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geschrieben 2026 von Matthias Stilke (CaptainX).
Veröffentlicht: 20.03.2026. Rubrik: Fantastisches


Gerettet!

Lieutenant Diana Garret war Pilotin bei der 131.Recon. Das Schwadron war zu Übungszwecken auf den Planeten Obelia verlegt worden, damit die Besatzung ausgiebig das Flugverhalten ihrer Jagtmaschinen in dieser dichten und ungemütlichen Kohlendioxid-Atmosphäre üben konnte.

Einmal flog sie alleine über die weitläufigen Ebenen der zahlreichen Hochplateaus.
Der Übungsflug verlief routinemäßig, geradezu langweilig, da meldete sich ihr Geschwaderkommandant.

"Eagle Basis an Eagle Four." Der Funkspruch wurde von der ionisierten Atmosphäre stark gestört.
"Eagle Four hört."
"Eagle Four. Übung ist beendet. Flight Control hat ein verstümmeltes Notsignal empfangen. Etwa 165-34 relativ zu ihrer Position. Ein abgestürzter Transporter Beowulf-Klasse."

Weitere Anweisungen benötigte Garret nicht, um aktiv zu werden. Sofortige Hilfestellung bei Notfällen waren für alle Bereichen des Militärs eine Selbstverständlichkeit.

"Eagle Four, verstanden. Bin auf dem Weg zu 165-34 relativ".
Sie riss den Steuerknüppel herum und flog eine große Schleife. Sie durfte nicht zu langsam werden, denn dann würde ihre Maschine zwangsläufig durch den Strömungsabriss, also dem fehlenden Druck unter den Tragflächen, abstürzen.

Schließlich war sie auf Kurs. Ein Blick auf das Head-Up-Display verriet ihr, dass sie die genannte Position bei dieser Geschwindigkeit in etwa zwei Minuten erreichen würde.

Sie ging tiefer, um besser sehen zu können. Je näher sie der Oberfläche kam, desto ruppiger wurde der Flug. Extrem starke Winde zogen und drückten von allen Seiten. Garret musste sogar die Geschwindigkeit erhöhen, um die Fluglage zu stabilisieren.

Dann sah sie es!

Ein gutes Stück vor ihr lag zwischen den Felsen das Wrack eines Schiffes. Viel war in der dunstigen Atmosphäre nicht zu erkennen - die Masse des Schiffes war für einen Transporter allerdings viel zu klein. Aber unter diesen Umständen konnte die Optik täuschen.

Garret's Sensoren maßen keinerlei Energieemissionen, aber auch das war bei der aktuellen Wetterlage nicht überraschend. Sie richtete ihren Jäger für einen direkten Überflug aus.
"Eagle Four an havariertes Schiff. Wie ist ihr Status?"

Keine Antwort!

"Eagle Four an Eagle Basis. Wrack gefunden. Keine Aktivitäten registriert." Sie erhielt keine Antwort, hoffte aber, dass sich ihr starker Sender gegen die atmosphärischen Störungen hier unten durchsetzen konnte.

Garret überlegte. Bei einem Hüllenbruch wäre das Schiff mit Kohlendioxid geflutet und die Besatzung möglicherweise am Ersticken - wenn das nicht schon eingetreten war!

Als sie das Wrack passierte, aktivierte sie das ERS - das Emergency Response Signal - ein sehr starker akustischer Impuls, der in Not Geratene signalisierte, dass ihre Lage erkannt und Hilfe unterwegs war.

Schon war sie über das Ziel hinaus. Sie wollte noch ein zweites Mal das Wrack überfliegen und ging in eine Kurve. Viel zu spät erkannte Garret, dass sie einen zu kleinen Radius gewählt hatte. Ihre Maschine wurde rasch langsamer. Als der Strömungsabriss-Alarm erschallte, drückten starke, ungünstige Windböen ihren Jäger zu Boden. Sie hörte noch den Kollisionsalarm, bevor ihre Maschine hart aufschlug.

