Veröffentlicht: 12.07.2026. Rubrik: Menschliches
Stillstand
Die vorher im Supermarkt nervende Mutter mit einem circa 9jährigen Jungen an der Seite stand nun auf dem Parkplatz vom LIDL neben ihrem Auto und sagte ein böses Wort so laut das alle Kauflustigen zu ihr hinsahen. Ich kam raus, schob den Einkaufswagen vor mir her und stand dann zwei Autos entfernt von ihr. Knopfdruck die Kofferraumhaube hob sich, nachdem ich entsperrte. Ich sah zu ihr hin. Ihr Sohn saß schon angeschnallt im Wagen schälte sich eine Banane.
Auf mein kann ich helfen kam erstmal keine Antwort da ein Mann mit ihr sprach und dann telefonierte mit dem Handy. Einladen, schließen und den Rollwagen zurückbringen. Mittlerweile war der Mann zu seinem Auto gegangen, fuhr vom Parkplatz.
Was nun folgte war nicht normal. Sie kam zu mir, sagte bitte, bitte können sie meinen Sohn und mein Gefriergut zu mir nach Hause bringen. Sie hielt mir ihre Wohnungsschlüssel hin. Eine fremde Frau, schätzte sie auf ungefähr 40 Jahre ohne Ehering. Ich achte stets auf Details, kann dadurch meist Ärger verhindern.
Nach meinem ja begann sie umzuladen, der Knabe kam dazu, feuerte die Bananenschale mit Schwung einfach auf einen Schotterstreifen. Ich bin Heidi, sagte die Mutter und gleich dazu Klaus hebe das sofort auf, sonst knallt es. Kläuschen sah mich an, ging dann und entsorgte ordnungsgemäß im Abfallbehälter.
Ich fuhr los mit Klaus angeschnallt auf dem Rücksitz.
„Sie nervt nur, die alte Karre muss zum TÜV, aber Mama hat keinen Schotter dafür. Unsere Base ist Nordstraße 39, zweite Etage ohne Aufzug. Du kannst vor dem Haus parken da wo 12 steht auf dem Schild“. Klaus war auf der kurzen Fahrt gesprächig plauderte lustig los, bis wir dann mit ihren Sachen oben waren. Er schloss auf zeigte mir, wo der Gefrierschrank stand, und bediente sich gleich mit Eis am Stiel.
„Tu mir den Gefallen und bleib hier, bis Mama kommt“.
„Warum, du bist doch groß genug, um allein zu bleiben“.
„Bleib besser, will keinen Ärger und Medienverbot sollte was fehlen. Sie traut mir alles zu und meine Schwester ist nicht da, hat noch Schule“.
Mich interessierte es nicht, aber Klaus musste mir von seiner Mutter erzählen Dinge die eigentlich gedeckelt besser keiner erfährt. Von ihrer losen Hand, von Schulden, von einer Bestellsucht und das er meist kein Frühstück bekam so wie andere Kinder.
Heidi klingelte, Klaus öffnete und ich musste grinsen über Heidis aussehen. Sie stürmte in die Wohnung, schleuderte dabei ihre Sandaletten von den Füßen und schaute umher. So einfach jetzt raus ging nicht.
Klaus geh auf dein Zimmer und mach die Tür zu. Klaus tat wie ihm aufgetragen, schien grinsend froh zu sein von ihr weg zu kommen.
„Mein Golf ist reif für die Schrottpresse, wird abgeholt beim LIDL. Hast du alles weggeräumt?“
„Nein es war ihr Sohn. Er bat mich zu warten“. Sichtbar schwitzte Heidi unter den Armen, zog hörbar die Luft in ihre Nase. „Ist Angstschweiß, entschuldige heute läuft alles schief bis auf deine Hilfe. Deine Telefonnummer hätte ich gerne, nicht alle Männer sind so hilfsbereit“.
Ich ging nicht drauf ein, überhörte es und da ihr Handy bimmelte war sie abgelenkt. Ich stand auf vom Küchenstuhl, doch sie hielt mich fest mit einer Hand, als ich an ihr vorbeiging. Sie unterbrach ihr Gespräch, warf das Handy förmlich auf die Arbeitsplatte neben den Backofen.
„Sehen wir uns noch mal?“
„Könnte sein, wohne nicht weit von hier. Im LIDL kauft sonst meine Frau ein, nicht ich“.
„Schade, aber trotzdem lieben Dank für alles, würde ich mich gerne erkenntlich zeigen“.
Ich verabschiedete mich und wen sah ich so einige Wochen später an der Bushaltestelle, den kleinen Klaus der gleich zu mir kam.
„Meine Mutter hat kein Glück mit den Männern. Sie dachte du. Jetzt lach nicht, denn als ich lachte, knallte sie mir eine. Meinen Vater sehe ich nie, der von meiner Schwester schon, denn er holt sie übers Wochenende oft zu sich und beide unternehmen etwas. Ohne Auto ist Kakke, Mama ist beim Schwarzfahren erwischt worden gibt jetzt kein Eis am Stiel mehr“.
Mein Bus kam, ich drückte Klaus einen 5 Euroschein in die Hand und sagte bis zum nächsten Mal.
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