Veröffentlicht: 19.07.2026. Rubrik: Menschliches
Hallo, darf ich?
Sie sprach zwar weiter doch wegen dem lauten vorbeifahrenden Motorrad verstand er es nicht. Er hätte nein gesagt, doch warum er zu ihr hinsah und nickte, wusste er selbst nicht als sie vor ihm stand. Relaxen nach einem langen Tag, er lag im warmen sprudelnden Whirlpool und wollte eigentlich nur noch seine Ruhe haben. Sie hatte auf dem Balkon gestanden, zu ihm hinuntergesehen. Sichtschutz gab es aber von oben nicht.
Sie zog ihr Kleid aus und setzte sich im Badeanzug neben ihn.
„Nach 20 Minuten ist das Sprudeln beendet, bin schon einige Minuten drin“.
„Ist ok, wir haben dafür keinen Platz und mein Mann hat gelacht und gesagt was kommt noch bei dir. Er beneidet dich, gibt es aber nicht zu“.
Er lächelte sie an, sagte nichts und wartete, ob sie weiterreden würde. Er sah in ihr so etwas wie eine grüne Witwe. Ihr Mann ließ sie viel allein, war älter und lebte wohl sein eigenes Leben. Sie hatte anfangs gesagt er arbeitet für eine Fluggesellschaft, will aber wechseln, um mehr hier sein zu können. Frage sie nicht aus, lass sie von selbst erzählen, was sie will.
„Wieviel Grad hat das Wasser?“
„29 oder 30 Grad, mehr muss es nicht sein“. Er schloss die Augen, genoss die Wassermassage durch die Düsen.
„Ich hätte gerne auch sowas, dazu eine Sauna. Geht alles nicht da wir das Haus noch abbezahlen. Er will das ich wechsle zur Fluggesellschaft, will es aber nicht. Bei Broslers gefällt es mir gut, habe da keinen Stress so wie er“.
Abwarten, lieber sich zurückhalten. Warum kam sie heute, erst mehr scheu und nur dieses Sie und jetzt gleich du. Das Haus nebenan stand ein Jahr leer. Die vorher dort wohnende Frau kam ums Leben durch einen Autounfall. Der Preis war anfangs sehr hoch, wurde dann fast halbiert. Er hatte es gelesen im Internet, etwas verfolgt in dieser Zeit. Nun wohnte sie schon mehr als ein Jahr dort, hatte sich nach dem Einzug mit ihrem Mann zusammen kurz vorgestellt. Sie hatten die mitgebrachte Flasche Wein getrunken, er ihnen zugehört.
Das Blubbern hörte auf, die Zeit war abgelaufen. Sein Handy spielte die Erkennungsmelodie. Er stand auf, stieg auf sein Handtuch, griff nach dem Badetuch, um dann sein Handy zu ergreifen. Er hörte zu, sagte dann ich melde mich später, heute nicht mehr.
„Kann ich im Wasser bleiben oder machst du die Abdeckung gleich wieder drüber?“
Er lächelte, trocknete sich ab. „Bleib ruhig drin, kann dir Musik anmachen oder ein Getränk bringen“.
„Entschuldige, ich habe dich beobachtet und nicht immer warst du allein. Du verwöhnst deine Gäste und bei der Musik und den Cocktails, mein Mann täte es nicht“.
„Ich habe dich nie bemerkt, du hast wohl nur von oben auf mich herabgesehen“.
Er zog die nassen Shorts aus, griff zu einer Jogginghose und streifte danach sein weißes Shirt über. Sie sah zu ihm hin die ganze Zeit, bis er ins Haus ging.
Sie soll ihre Musik und einen Cocktail haben und den offenen ehemaligen Zaun zwischen den Grundstücken müsste er nun langsam erneuern. Sie war von da gekommen, am Sichtschutz vorbei zum Whirlpool gelangt. Seine Kopfschmerzen kamen wieder, er griff zum kalten Zitronenwasser trank langsam.
„Danke, du bist ein grandioser Gastgeber, obwohl ich dich überfallen habe“. Sie trank vorsichtig, lächelte. „Schmeckt super, du musst mir verraten, was da alles drin ist“.
„Mein Geheimnis, mein Rezept. Du kannst gerne wieder kommen und zusehen, wie ich es mixe“.
„Wirklich, mein Mann braucht davon nichts wissen, ist schnell eifersüchtig, kontrolliert mich. Bisher sprach er nicht von dir, sah uns ja nicht zusammen“.
Ihr Gespräch nahm eine Wende, sie kam ihm näher in Worten. Er ging ins Haus holte ein Badetuch und legte es über den Klappstuhl. „Für dich, du brauchst nicht nass durch den kühlen Wind“.
„Danke, oh, ich kann es ja überziehen, hat eine Kapuze“. Sie trank, stellte das leere Glas zurück, stand auf und verließ vorsichtig den Pool. Er schaltete den Strom ab, griff zur Wasserabdeckung, legte sie auf, um dann die Abdeckung darüber zu legen und einzurasten. Er hatte nicht damit gerechnet sie nun nackt zu sehen.
„Gefalle ich dir?“ Sie drehte sich griff zu ihrem Badeanzug. Was sollte er jetzt sagen.
„Ja, aber bitte gehe nun ich bekomme nachher Besuch, muss etwas vorbereiten. Meine Mutter kommt und Mütter sehen es nicht so gerne, wenn… du weißt schon“.
„Entschuldige, bin wohl etwas zu weit gegangen. Wir haben keine Kinder, mein Mann will keine. Es ist schön noch eine Mutter zu haben oder Familie. Bei mir gibt es nichts mehr, kenne keinen da sie im Ausland leben. Ich wurde in Kroatien geboren, durch den Krieg und anderes kam ich nach Deutschland. Meinen Mann lernte ich während eines Fluges kennen. So kam halt eines zum anderen“.
„Dann hast du doch Glück gehabt im Leben. Ihr habt ein Haus, mich als netten Nachbarn was willst du mehr?“ Er sah sie an. Sie hatte nun den Badetuchüberwurf an.
„Darf ich …“, sie zögerte, „war schön im warmen Wasser zu liegen…“.
„Du darfst gerne, wenn ich allein bin, rüberkommen. Ich mag angenehme Gesellschaft und allein ist es manchmal doof sagt selbst meine Mutter. Andere alleinlebende haben einen Hund, andere einen Vogel“.
„Ich habe nur die Eichhörnchen im Garten die ich füttere und den Buntspecht. Es ist ein toller verwilderter Garten mit Igeln und einem Wiesel, aber das weißt du ja selbst. Mein Mann will alles verändern, nur Rasen haben. Zum Glück fehlt uns da das Geld noch“.
Er spürte an ihrem Verhalten sie sucht Kontakt, fühlt sich nicht richtig wohl so allein mit allem. Nach einem Danke für alles ging sie.
„Ich habe dir etwas mitgebracht, den Kuchen isst du doch so gerne“.
Augen zu und durch sagte er sich, halte es aus, denn vor der Tageschau will Mutter wieder in ihrer Wohnung sein.
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