Als sie wieder zu sich kam, fühlte sie sich benommen. Das Statuspanel zeigte eine Menge Schäden an. Am schlimmsten war jedoch, dass es einen Hüllenbruch gab. Die Kohlendioxid-haltige Atmosphäre flutete bereits seit mehreren Minuten das Cockpit durch Risse in der Außenhaut. Bei dem Absturz war die Sauerstoffzufuhr an ihrer Maske gerissen. Garret wurde schwindelig. Die Arme gehorchten ihrem Willen nur noch träge. Langsam dämmerte sie in einen Todesschlaf.

Garret war im Geburtshaus ihrer Heimatwelt Athana. Es war 'Der Tag der Siedler', ein wichtiger Feiertag, an dem der Planet zum ersten Mal von Terranischen Siedlern - Garret's Vorfahren - betreten wurde.
Ihre zahlreichen Nichten und Neffen liefen lachend umher. Mutter servierte gerade ihren Kindern den berühmten Auflaufkuchen - nach einem uralten Familienrezept. Der Duft von Knorn-Wurz stieg ihr in die Nase.
Plötzlich hörte sie einen sehr lauten und schrillen pulsierenden Ton. Die Eltern und Geschwister schienen nichts wahrzunehmen, aber Garret schmerzte der Kopf. Sie kniff die Augen zusammen und hielt sich die Ohren zu.

Langsam dämmerte sie zurück ins Diesseits - nur der laute, pulsierende Ton hörte nicht auf. Sie saß wieder im Cockpit ihrer abgestürzten Maschine. Garret's Gehirn schütteten Unmengen an Adrenalin und anderen Botenstoffen aus. Plötzlich hellwach, entfernte sie eine Sicherheitsabdeckung und hieb auf den Evakuierungsbutton. Der Notfallantrieb katapultierte den Jäger steil nach oben. Theoretisch steuerte der Autopilot eine Höhe an, in der Druckparität herrscht, der Eintritt von Kohlendioxid also gestoppt wurde. Das würde vielleicht noch einige weitere Minuten ihr Leben erhalten.

Abermals wurde sie ohnmächtig!

Als Garret aufwachte, lag sie im sterilen Ambiente einer militärischen Sanitätsstation. Die Ärzte erklärten ihr, dass ihr Jäger bis zur Paritätsgrenze aufgestiegen war und sie dort zehn Minuten später von einem Rettungsschiff geborgen wurde. Ihr Gehirn war längere Zeit mit Sauerstoff unterversorgt, aber bleibende Schäden seien nicht zu erwarten.

Garret's Geschwaderkommandant besuchte sie wenig später. Er erzählte ihr, dass der notgelandete Beowulf-Transporter einige Meilen abseits von ihrem Kurs gefunden und die Besatzung gerettet wurde. Das viel kleinere, von Garret gemeldete und überflogene Wrack, konnte trotz intensiver Suche nicht gefunden werden. Die Akte wurde mit dem Ergebnis geschlossen, Bodenanomalien hätten Garret's Sensoren gestört und ein falsches Echo erzeugt.

Nach tagelangen Grübeleien kam sie aber zu dem Schluss, dass sie selbst über ihrem eigenen Absturzort geflogen war und ebenfalls sich selbst mit dem ERS geweckt und damit gerettet hatte.

Aber das kann doch gar nicht sein, oder?


