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geschrieben 2026 von Matthias Stilke (CaptainX).
Veröffentlicht: 18.01.2026. Rubrik: Grusel und Horror


Abgründe

Stur schritt der schwere Kampfroboter seinen Patrouillenweg ab. Zwischen ihm und dem Grenzzaun lag ein kleines Wäldchen, bespickt mit Tretminen. Obwohl gut gesichert, war von hier aus der Stützpunkt angreifbar und machten die Anwesenheit der 30-Tonnen-Kampfmaschine auf diesem Abschnitt erforderlich.

Plötzlich blieb er stehen. Seine Wärmesensoren erfassten einen roten Bereich hinter einem Busch in seinem Sichtfeld. Automatisch richtete er seine beiden riesigen Autokanonen aus.
"Identifizieren sie sich!", brüllte sein Lautsprecher in den Wald.
Keine Antwort.
Sein Sicherheitsprotokoll sah einen zweiten Anruf vor.
"Identifizieren sie sich!", wiederholte er seine Anweisung drohend.
Kaum hörbar kam eine Antwort.
"Tina.", wimmerte eine dünne Stimme.
Der Roboter fand in seiner Datenbank niemanden mit diesen Namen auf dem Stützpunkt.
"Vollständige Identifikation erforderlich. Wie lautet der Nachname?"
"Weissichnicht.", war die leise Antwort.
Wieder checkte er die Datenbank.
"Es gibt auf diesen Stützpunkt niemanden mit diesem Namen." Mit einem satten Doppelklick lud der Robot seine Autokanonen durch und visierte die Quelle des Stimmchens an. Der grelle Lichtkegel seines Scheinwerfers erfasste den Busch.

"Identifizieren sie sich. In zehn Sekunden wird das Feuer eröffnet. Zehn. Neun. Acht ..."
Die Wärmesignatur hinter dem Busch schien immer kleiner zu werden.
"... Sieben. Sechs. Fünf ..."
Seine akustischen Sensoren nahmen ein Schluchzen wahr.
"... Vier. Drei. Zwei ..."

Da stoppte ein Vetobefehl per Funk aus der Kommandozentrale den Countdown.
"Robot D5. Was ist da los?" Es war der Supervisor für diesen Abschnitt.
"Eindringling entdeckt. Identifizierung fehlgeschlagen. Maßnahme zur Neutralisierung eingeleitet."
Der Supervisor überprüfte die Sensordaten von seinem Platz aus.
"D5. Es handelt sich um ein Kind!", funkte er den Stahlriesen: "Vielleicht hat es sich verlaufen."
"Ziel konnte sich nicht identifizieren."
"Ein Kind, D5. Hier auf dem Stützpunkt leben viele Kinder. Und 'Tina' ist wahrscheinlich ein Spitzname."
Der Roboter schwieg.

Der Supervisor schaltete sich auf den Lautsprecher der Maschine: "Hallo. Keine Angst. Du kannst rauskommen. Der Roboter tut dir nichts."
Langsam tauchte der schmächtige Körper eines kleinen Mädchens hinter dem Busch auf. Es trug ein Nachthemd und einen Teddybären fest an sich gepresst vor dem Oberkörper. Die Augen waren rot verheult und Rotz lief ihr aus der Nase.

"Komm näher, mein Kind.", rief der Supervisor über den Lautsprecher: "Alles Ordnung? Bist du verletzt?"
Das kleine Kind schluchzte und sagte etwas, was er nicht verstand. Es kam weiter langsam und zögernd auf die Stimme des Supervisors und dem Roboter zu. Sein Lichtkegel verfolgte den kleinen Körper misstrauisch.

Dann sagte sie etwas, was nach "Fahr' zur Hölle!" klang, sprang flink aus dem Lichtkegel nach vorne und umklammerte das linke Bein des Kampfroboters, knapp außerhalb der Reichweite seiner Waffenarme.

Sie presste mit ihrem Oberkörper den Teddy an den Schenkel der Maschine. Eine Fernzündung ließ die in seinen Bauch eingenähte Wasserstoff-Brennstoffzelle explodieren. Das Bein riss ab und der Hüftbereich platzte auf. Der Koloss stürzte um und fing Feuer. Gleichzeitig durchbrachen mehrere Panzerfahrzeuge den Sicherheitszaun des Stützpunkts. Einige fuhren dahinter auf Minen und explodierten. Es brachen aber genügend Fahrzeuge an dem zerstörten Roboter vorbei zum Stützpunkt durch und hielten dort blutige Ernte.

Geschrieben: Januar 2026
Autor: Matthiss Stilke

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Babuschka am 18.01.2026:
Kommentar gern gelesen.
Hi CaptainX,
was ist denn zuletzt mit der kleinen Tina passiert? Ist sie mitsamt ihres Teddybären explodiert? Habe ich es richtig verstanden und hat sie als Lockvogel fungiert?
LG Babuschka




geschrieben von CaptainX am 18.01.2026:

Hallo Butterblume.
Hallo Babuschka.

Danke für das 'Gern gelesen'.

@Babuschka
Richtig. Das kleine Mädchen handelte als Selbstmordattentäterin, um den Angriff vorzubereiten.
Aber es stimmt schon: Wenn ich das jetzt so lese, ist es nicht so eindeutig.
Danke für den Hinweis.

Gruß
CaptainX




geschrieben von Andy Loginius am 19.01.2026:
Kommentar gern gelesen.
Hallo CaptainX, ziemlich spannend. Leider schade um das kleine Mädchen. Jeder Krieg ist brutal und fordert Opfer.




geschrieben von CaptainX am 19.01.2026:

Hallo KairosPrime, Jo, Andy.

Dankeschön für das 'Gern gelesen'.

@Andy
Danke für den Kommentar.
Richtig.
Eigentlich wollte ich die Thematik um 'Tina' noch weiter ausarbeiten, aber so ist schon böse genug.

Gruß
CaptainX




geschrieben von Rautus Norvegicus am 11.02.2026:
Kommentar gern gelesen.
Hi, Captain!

Gutes Mädchen, armer Teddy. Hat ihr jemand ein neues Plüschtier geschenkt, das "scharf" gemacht werden kann? Der nächste Roboter wartet schon😃

Internette Grüße

🐀Rautus Norvegicus




geschrieben von CaptainX am 11.02.2026:

Hallo Rautus.
Mal eine gaaanz üble Story, die ihren Anfang in 'Größer als wir' findet. Habe leider die Chronologie vertüttelt.

Gruß
CaptainX




geschrieben von Rautus Norvegicus am 11.02.2026:
Kommentar gern gelesen.
Also Stubs oder Bruno wurde geopfert😉

🐀




geschrieben von Babuschka am 11.02.2026:
Kommentar gern gelesen.
Lieber Rautus,
wenn ich die Geschichte richtig verstanden habe, wurde selbst das kleine Mädchen geopfert - auch zu meinem Entsetzen.
LG Babuschka




geschrieben von Rautus Norvegicus am 11.02.2026:

Natürlich, liebe Babuschka, allerdings war nicht in ihr (Tina) der Sprengstoff, sondern in einem Teddy.

Vorname: Tina. Nachname: Weißichnicht😂 Das sagte Tina auf die Frage nach ihrem Nachnamen.

Stubs oder Bruno hieß der Sprengstoff-tragende Teddy. Tina war Selbstmordattentäterin. 🙂

Liebe Grüße
🐀
Rautus


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