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3xhab ich gern gelesen
geschrieben 2026 von Matthias Stilke (CaptainX).
Veröffentlicht: 13.07.2026. Rubrik: Fantastisches


Der Codex - Teil 4(5)

Vier[/n]

Plötzlich schreckte Miles hoch. Er musste eingeschlafen sein. Menza kniete neben ihren Kameraden und hielt seine Hand. Ihr Kopf war gesenkt, aber Miles konnte sehen, wie Tränen auf dem Marine fielen. Sein Brustkorb bewegte sich nicht mehr.
Miles richtete sich auf und fragte leise: "Ist er..."
"Ja.", war die knappe Antwort.
Er wusste nicht, was er sagen sollte und entschied sich dann für "Kannten sie ihn gut?"
"Eigentlich nicht. Er kam erst vor einigen Wochen in unser Kontingent."
Er wollte noch etwas sagen, aber es fiel ihm nichts Passendes ein. Da fühlte er die Kanüle in seiner Tasche und erinnerte sich, dass Menza vorhin ihrem Kameraden ein Schmerzmittel gegeben hatte.
"Wenigstens musste er nicht mehr viel leiden."
Corporal Menza sah ihn an. Miles konnte ihren Blick nicht deuten, ob sie nun wütend oder nur traurig war. Das sollte er aber auch nicht mehr erfahren.

Auf einmal hörten sie ein lautes Summen dicht über den Baumkronen. Miles horchte auf.
"Was ist das?"
Menza blickte hoch: "Ein Jäger!"
Der Lieutenant wartete einen Moment und lauschte: "Einer von uns?" Für ihn klangen alle Grav-Module gleich.
Sie schüttelte den Kopf und zischte: "Vargr! Sie wissen, wo wir in etwa sind. Unsere Leute nicht. Eine Rettungsmission würde höher fliegen."
Das Summen wurde einige Male lauter und leiser. Ab und zu sahen sie einen Schatten zwischen den Bäumen auf dem Waldboden. Schließlich entfernte sich das Geräusch.
"Die suchen uns!", schloss Mendez.
"Und nun?"
Die Soldatin überlegte, da unterbrach Geschützlärm die Stille. Es kam aus Norden. Zwei, dreimal wummerte es. Menza lauschte angestrengt: "Infanteriegeschütz! Da wird jemand beharkt."
"Unsere Leute?", fragte Miles vorsichtig. Statt einer Antwort stand Menza auf und rannte los, so schnell es ihre Verwundung zuließ. Er blickte nochmal auf dem toten Soldaten und lief ihr dann hinterher.

Trotz ihrer Verwundung hatte er Schwierigkeiten, sie einzuholen. Als Menza für kurze Zeit außer Sicht war, kam Panik in ihm auf. Auf sich alleine gestellt, wäre er hier tief im Wald rettungslos verloren gewesen. Da sah er sie wieder, hinter einem umgestürzten Baum kauernd. Er hockte sich neben ihr und versuchte nicht laut zu atmen.

Etwa zwanzig Meter entfernt hing ein Grav-Panzer einen Meter über dem Boden. Die rot-grüne Lackierung und Schriftzeichen an den Seiten deuteten auf ein Fahrzeug der Vargr. Vorne war ein Gefechtsturm mit einer kurzen Infanterie-Kanone angebracht. Das Heck des Panzers war etwas erhöht. Aus einer offenen Luke war der Oberkörper eines Vargr-Soldaten zu sehen. Er blickte durch ein klobiges Fernglas in den Wald und gab anscheinend den Richtschützen im Turm Anweisungen. Erneut feuerte das Geschütz. Miles konnte jedoch kein Ziel erkennen. Menza zog ein kleines Fernglas aus einer ihrer zahlreichen Beintaschen und gab es den Lieutenant. Mit langsamen Bewegungen suchte er das Gefechtsfeld ab.
Da! Dort hinten erhob sich ein spärlich bewaldeter Hügel. Am Fuß waren Steinstrukturen zu erkennen. Da hatten sich einige Marines und Crewmitglieder verschanzt - ihre Gruppe um Sergeant Tulloch!
Das Geschütz hielt sie durch gezieltes Sperrfeuer in Deckung, während zwei Dutzend Vargr unter diesem Feuerschutz langsam und bedächtig an den Flanken der Schussbahn gegen diese Stellung vorrückten.

Menza stieß Miles an und deutete auf den Vargr: "Können sie den ausschalten?"
"Denke schon.", meinte Miles unsicher. Er konnte zwar mit dieser Waffe umgehen, hatte aber ein Gauss-Gewehr das letzte Mal während seiner Infanterieausbildung vor zwei Jahren abgefeuert.
Aber Menza war anscheinend zufrieden: "Ich laufe einen Bogen. Wenn sie mich am Panzer sehen, knallen sie den Soldaten ab." Noch ehe er etwas sagen konnte, war sie im Unterholz verschwunden.

Ein weiteres Mal feuerte das Geschütz. Miles legte das Gewehr an und nahm den Vargr ins Visier. Die Waffe zitterte in seinen Händen. Er versuchte noch langsamer und flacher zu atmen.
Plötzlich sah er Menza pfeilschnell auf den Panzer von der Seite aus zustürmen. Der Vargr hatte sie irgendwie bemerkte und drehte sich überrascht um.
Miles schoss dreimal. Da Gausswaffen keinen Rauch hinterließen und kaum Rückstoß erzeugten, konnte er klar erkennen, wie der Vargr sich getroffen um seine eigene Achse drehte und durch die Luke verschwand. Schon war Menza, trotz ihres verletzten Arms, auf das Fahrzeug gesprungen, warf eine faustgroße Granate in die Öffnung und sprang wieder hinunter. Es gab einen dumpfen Knall. Eine Feuerfontäne schoss aus der Luke. Die Grav-Module versagten und das Fahrzeug fiel wie ein Stein auf den Waldboden. Schwerer öliger Raum stieg aus der Luke.
Menza winkte Miles zu sich heran und zog ihre Pistole. Sie zeigte auf die Vargr-Soldaten zwischen ihnen und der Stellung ihrer Kameraden.
"Feuern sie auf diese Bastarde da unten, Lieutenant!"
Miles blickte verständnislos drein.
"Das sind 100, 150 Meter. Auf diese Entfernung treffe ich niemanden!"
"Das ist nicht wichtig!", sagte sie etwas genervt: "Die sollen nur merken, dass wir in ihren Rücken stehen."
"Ah. Jetzt habe ich verstanden."
Miles lehnte sich an einen Baum und legte an. Wie erwartet sah er durch den Sucher kaum Details, schoss aber auf die Vargr-Gruppen. Auch Menza feuerte mit ihrer lautstarken Pistole.
Es funktionierte! Nach einigen Salven stoben die Angreifer auseinander. Nun erwiderten auch die Marines und Miles' Kollegen wirksam das Feuer. Er konnte nicht sehen, ob und wieviele Vargr er getroffen hatte, aber sie zogen sich erst langsam und dann immer schneller in Richtung Süden zurück.


Fortsetzung folgt ...

Geschrieben: Juni 2026
Autor: Matthias Stilke (c)
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