Veröffentlicht: 28.04.2026. Rubrik: Fantastisches
Die Feinde der Drachen, Teil 3
Kapitel 5: Beim Drachengott
Als Kyraya wieder zur Besinnung kam, schwebte sie inmitten eines vielfarbigen Lichtes. Sie sah sich um und entdeckte einen Riesen von einem Drachen. Kyraya erkannte sofort, dass dieser Drache viel mächtiger war, als alle anderen Exemplare. Seine Schuppen waren in verschiedenen Farben. Grün, blau, rot, braun, weiß und schwarz. "Sei gegrüßt", sagte eine tiefe Stimme in Kyrayas Kopf. "Ich bin der Drachengott und heiße dich herzlich willkommen. Allerdings habe ich vor, dich wieder auferstehen zu lassen, denn deine Zeit als Drachin ist noch nicht vorbei. Es gibt noch viel zu tun." Kyraya sog scharf den Atem ein. Der Drachengott wollte sie wieder auferstehen lassen? Das konnte sie kaum glauben. Dennoch breitete sich Freude in ihr aus. "Es ist mir eine Ehre, euch zu treffen, Gott", sagte sie. Der Drachengott nickte zufrieden. "Der Grund, weshalb ich dich wieder auferstehen lasse ist, dass die Magier, welche den Riss zwischen den Welten erschaffen haben, noch am Leben sind. Du musst ihre Magie absorbieren und sie töten. Um dies tun zu können, gebe ich dir hiermit die Kraft aller Elemente. Eis und Feuer beherrscht du bereits, aber du bekommst noch die Elemente Erde, Luft und den Geist von mir." "Den Geist?", fragte Kyraya und sah den Gott ratlos an. "Leben und Tod. Mit dem Geist kannst du entweder heilende Magie wirken oder Tod über deine Feinde bringen, ohne eines der anderen Elemente einsetzen zu müssen." Erst jetzt sah sie das Drachenamulett, welches der Gott um den Hals trug. Es war aus einem unbekannten Material und wie ein Drachenkopf geformt. Der Drache kam auf Kyraya zu, berührte sie mit dem Amulett und hielt dann inne. Plötzlich spürte sie, wie neue Kräfte in ihr aufstiegen. Auch ihre Schuppen änderten sich, sie waren nun in den selben Farben, wie die des Gottes. "Da du der einzige Drache bist, der Magie absorbieren kann, brauchen wir dich, Kyraya. Enttäusche uns nicht. Dein Geist wird dich leiten, da bin ich mir sicher. Ein Magier, welcher sich von den anderen Magiern abwenden wird, wartet darauf, dein Reiter zu werden." Das war das Letzte, was Kyraya von dem Gott hörte, denn plötzlich verschwamm die Umgebung vor ihren Augen, und sie spürte, wie sie langsam zurück in die Welt flog.
Kapitel 6: Der abtrünnige Magier
Tyran hetzte durch die Straßen von Magicia. Immer wieder wandte er seinen Blick um, darauf Bedacht, Verfolger frühzeitig auszumachen und sie gegebenenfalls zu töten. Er konnte nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren, was die anderen Magier taten. Dennoch wusste er, dass auch sein Gewissen nicht rein war. Viele Jahre hatte er mitgemacht, sogar gedacht, dass die Magier nur gute Absichten verfolgten. Weit gefehlt. Als ihn die Erkenntnis traf, war er für einen Moment wie gelähmt. Jetzt war er endlich ins Tun gekommen und entfernte sich von der Stadt. So genau wusste Tyran noch nicht, was er tun sollte, aber er wollte die Drachen warnen. Genauere Pläne wollte er sich erst machen, wenn er aus der Stadt entkommen war. Als er im Wald stand, welcher Magicia umgab, blieb er endlich stehen und starrte in den Himmel. Wie konnte er nur die Drachen warnen? Er wusste es nicht, denn kein Drache würde einen Magier einlassen. Während er da so grübelte, bemerkte er nicht, wie sich etwas näherte. Erst, als der Boden unter seinen Füßen vibrierte, fuhr Tyran herum und entdeckte einen Drachen neben sich. Nein, es war eine Drachenfrau, kein männlicher Drache. Er wusste nicht, wieso er das wusste, doch tief in sich war es ihm klar. Dann dämmerte es ihm. Auch wenn die Schuppen dieses Drachen anders aussahen, kannte er die Bilder ganz genau. "Du bist ... Kyraya? Die angebliche Unheilsbringerin?" Eigentlich glaubte er selbst nicht mehr an die Worte, denen er stets vertraut hatte. Ständig wurde gesagt, diese Drachin war unheilbringend, weil sie Magie absorbieren konnte. "Eines Tages wird sie alle Magier vernichten, vergiss das nicht", hatte Tarlyn stets gesagt. "Das kommt darauf an, wen es betrifft und wie man Unheil definiert", kam eine amüsierte Gedankenstimme zurück. Tyrans Herz setzte kurz aus. Sie hatte mit ihm kommuniziert! Dies taten Drachen nur, wenn sie einen Menschen gefunden hatten, welcher würdig war, ihr Reiter zu werden. "Ich glaube nicht an die Worte der anderen Magier, obwohl ich es sehr lange getan habe", antwortete der Magier leise. "Das habe ich angenommen. Sonst hättest du mich bereits angegriffen", kam Kyrayas Antwort. Er nickte, und ein Lächeln huschte über seine Züge. "Du kannst nun beweisen, auf welcher Seite du stehst", fuhr die Drachin fort. "Reite auf mir, und wir beenden die Herrschaft der bösen Magier!" Für einen Moment blieb Tyran unschlüssig stehen, denn leichte Zweifel nagten an ihm. War er wirklich würdig, auf einem Drachen zu reiten, der so mächtig war? Hatte er das wirklich verdient? Und was, wenn die Magier seinen Verrat erkannten und gegen ihn kämpfen wollten? Horrorszenarien blitzten vor seinem inneren Auge auf. Es gab immer noch Magier, welche zu seinen Freunden zählten, auch wenn sie dem Herrscher blind vertrauten. Tyran war sich sicher, dass sie es nicht besser wussten. Würde er die Stärke aufbringen, sie zu töten, wenn es darauf ankam? "Du solltest nicht zu lange über deine Entscheidung nachdenken", mischte sich Kyraya in seine Gedanken. "Ich gebe dir noch fünf Minuten, dann solltest du dich entschieden haben." Mit diesen Worten trat sie ein paar Schritte zurück, als Zeichen des Respekts.
Fortsetzung folgt
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