Kurzgeschichten-Stories
Autor
Schreib, wie du willst!
Startseite - Registrieren - Login - Kontakt - Impressum
Menu anzeigenMenu anzeigen
1xhab ich gern gelesen
geschrieben 2026 von Matty63 (Matty63).
Veröffentlicht: 22.04.2026. Rubrik: Unsortiert


Die Pitschefüßchen

Es war ein heißer Julisonntag. Wer nicht unbedingt unterwegs sein musste, hatte sich in den Schatten der Bäume zurückgezogen. Jetzt war wieder die Zeit der Gartenliegen, der kühlen Getränke und der langen lauen Abende.
Ein Geräusch durchbrach die Stille. „Pitsch, pitsch, pitsch!“ Ein kleiner Junge kam freudig den Gartenweg entlanggerannt. Er trug nur ein Shorthöschen sowie ein T- Shirt und war erstaunt darüber, wie lustig sich dieses Herumspringen im Garten anhörte. Bisher war ihm das noch gar nicht so aufgefallen.
Ich muss da ungefähr vier Jahre alt gewesen sein, und dies ist eine der ersten Erinnerungen, die ich habe. Ich wusste noch nicht, wie man es nennt, wenn man keine Strümpfe und keine Schuhe anhat. Da aber meine Füßchen auf dem Gartenweg ein bis dahin nie gekanntes Geräusch erzeugten, musste ich das ja irgendwie benennen. Denn so viel hatte ich mit meinen kleinen Gedanken schon erfasst: Alles hat einen Namen. Alles muss irgendwie bezeichnet werden, denn sonst kann man ja manche Dinge leicht verwechseln.
Mir war in diesem Augenblick klar: Ich habe Pitschefüßchen, weil sie sich genauso anhören. Das klingt logisch; sogar für einen kleinen Vierjährigen.
Dies waren in jenen Augenblicken jedoch nicht die einzigen Gedanken. Es gab da nämlich noch etwas Anderes: Die Unterseite der Pitschefüßchen bildete fast so etwas wie ein Vergrößerungsglas. Vor meinen inneren Augen erschienen die Steinchen auf dem Gartenweg größer; und jedes Hälmchen des kurzen Rasens bildete sich deutlich ab.
Dies war eine neue und besondere Erfahrung. Sie fühlte sich sehr angenehm an; und tief in mir setzte sich ein Gedanke fest, nämlich: Das möchte ich noch öfter machen; hoffentlich kommen dafür noch ganz viele Gelegenheiten. Dazu kam, dass sich die Füßchen jetzt bewegen konnten. Sie waren nicht eingezwängt, sondern konnten sich ganz entfalten. Es war auch ein tolles Gefühl, einfach mit den Zehen zu krabbeln und dabei festzustellen, was man mit ihnen alles so machen konnte. Sie ließen sich auseinanderspreizen. Sie ließen sich nach vorne biegen, und all das machte großen Spass.
Da war das Gefühl, etwas Schönes und Angenehmes zu tun. Und da war auch die Gewissheit, dass es sich hierbei um etwas Besonderes handelte; etwas, wozu man nicht alle Tage die Gelegenheit hat.
In jenem Sommer gab es noch viele Pitschefüßchen- Tage; allmählich wurde ich dabei auch mutiger, und so wurden meine Schritte immer flinker. Manchmal geriet ein bisschen Dreck zwischen die Zehen, aber das war überhaupt nicht schlimm. Irgendwie gehörte das sogar da-zu und ließ sich ja auch leicht entfernen.

counter1xhab ich gern gelesen

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

Einen Kommentar schreiben

geschrieben von Butterblume am 22.04.2026:

So eine schöne Erinnerungsgeschichte.

Ein Leben ohne Schuhe (möglich).

Beste Frühlingsgrüße
Butterblume


Mehr von Matty63 (Matty63):

Ein Freund, wie ihn nicht jeder hat
Umweltschutz ist ein Kinderspiel
Das Mädchen auf dem Fahrrad
Die legendären ESPADRILLES
Ein untypischer Teenager