geschrieben 2026 von Matthias Stilke (CaptainX).
Veröffentlicht: 10.07.2026. Rubrik: Fantastisches
Der Codex - Teil 1(5)
Inhalt
Seit vielen Wochen versuchen Imperiale Einheiten die von Vargr besetzte Welt Felton zurückzuerobern.
Miles kämpft in einem rückwärtigen Abschnitt auf einer verhältnismäßig ruhigen Position. Unerwartet wird er in direkte Kampfhandlungen hinein gezogen und muss sich nicht nur mit tödlichen Gefahren, sondern auch mit seinem Gewissen auseinandersetzen ...
Diese Story besteht aus fünf Teilen mit durchschnittlich etwa 825 Wörtern pro Teil.
Hinweis: Die komplette Story ist bereits in der pdf verfügbar. Teil 2 bis 5 poste ich in den nächsten Tagen.
Eins
Das Wecksignal ertönte. Licht dämmte sich auf einen schummrigen Level hoch.
Miles stand langsam auf und schleppte sich in die Nasszelle seiner kleinen Kabine. Nach Durchführung aller notwendigen (und möglichen) hygienischen Maßnahmen zog er seine Dienstuniform an und ging in die Kantine. Er arbeitete heute in der Beta-Schicht (von 12 bis 18 Uhr Bordzeit). Es war jetzt 11:42 - Zeit genug für ein karges Frühstück mit Kaffee- und Brötchenersatz.
Kurz vor Zwölf ging er dann auf seine Station auf dem Mitteldeck. Er war Operator einer taktischen Unterstützungseinheit. Ihr Schiff (ein 400 Tonnen schwerer Schweber kreiste nun schon seit Wochen über einen Gefechtsabschnitt auf dem Planeten Felton. Unten kämpften Bodentruppen gegen Vargr-Verbände, die vor einigen Monaten angetreten waren, um die Kontrolle über diese Welt zu übernehmen.
Das gelang ihnen bislang nicht.
Aber auch die Imperialen Truppen taten sich schwer, die Invasoren zu vertreiben. Zum einen lag es an dem schwierigen Gefechtsfeld, zum anderen gingen die Streitkräfte sehr vorsichtig vor - man wollte schließlich keine wertlose Trümmerwüste erobern.
Miles' Aufgabe war es zusammen mit seiner Gruppe, die Bodentruppen von einem niedrigen Orbit aus mit Aufklärung und dem punktuellen Einsatz taktischer Raketen zu unterstützen.
Miles ließ sich von einem Offizier der A-Schicht einweisen. Viel war heute Morgen nicht passiert. Die Vargr hielten sich zurück. Die Aufklärungslage war schwierig und die Imperialen Kommandeure wollten anscheinend keine Risiken eingehen.
Als er sich ausreichend orientiert hatte, stülpte er sich ein Headset über und nahm an der nun freigewordenen Konsole Platz. Schnell noch die taktische Anzeige konfigurieren und bei seinem Superviser Bereitschaft melden.
Sein Sektor heute war Planquadrat AS33 - ein eher rückwärtiges Gebiet. Einige gepanzerte Patrouillen waren dort unterwegs, aber es waren keine feindlichen Aktivitäten gemeldet worden.
Als er vor einigen Wochen diese Position als frisch gebackener Lieutenant übernahm, war er so aufgeregt, dass er sich beinahe übergeben hatte. Dann kehrte schnell Routine ein - der schlimmste Feind eines Soldaten, aber Miles nahm seine Aufgaben sehr ernst.
Seine Station lag in einem gepanzerten Raum tief im Inneren des Schiffes. Er und 24 weitere Kameraden arbeiteten dort konzentriert in einer augenschonenden, rot-hinterlegten Düsternis.
Plötzlich ging eine Vibration durch das Schiff. Für einige Sekunden setzte die künstliche Schwerkraft aus. Erschrocken blickten sich die Operatoren an. Sowas hatte es noch nie gegeben. Der Ausfall der Schwerkraft deutete auf ein massives, technisches Problem hin. Dann meldete sich ihr Supervisor über Funk: "Wir haben einen Energieausfall und verlieren an Höhe. Stationen sichern und Notfallpositionen einnehmen."
"Sind wir getroffen worden?", fragte eine aufgeregte Stimme aus der Anonymität des Raumes. Der Supervisor ignorierte den Operator. Was nun genau die Ursache war ... ohne Energie würden sie irgendwo in den riesigen Laubwäldern unter sich zerschellen.
Miles sicherte seine Station und lockte sich aus. Dann fixierte er sich mit einem Fünf-Punkt-Gurt an seinen Sessel. Unter diesem lag ein Kopfschutz und eine Sauerstoffmaske. Adrenalin pumpte durch seinen Körper. Er zitterte vor Aufregung und benötigte mehrere Versuche, um die Maske an das Sauerstoffsystem anzuschließen. Dann war er bereit und hielt eine offene Hand nach oben, womit er seinem Supervisor signalisierte, dass er das Sicherheitsprotokoll durchgeführt hatte. Bei weiteren Ausfällen der künstlichen Schwerkraft konnte nun nichts mehr passieren.
Es war trotzdem beängstigend. Abgeschirmt in den Tiefen des Schiffs und von der künstlichen Gravitation gehalten, könnte ihr Schiff trotzdem als Feuerball mit 500 Kilometer pro Stunde auf die Planetenoberfläche zurasen, ohne das jemand davon etwas spüren würde. Andererseits: Wenn dem so war, wäre es innerhalb einer Zehntelsekunde aus und vorbei.
Miles unterdrückte den Drang, zu seinem Supervisor rüber zusehen. Vermutlich verfügte auch er über keine näheren Details. Außerdem würde ihm dieses Wissen im Falle eines Absturzes nicht viel nützen.
Wieder setzte die Schwerkraft aus. Miles wurde so fest in die Polster seines Sessels gedrückt, dass er kaum atmen konnte. Dann folgte ein Knall, ein Blitz und bleierne Dunkelheit.
Fortsetzung folgt ...
Geschrieben: Juni 2026
Autor: Matthias Stilke (c)
www.kurzgeschichten-stories.de
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