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geschrieben 2026 von Matthias Stilke (CaptainX).
Veröffentlicht: 12.07.2026. Rubrik: Fantastisches


Der Codex - Teil 3(5)

Drei

Angeführt von Sergeant Tulloch ging die Gruppe nach Norden in Richtung des nächstgelegenen Imperialen Stützpunkts. Er hatte eine lockere Marschformation befohlen, um den Vargr so wenig Spuren wie möglich zu hinterlassen.
Sie kamen gut voran. Einer der Marines fiel langsam zurück. Er hielt sich den Bauch und brabbelte wirres Zeug vor sich hin. Jeder konnte sehen, dass es ihm sehr schlecht ging.

Direkt vor Miles' Füßen brach er zusammen. Ein anderer Marine sprang ihm zur Seite. Es war die blonde Soldatin, die als Letztes aus dem Wrack gestiegen war. Sie sprach den jungen Mann an, aber er reagierte nicht.
Der Sergeant stoppte die Gruppe mit einem Handzeichen.
"Corporal Menza. Zurück in die Formation. Sofort!"
"Sergeant Tulloch. Private Vanberg geht es schlecht."
"Das weiß ich!", herrschte er sie an: "Zurück in die Formation!"
"Er wird sterben, Sir!", rief sie zurück.
Der Sergeant ging mit festen Schritten auf sie zu, beugte sich hinunter und stoppte erst ein paar Zentimeter vor ihrem Gesicht.
"Wir müssen alle irgendwann sterben, Corporal." Jetzt senkte er seine Stimme, was aber den drohenden Unterton nur noch verstärkte.
"Ich werde es nicht noch einmal sagen, Corporal! Zurück in die Formation!"
Die Frau stand langsam auf und steckte ihre Hände demonstrativ in die Hosentaschen. Diese Gestik bedeutete bei allen militärischen Einheiten im bekannten Universum: 'Du kannst mich mal!'
Tulloch ging einen Schritt zurück und hob seinen Karabiner.
Miles nahm all seinen Mut zusammen: "Sergeant. Vielleicht sollten wir ..." Weiter kam er nicht. Ein Blick von diesem beinharten Soldaten genügte, um ihn zum Schweigen zu bringen. Gleichzeitig gestand er sich ein, dass es keine gute Idee war, mit einem bewaffneten Marine auf Adrenalin über Ehre und Gewissen zu diskutieren.
Sergeant Tulloch wandte sich wieder an die Frau: "Corporal Menza! Sie stehen unter Arrest! Da die Umstände es nicht zulassen, kann ich zurzeit keine Disziplinarmaßnahmen umsetzen. Sie können sich aber darauf verlassen, dass ich sie vor ein Kriegsgericht bringen werde." Dann ging er wieder an die Spitze der Gruppe und gab das Zeichen zum weitermarschieren, ohne sich noch einmal umzudrehen.
Miles blieb bei Menza, die sich wieder zu ihrem schwerverwundeten Kameraden niedergekniet hatte.
"Was fehlt ihm?", fragte er leise.
"Ich weiß nicht.", sagte die Frau: "Vermutlich innere Verletzungen. Der Chief hatte recht: Er wird sterben."
Miles blickte der abrückenden Gruppe hinterher: "Aber ... Ich verstehe das nicht! Wenn er doch stirbt ..."
"Was verstehen sie nicht?", fragte sie laut: "Warum ich hiergeblieben bin?"
Sie deutete seinen Blick als ein 'Ja'.
"Warum sind sie denn geblieben?", fragte sie zurück und wandte sich wieder ihrem todgeweihten Kameraden zu. Damit hatte er seine Antwort!

Gemeinsam trugen sie den Soldaten ein Stück in den Wald hinein und betteten ihn auf eine dicke Moosschicht. Mehr konnten sie nicht tun. Menza trug zwar ein medizinisches Notfallkit, aber darin war nichts enthalten, was für diese Situation hilfreich gewesen wäre.
Sie setzten sich beide neben den Schwerstverletzten. Seine Atmung war flach und unregelmäßig.
"Er wird es nicht schaffen.", meinte Miles nach einer Weile.
Menza nickte stumm, griff in ihre Notfalltasche und holte zwei stiftgroße Hochdruckkanülen hervor. Eine reichte sie Miles und sagte: "Gegen die Schmerzen. Wenn nicht noch ein Wunder passiert, können wir ihm es etwas leichter machen."
Miles nickte. Sie nahm ihre Kanüle, presste den Kopf auf Vanberg's Oberschenkel und drückte ab. Das Ding jagte mit Hochdruck den Medikamentencocktail durch Textil und Haut in den Blutkreislauf. Nach einigen Sekunden wurde die Atmung des Soldaten ruhiger, regelmäßiger.
Eine Weile saßen die Beiden stumm nebeneinander und blickten ins Leere. Schließlich konnte sich Miles nicht mehr zurückhalten.
"Hat der Sergeant es ernst gemeint?"
Sie sah ihn verständnislos an.
"Natürlich! Was denn sonst? Ich habe einen direkten Befehl missachtet."
"Naja. Vor einigen Stunden hat er der Gruppe die Wahl gelassen. Es ist ja nicht so, als ob sie sich geweigert hätten, Hügel 95 im Sturm einzunehmen. Außerdem: Sie sind verwundet. Sie humpeln und ihr Arm scheint gebrochen zu sein. Sie sind für die Gruppe eher ein Hindernis als von Nutzen." Nach einem Moment fügte er noch ein "Nichts für ungut!" hinzu.
Sie lächelte schwach.
"Das zählt nicht. Und Sergeant Tulloch ist ein zu guter Soldat, um sich mit Details aufzuhalten."
Miles verdrehte die Augen.
"Und was passiert jetzt mit ihnen?"
Sie zuckte mit den Schultern: "Unehrenhafte Entlassung. Gefängnis."
Miles wusste von der strengen Disziplin bei den Marines, konnte es aber nicht wirklich begreifen.
"Weil sie einen Kameraden nicht im Stich lassen wollten? Das sollte doch etwas wert sein."
Sie zuckte mit den Schultern.
Miles ließ nicht locker: "Ich dachte, bei euch Marines gilt die Devise: Niemand bleibt zurück!"
Jetzt sah sie ihm in die Augen: "Ist auch so. Aber es liegt immer an den Umständen und dem Kommandierenden, es abzuwägen. Und das war Sergeant Tulloch."
Miles sah wieder auf den schwerverwundeten Soldaten und schüttelte den Kopf. Er würde diese Marineleute nie verstehen!

Die Zeit zog sich dahin. Beide waren nun mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt. Miles hörte plötzlich und überdeutlich das Rascheln des Windes in den Baumkronen und ein vielchöriges Vogelgezwitscher. Eigentlich wirkten Felton's Urwälder schön und friedlich - wenn nur nicht dieser verdammte Krieg wäre!

Die letzten Stunden waren für ihn sehr anstrengend gewesen - mental und körperlich. Der Körper forderte seinen Tribut und fuhr den Kreislauf herunter. Er hörte nur noch das leise Atmen des Marine und die Geräusche des Waldes.


Fortsetzung folgt ...

Geschrieben: Juni 2026
Autor: Matthias Stilke (c)
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