Ende

Geschrieben: März 2026
Autor: Matthias Stilke (c)
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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Rautus Norvegicus am 20.03.2026:
Kommentar gern gelesen.
Jetzt habe ich Appetit auf Knorn-Wurz bekommen. Gern gelesen😋

Rautus🐀




geschrieben von Rautus Norvegicus am 20.03.2026:
Kommentar gern gelesen.
Man müsste doch nur mit Lichtgeschwindigkeit immer wieder den Planeten auf derselben Flugbahn umkreisen, um Manipulationen an der Vergangenheit vornehmen zu können, oder? Aber da geht es ja eigentlich nur um das eigene Alter, warum sollte sich die Welt verändern, wenn man selber beschleunigt ist😃

🐀Rautus




geschrieben von CaptainX am 20.03.2026:

Hallo Rautus.
Ich glaube, bei annähernd Lichtgeschwindigkeit vergeht die Zeit im eigenen Bezugssystem langsamer. Man kann also 'nur' in die Zukunft reisen (wenn man so will). Aber in der Schule habe ich im Fach 'Zeitdilatation' immer geschwänzt.
Bei der nächsten Umkreisung werde ich mal Stephen Hawking fragen ... 😉

Gruß
CaptainX




geschrieben von Rautus Norvegicus am 20.03.2026:
Kommentar gern gelesen.
Was passiert eigentlich, wenn du in die Zukunft reist, aber an dem gewählten Ankunftsdatum natürlicherweise bereits gestorben wärst?

Einfaches Beispiel: Du reist im Alter von fünfzig Jahren am 20.03.2029 einhundert Jahre in die Zukunft. Theoretisch wärst du bei deiner Ankunft am 20.03.2129 doch einhundertfünfzig Jahre alt. Da gibt es einiges zu bedenken😉

🐀 Rautus




geschrieben von Jo Hannes Coltitz am 20.03.2026:
Kommentar gern gelesen.
Hallo @CaptainX, wieder eine super Story aus Deiner Feder.
Eine Geschichte mit diesem Hintergrundwissen setzt einige Fachkenntnisse über das Fliegen voraus.
Ich befürchte, dass es diese Zeitsprünge tatsächlich gibt. Unser Fehler ist, dass wir die Zeit linear betrachten. Nehmen wir nur mal an, dass die Zeit kreisförmig oder elliptisch verläuft, dann ist der Anfangspunkt immer wieder auch der Endpunkt.
Da sind wir auch wieder beim Thema Zeitalter...
...und bei dem Thema ewiges Leben. Wir vergessen nur unsere wiederkehrenden Auftritte immer wieder.
Viele Grüße, Jo




geschrieben von CaptainX am 20.03.2026:

Hallo.
Wie immer Danke für 'Gern gelesen' an Kater Moritz, Jo und Rautus.
@Rautus: Biologisch wäre ich immer noch 50 Jahre alt, denke ich. Meine 'Reise' findet ja nur statt, weil die Zeit (meine Alterung) in meinem Bezugssystem durch Geschwindigkeit oder Gravitation verlangsamt wurde. In diesem Szenario gäbe es mich auch nur einmal. Vermute ich jedenfalls. Aber vielleicht gibt es Abzweigungen im Multiversum, aber dann wird es richtig kompliziert.
@Jo: Das expandierende Universum lässt vermuten, dass die Zeit linear verläuft. Aber vielleicht auch nicht. Immerhin ist die Oberfläche einer Kugel ja auch irgendwie rund und unendlich.
Ich hatte mal die Idee, dass wir als Menschen eine vierte Raumdimension mit unseren eingeschränkten Sinne und Verstand als Zeit wahrnehmen. Dann wäre aber Hopfen und Malz verloren.
Auf jeden Fall immer ein interessantes Thema.

Gruß
CaptainX




geschrieben von Jo Hannes Coltitz am 20.03.2026:

Hallo @CaptainX, die Expansion des Weltalls (oder die Urknall-Theorie) ist aber auch nur eine weitere Theorie...
Was wissen wir denn schon wirklich über das All.
Was bedeutet denn Unendlichkeit? Ist Unendlichkeit überhaupt vorstellbar?
Das Symbol der Unendlichkeit zeigt es uns doch "eigentlich" eindeutig.
Viele Grüße, Jo

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