Kurzgeschichten-Stories
Autor
Schreib, wie du willst!
Startseite - Registrieren - Login - Kontakt - Impressum
Menu anzeigenMenu anzeigen
2xhab ich gern gelesen
geschrieben 2023 von Angricolan (Angricolan).
Veröffentlicht: 27.07.2026. Rubrik: Menschliches


Fensterplatz im R14

Still nebeneinandersitzen, einen Fensterplatz haben. Ein Hallo, ein
kurzer Blick, lächeln, sehend wieder aus dem Fenster jeder für sich,
still ohne ein Wort. Es sind so Gründe warum ich lieber in einem
leeren Abteil sitze, mit Fensterplatz in der Regio-Bahn.
Die mir gegenübersitzende junge schwarzhaarige Frau mit einem Rucksack
in nicht gerade Wanderschuhen, gähnte, sah mich an und wendete den
Kopf wieder zum Fenster hin und zurück.
Sie beobachtet mich, blinzelt mit den Augen, Ihre Finger bewegen
sich. Hinter der Hand vor ihrem Mund gähnt sie lautlos. Schaut nach
unten, bewegt ihr rechtes Bein, streckte es und stieß mich leicht an.
Der Zug hält an einen kleinen Bahnhof. Sie schaut auf ihre
Armbanduhr mit großen Zifferblatt. Ihre grüne, schon abgewetzte
Jacke ist etwas kurz an den Ärmeln.
Nach einiger Zeit steht sie von ihrem Sitzplatz auf. Sie schaut mich an, fährt sich mit einer Hand durch die langen Haare.
Es ist leer im Bereich des letzten Abteils. Sie lässt ihren großen Rucksack, der vorher neben ihr lag, stehen geht durch den Gang, bleibt stehen, geht weiter und kommt langsam zurück.
Ihre Jeans ist löchrig, moderner Stil. Ihre einst weißen Schuhe sind grau, verschmutzt. Söckchen trägt sie nicht. Sie geht wieder, bleibt
an der Zug Türe stehen schaut hinaus. Draußen regnet es, der Himmel ist voll mit schwarzen Wolken. Das Gefühl, sie hat gespürt ich
beobachte sie, lässt mich nicht los. Ich schaue nach unten, schließe
die Augen.
"Scheiße". Wieder mir gegenübersitzend sagt sie es laut.
Ich blicke auf. Sehe sie schweigend an.
"Wenn das so bleibt mit dem Regen war meine Fahrt umsonst".
Aha, ihr wird langweilig. Der Zug stoppt auf einem Ausweichgleis,
ich kenne es, denn jetzt kommt erst ein ICE der Vorfahrt braucht bis zum nächsten Halte-Bahnhof.

"Wo willst du denn hin?" Ich versuche es gleich mit du, verzichte
die Anrede mit Sie.
"Ich habe mich angemeldet für eine Demo mit Übernachtung gegen eine Waldrodung, wenn es regnet, säuft alles ab und Krankwerden kann ich mir nicht erlauben".
"Meinst du dieses Wald-Camp nah den Kiesgruben, an der gesperrten, alten Schnellstraße?“
"Warst du schonmal da?"
"Ich habe es mir angesehen, kam aber nicht nah ran wegen der
Polizeiabsperrung. Es gab da Ärger als die Presse filmte".
"Ist es weit vom Bahnhof?"
"Mehr als zwei Kilometer, du kannst aber durch die Wiesen abkürzen,
ringsum sind Äcker und Wiesen bis der Wald beginnt. Du hast die falschen Schuhe an, Gummistiefel wären besser“.
"Du machst Scherze?"
"Keinesfalls, wohne in der Nähe, ist ein Acker dazwischen der jetzt
Matsche ist. Er wurde erst kürzlich umgepflügt".
"Warum fährst du mit dem Zug?"
" Mache ich immer, ist bequemer so in die Großstadt zu fahren. Es
steht mein Wagen auf dem Park and Ride Platz. Du kannst gerne mitfahren, dein Weg ist dann kürzer".
Sie setzte sich wieder. "Ich bin Anne, freue mich dich kennengelernt
zu haben".
Sie reicht mir ihre Hand. Ich nehme sie an, fühle weiche
Haut, zarte Finger ohne Ringe.
"Ulf Landert, freu mich. Bist du eine Studentin? "
"Leider nicht, Einzelhandelskauffrau, Mädchen für alles derzeit, mit
festem Wohnsitz".
Sie lacht, ich sehe ein Grübchen. " Durch einen Freund in die Szene
der Rebellen gerutscht. Was machst du?"
"Arbeite für einen Geologen, mache Feldbegehungen, schreibe
Gutachten. Bei Regen bleiben wir im Büro".
"Hört sich gut an. Macht ihr auch Bodengutachten?"
"Gehört dazu. Wir müssen raus, gleich kommt der Bahnhof".

