walisisches Poesie-Magazin. In meinen KS-Beiträgen „Neujahrsvers in Cynghanedd“ sowie „Cynghanedd und Tanka“ vom Januar 2022 erwähnte ich ja die Regeln der walisischen Dichtkunst. Mein Artikel untersucht, inwieweit diese im Deutschen anwendbar sind. Eine von ihnen klingt für uns direkt falsch, nämlich das Reimen einer unbetonten und einer betonten Silbe. Allerdings zusammen mit Lautharmonie. Ich habe als Test einen Vierzeiler dieser Art gedichtet:

Weg ist nun des Winters Nacht.
Licht bricht auf! Leben, Andacht!
Blumen herrlich blühn im Hain.
Frühjahrs Duft! Froh jauchzt’s Dasein!

Wie Ihr seht und beim lauten Lesen hört, wiederholen sich in jeder Zeile Konsonanten (in Zeile 2 ist es bei „auf“ und „An-“ der Glottisschlag vor vokalisch anlautenden Silben im Deutschen), und es reimt sich jeweils eine betonte Silbe (Nacht, Hain) auf eine unbetonte (-dacht, -sein).

Im Übrigen kann man auch zuerst die unbetonte und dann die betonte Silbe nehmen. Um keinen neuen Testvers dichten zu müssen, drehe ich die Zeilen einfach um (es geht hier NUR um die Form, NICHT um den Inhalt):

Licht bricht auf! Leben, Andacht!
Weg ist nun des Winters Nacht.
Frühjahrs Duft! Froh jauchzt’s Dasein!
Blumen herrlich blühn im Hain.

Das ist m.W. sogar die "korrektere" Art, nur hatte ich halt zuerst das andere geschrieben.

Was meint Ihr? Kann man auf Deutsch so dichten oder nicht? Danke im Voraus für Eure Kommentare, die mir für meinen Artikel sehr wichtig wären.

Liebe Grüße, Christine

2xhab ich gern gelesen

Kommentare zu dieser Nachricht

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geschrieben von ehemaliges Mitglied am 06.03.2022:
Kommentar gern gelesen.
die beiden Wörter 'Leben' und 'Andacht' haben ihre Betonung in der ersten Silbe (Metrum). Hierüber stolpere ich beim Lesen. Die Betonung müsste auf der zweiten Silbe liegen. Inhaltlich und rhythmisch ist es gut.




geschrieben von die Juditha am 06.03.2022:
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Hallo Christine, klar kannst du so reimen. Die zweite Variante liest sich auch besser. Ich würde die nehmen.




geschrieben von Christine Todsen am 06.03.2022:

Hallo die Juditha, herzlichen Dank für Deinen Kommentar. Ehrlich gesagt war ich überzeugt, dass kein Mensch mit deutscher Muttersprache diese Art von Reim akzeptieren würde. Alle Waliser werden sich freuen, dass ich da falsch lag. Was meinst Du denn zu Folgendem? Im Deutschen müssen Wörter doch ab dem letzten BETONTEN Vokal reimen, nicht? Im Walisischen reimen sie ab dem letzten Vokal, auch wenn dieser unbetont ist, also z.B. „Cristion – awron – dirion“ (siehe meinen Beitrag „Neujahrsvers in Cynghanedd“ vom 13.01.22). Ginge das bei uns womöglich auch? Danke im Voraus für Deine Antwort! Liebe Grüße, Christine




geschrieben von Christine Todsen am 07.03.2022:

Hallo RudiRatlos, herzlichen Dank für Deinen Kommentar. Ja, das mit der Betonung ist ja gerade das Problem. Wie ich im ersten Absatz hinsichtlich der Regeln schrieb: "Eine von ihnen klingt für uns direkt falsch, nämlich das Reimen einer unbetonten und einer betonten Silbe." Liebe Grüße, Christine




geschrieben von die Juditha am 08.03.2022:
Kommentar gern gelesen.
Hallo Christine, danke für deine Geduld. Im deutschen kenne ich für Reime an sich nur eine Regel: Wörter, die gleich klingen, sind ein Reim. Und dann haben wir viele Reimarten und Gedichtsformen. Der gemeine Durchschnittspreuße liebt die Ordnung. Wir sortieren gerne. Sogar Reime in einsilbige, zweisilbige, mehrsilbige Reime, Assonanzen, Anfangs-, Mittel-, Endreime usw. Ich kenne keine Regel, die eine Betonung für einen Reim vorschreibt. mit lieben Gruß




geschrieben von Weißehex am 13.03.2022:
Kommentar gern gelesen.
Hallo Christine, ich finde die Frage äußerst knifflig. Soviel ich weiß können die Kadenzen (Endungen) durchaus auch im ganzen Gedicht unbetont (oder betont) sein und müssen sich nicht abwechseln. Außerdem kann man nicht ausschließlich nach Betonung eines einzelnen Wortes gehen, sondern man muss den gesamten Vers (Taktreihe) sehen und schauen, ob er mit einer betonten oder unbetonten Silbe beginnt. „Weg ist nun des Winters Nacht" ist Trochaeus, beginnt also mit einer betonten Silbe: XxXxXxX. „Licht bricht auf! Leben, Andacht!" klingt in meinen Ohren schrecklich, weil man es so betonen müsste: XXxXxXx. Aber es geht ja um walisische Dichtung - lange Rede, kurzer Sinn: Ich glaube, die Frage lässt sich nicht wirklich beantworten. LG Weißehex




geschrieben von Christine Todsen am 13.03.2022:

Hallo Weißehex, herzlichen Dank für Deinen Kommentar. Du hast Recht, die Frage ist kaum zu beantworten. Für Deutschsprachige klingen solche Reime schlicht falsch. Übrigens kenne ich diese Art des Reimens auch aus keiner anderen Sprache. Lediglich als Beispiele der walisischen Reimtradition kann man einzelne Verse dieser Art auf Deutsch verfassen. Liebe Grüße, Christine




geschrieben von Christine Todsen am 14.03.2022:

Habe den Vers jetzt so umgedichtet, dass er unserer Reimtradition entspricht, aber die walisische Tradition der Lautharmonie beibehält. Diese Wiederholung von zwei oder drei Konsonanten in jeder Zeile klingt nämlich auch auf Deutsch hübsch, oder was meint Ihr? Leider kann man in diesem Kommentarfeld den Vers nicht als Vierzeiler schreiben, aber zumindest markiere ich die Zeilenenden durch Schrägstriche. Also: Frühjahrs Lüfte, froh jauchzt’s Leben, / blaue Primeln blühn in Pracht. / Lernt zu glühen, Licht zu geben! / Weg ist nun des Winters Nacht.




geschrieben von Weißehex am 14.03.2022:
Kommentar gern gelesen.
Hallo Christine, ja, so klingt es hübsch und rhythmisch. LG Weißehex




geschrieben von Christine Todsen am 30.04.2022:

Nochmals DANKE für Eure Hilfe. Das Exemplar der walisischen Zeitschrift mit meinem Artikel geht jetzt in den Druck. Ich hatte auf Kurzgeschichten-Stories verlinkt. Metti, kannst Du als Webmaster erkennen, aus welchen Ländern die Klicks kommen? Sollten demnächst mehrere aus Wales (Vereinigtes Königreich) oder noch weiter entfernten Gegenden stammen – z.B. gibt es in Patagonien eine walisische Kolonie –, sind das vermutlich Leser meines Artikels!

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