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geschrieben 2026 von Matthias Stilke (CaptainX).
Veröffentlicht: 28.01.2026. Rubrik: Nachdenkliches


Größer als wir

Das Lager der Rebellen lag tief in den düsteren Wäldern - weit genug vom Militärstützpunkt entfernt, um nicht weiter aufzufallen, aber auch nah genug für den vor langer Hand geplanten Angriff.

In einem der vielen abgedunkelten Zelte rührte Sonja lustlos in ihrem Essen herum. Ihr Ehemann Ron war mit einigen seiner Leute unterwegs, den geplanten Angriffssektor auszuspähen. Auch sie hatte jahrelang unter den Zwangsmaßnahmen der verhassten Regierung gelitten, bis Ron sie vor einigen Jahren aus einem Straflager rettete. Sie blieben zusammen, heirateten und führten gemeinsam den immer ungleicher werdenden Kampf fort.

Draußen vor dem großen Zelt entstand Unruhe. Der Spähtrupp war zurück. Ron trat ein und warf sein Gewehr auf seine Pritsche. Er setzte sich daneben und vergrub das Gesicht in seine großen Hände.
"Was ist los, Ron?", fragte Sonja sanft.
Er antwortete zunächst nicht. Dann schüttelte er den Kopf und sagte leise: "Sie haben die Sicherheitslücke in unserem Angriffssektor entdeckt. Dort patrouilliert jetzt einer ihrer verdammten Kampfmaschinen."
"Dann ist es vorbei?" Ihre Stimme zitterte leicht. Sie wusste, dass dem nicht so war. Bis jetzt haben die Rebellen noch kein Risiko oder Opfer gescheut.

Anstatt zu antworten, rief er quer durch das Zelt: "Tina, mein Liebes. Wo bist du?"
Aus einer Seitennische krabbelte ein kleines blondes Mädchen und strahlte.
"Papa! Du bist wieder da."
"Ja. Mein Schatz. Papa ist wieder da.", sagte Ron und schloss das schmale Kind sanft in seine riesigen Arme.

Sonja erinnerte sich: Nach dem Tod seiner ersten Frau war Tina sein Ein und Alles. Daran konnte auch ihre Liebe zu diesem groben Mann nichts ändern.

"Tina, mein Schatz. Papa braucht deine Hilfe. Möchtest du Papa helfen?", flüsterte er seiner Tochter zu. Seine Augen füllten sich mit Tränen.
"Ja, Papa.", sagte das Mädchen stolz.
"Da freue ich mich.", sagte Ron schluchzend: "Hole bitte deinen Teddybären."
"Stubbs oder Bruno?", fragte die Kleine und legte den Kopf zur Seite.
Ron überlegte kurz: "Bruno. Der ist größer und stärker. Ich sage euch dann, was ihr tun sollt."
Tina strahlte.
"Okay, Papa. Ich bin gleich wieder da.", sagte das Mädchen und rannte los.

Sonja sah Ron fassungslos an. Sie wusste, was das zu bedeuten hatte.
"Ron! Das kannst du nicht tun!"
Er wischte sich die Tränen ab.
"Es muss sein. Es geht nicht anders."
"Es gibt immer eine Lösung.", brauste sie auf: "Blast es ab. Das ist es nicht wert."

Auch er erhob seine Stimme jetzt.
"Es sind schon zu viele gestorben. Jetzt haben wir die Chance, etwas zu ändern. Und die müssen wir nutzen. Koste es, was es wolle!"
Sonja stand entschlossen auf.
"Nein! Das ist Schwachsinn!"
"Wo willst du hin?", fragte er irritiert.
"Ich gehe rüber und alarmiere die Soldaten im Stützpunkt.", war die Antwort.
Noch ehe er ihre Worte richtig verstanden hatte, war sie schon zum Zelt hinaus. Er griff sein Gewehr und rannte hinterher.
"Bleib stehen!", rief er.
Ein paar Meter vom Zelt entfernt, drehte sie sich herum und sagte trotzig: "Und was, wenn nicht?"

Einige neugierige Köpfe erschienen an den Eingängen der Nachbarzelte.
Ron legte sein Gewehr auf Sonja an: "Dann lässt du mir keine Wahl."
"Sind wir dir so unwichtig?"
"Nein, Sonja.", sagte er leise: "Hier geht es nicht um euch. Herrgottnochmal, hier geht es noch nicht einmal um mich."
"So?", schrie sie: "Um was geht es dann?"
"Die Sache! Unsere Sache! Die Menschen hier! Unsere Zukunft! Verstehst du das nicht?"
"Ich verstehe es, Ron. Aber ich kann es nicht zulassen. ICH kann damit nicht leben." Sie drehte sich um und ging weiter. Ron lud das Gewehr durch.
"Tu mir das nicht an, Sonja.", wimmerte er.
"Du hast es dir schon selbst angetan.", rief sie zurück.

Ein schallgedämpfter Schuss peitschte durch den Wald.

Diese Geschichte findet ihre Fortsetzung in 'Abgründe'.


Geschrieben: Januar 2026
Autor: Matthias Stilke

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