Vom Bahnsteig die Treppe nach unten. Durch den Tunnel zum
Ausgang und nach gegenüber zum Parkplatz.
"Komm mit dort drüben steht mein Wagen". Knopfdruck, sichtbar leuchteten die Lampen an meinem Auto auf.

Sie saß neben mir, schaute aus dem Fenster, sah die unter Wasser
stehenden Ackerflächen.
"Darf ich dich etwas fragen".
Ich sagte nichts, nickte nur. Die Kreuzung kam ohne Ampel, blieb
stehen. Alles frei, bog ab nach rechts und hielt dann an.
"Wenn du geradeaus weitergehst über die Wiese, kommt ein Weg am
Acker entlang zum Wald. In der Kuhle liegen die Kiesgruben, von hier
vom Waldstreifen verdeckt, der abgeholzt werden soll".
Es schüttete Wasser aus den Wolken, die von Westen kamen und
ahnen ließen es wird mehr, nicht weniger.
Sie zögerte mit dem Aussteigen. "Können wir nicht, wenn ich dich nicht störe, zusammenbleiben oder wartet eine Frau auf dich? Es ist
kalt, wenn ich im Camp bin, nur wenige da sind, war doof hierhin zu
fahren, hoffte auf trockenes Wetter".
"Hätten wir uns sonst kennengelernt? Du kannst überlegen, ob du jetzt zum Camp gehst oder mit zu mir kommst".
Da sie sitzen blieb fuhr ich weiter bis in die Einfahrt.
Ich wohne in einem Neubaugebiet, einer mehr Reihenhaus-Straße zwar etwas außerhalb aber sonst ideal.
Auf Knopfdruck öffnete sich das Rolltor, schloss sich als
wir ausstiegen und von der Garage aus ins Haus gingen.
"Bin ich nun gefangen bei dir?"
"Es gibt kein Zurück mehr, wie du siehst. Du kannst um Hilfe schreien,
hört nur keiner".
Sie blieb unschlüssig stehen mit ihrem Rucksack in der rechten Hand
während ich die Türe aufschloss, um ins Haus zu gehen.
"Nun komm schon, war ein Scherz. Wir müssen die Treppe hoch,
unten wohnt meine Schwester mit ihrem Mann. Fühl dich bei mir wie
zu Hause".

"Kann ich in dein Bad?"
"Gerade aus, Türe links, wenn du duschen willst die Handtücher
liegen im schmalen Hochschrank, ein Bademantel hängt im Schrank
daneben. Du kannst den weißen nehmen".
Sie lachte, „danke für das Angebot, kam direkt von der Arbeit und
ging zum Bahnhof. Ich kann so meinen Angstschweiß loswerden“.

Ohne Bademantel kam sie zurück. "Ulf so eine bin ich nicht, auch wenn ich einfach mitkam".
"Pardon, war nur ein Test, mehr nicht".
Sie trug nun eine Jogginghose und einen langen Rollkragenpullover.
" Fühl dich wie zu Hause sage ich noch nicht, haben uns ja gerade
erst kennengelernt“.
Es klopfte an der Wohnungstüre. "Komm rein Serena, habe Besuch
mitgebracht".
Kurzer Austausch mit meiner neugierigen Schwester, ein Hallo für
Anne kam. Sie ging wieder. Draußen regnete es stärker. Zum Wald hin blieb alles ruhig. Keine Polizei, keine Autos standen am
Straßenrand wie ich sehen konnte. Ein Dauerregen beruhigt meist die
heißen Gemüter.
Sonntagmorgen erwachte Anne neben mir.
"Verrückt alles, ich besonders Ulf. Wann fährst du am Montag zur Arbeit?"

"Von hier um 7 Uhr los, brauche so eine dreiviertel Stunde".
"Kannst du mich mitnehmen, fange erst um 10 Uhr an. Allein im Zug
ohne dich ist es öde und langweilig“.
"Wenn es nächstes Wochenende wieder regnet, kommst du dann
auch wieder hier hin?"
"Ich hoffe es regnet jedes Wochenende, wäre ein Grund wieder zu
dir zu kommen".

Bearbeitet-Erstveröffentlichung 2023

counter2xhab ich gern gelesen

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

Einen Kommentar schreiben

geschrieben von Angricolan am 27.07.2026:

Kurze Erklärung zur Geschichte:
2023 schrieb und veröffentlichte ich diese als kostenloses E-Book bei BookRix. Nach der Umgestaltung des Portales verließ ich es und löschte alles von mir dort.
Es ist hier nicht mehr der komplette Text, habe es etwas gekürzt bei der Bearbeitung.
Angricolan

Mehr von Angricolan (Angricolan):

Hast du mit ihr
Hallo, darf ich?
Kleinstadtgeschichten 13 -Nein, ich habe keinen Hund!
Warme Hände
Stillstand