Veröffentlicht: 02.02.2026. Rubrik: Unsortiert
Du meinst es nicht ernst? - Teil 4
Teil 4
„Ich Chef, du nix“.
Gut, war da nicht gemeint, klang gemein, weil im Umfeld gelachte wurde. So Komiker gibt es in jeder Firma, früher in Ehen war es der Mann, später die Frau, wenn sie die Hosen anhatte und kräftiger von Statur war.
Bei Kollege Rainer Roth kam diese Frage auf, wurde gestellt nach seinem blauen Auge und dem genähten Riss an der Augenbraune des anderen Auges. „Meine Frau macht neben Yoga nun Karate“. Diese Entschuldigung akzeptierten alle Kolleginnen, die Männerwelt allerdings nicht.
Frauen mit schlagenden Argumenten, Rainer gab zu es übertrieben zu haben. Sagte aber gleich, nicht im Ehebett.
Für mich war es ein Hinweis. Eine Frau sollte kleiner und zarter sein. Doof wenn es die Tochter eines Kollegen ist aus dem Haus. Sie wollte gerne, ich zögerte wollte zuerst mit dem Papa sprechen.
„Sie ist wie eine läufige Hündin, nicht meine Tochter“.
„Deine Frau?“
„Quatsch“, sagte er, „wir leben nur zusammen. Du kannst ihre Tochter gerne haben“. Ein Kollege, der es hörte, sagte: „Biete ihm was an dafür. Ist bei Türken so üblich“.
Nun mal im Ernst, ich bin kein Migrant, kein Türke, bete nicht Allah an.
Wo war ich da gelandet? Ein Multikulti – Unternehmen voller bunter Spaßvögel aus vielen Ländern. Wir sind International ein Unternehmen von Welt. Einige liefen rum, als wären sie auf dem Mond besser aufgehoben. Reden sie nicht, machen sie lieber. Pause machten da zwei Frauen, Zwangspausen wegen Wechselarbeiten. Sie hatten Sonderrechte. Unsere Damen, so fing es an. Ich fragte gleich zu Anfang wer ist frei, wer gebunden, welche Frau gefesselt. Eine sprach nie mit uns, sie war geknebelt, Geheimnisträgerin, Betriebsratsvorsitzende.
Jedes Quartal gab es diese Leistungskurve, vorher diesen Fragebogen, wie beurteile ich meine Kollegen. Wer belegte halbe Brötchen herumreichte, mit Mett und Zwiebeln, alkoholfreies Bierchen dazu, wurde stets gut bewertet. Selbstgebackener Kuchen, trocken ohne weiche Füllung blieb im Mittelfeld. So richtig ernst nahm niemand diesen Fragebogen.
Herzstillstand während eines Meetings. Montags ein Schock, an einem Freitag sagt man Wochenende versaut. Rainer Roth erwischte es. Zwei Damen griffen ein, taten alles um… die Sanitäter wenig später übernahmen.
Rainer wurde wiederbelebt, abtransportiert. Es gab eine Nachbesprechung wo alle den beiden Heldinnen, Lebensrettern stehend applaudierten. So stand es am nächsten Tag wahrheitsgemäß in der Tagespresse.
Unser Chef, seine Frau an der Seite, sagte laut, wer nun glaubt er könnte… fristlose Kündigung. Rainer kam wieder, sagte Danke, noch die Reha und dann Frührente.
„Das meinst du nicht ernst!“.
„Doch“, sagte Rainer, „Liesbeth möchte es so, ihr Vater hatte es auch, ging wieder arbeiten und landete im Sarg“. Keiner fragte, wie alt der Vater war. Rainer mit seinen 58 Jahren gönnten alle die Frührente. Ohne Rainer gab es keine Überraschungen mehr. Es wurde weniger gelacht.
Der Ersatz für Rainer war nun weiblich. Verjüngen und be-weibern läutete eine neue Zeit ein, Feminismus wurde großgeschrieben. Locker im Wort war Vergangenheit. Aus du wurde ein Sie zu ihr gleich von Anfang an. Sie Arsch sagte Vera Karl, Vera Karl klang wie eine Ehe aus einer Person. Aus Spaß sagte einer zu ihr Herr Karl. Fettnäpfchen, sie beschwerte sich. Vera Karl trug Rock und unsere Schreibtische waren offen. Fiel ein Bleistift auf den Boden musste Mann auf die Knie. Die Sicht von unten konnte ins Grüne gehen.
Männerspiele sind so. Es werden Wetten abgeschlossen, 1 Euro Einsatz. Es ging um die Slip-Farbe. Ihr seid bekloppt sagte Belinda mit der wir fast intim waren in der Firma. Dafür ließen wir sie gewinnen an Freitagen, um ein Date samstags zu bekommen. Vera Karl erfuhr davon. Eine Abmahnung der gesamten Abteilung folgte.
Gleichberechtigung sollte wieder abgeschafft werden.
1x



