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Diese Geschichte ist auch als .pdf Dokument verfügbar.
geschrieben 2026 von Matthias Stilke (CaptainX).
Veröffentlicht: 27.07.2026. Rubrik: Fantastisches


Letzte Rettung - Teil 1(4)

'Letzte Rettung' ist die Fortsetzung des Sechsteilers 'Mysteriös!'.

Diese Story besteht aus vier Teilen mit durchschnittlich etwa 934 Wörtern pro Teil.

Hinweis: Die komplette Story ist bereits in der pdf verfügbar. Teil 2 bis 4 poste ich in den nächsten Tagen.


Einführung

Vor vielen Jahren verlor Nathalie Helloway zwei ihrer Crewkameraden bei einem mysteriösen, physikalischen Phänomen.
Über dreißig Jahre später half sie einer Expedition unter der Leitung des Vargr-Wissenschaftlers Doktor Bogh, bei der Erforschung dieser Ereignisse. Es gelang sogar, eine Kollegin aus einer Dimensionsspalte zu befreien, in der sie seit Jahrzehnten feststeckte. Jedoch wurde hierbei die verwendete Technik zerstört und für das zweite Crewmitglied schwanden die Hoffnung auf Rettung ...

Eins

Nach fast genau einem Jahr war Helloway endlich wieder zu Hause. Doktor Bogh hatte sein Versprechen eingelöst und sie von Gvutson aus über seine Fortschritte einer Neukonstruktion des Dimensionsscanners auf dem Laufenden gehalten.
Zunächst klang alles recht vielversprechend. Entgegen seiner Befürchtungen durfte er mit offizieller Genehmigung seines Rudels an dem Projekt weiterarbeiten. Jedoch brach plötzlich der Kontakt ab. Es gelang Helloway nicht, den Grund dafür herauszufinden - Gvutson lag zwar weit außerhalb des Imperiums, Lichtjahre von Athana entfernt, was aber bislang sich nicht übermäßig negativ auf die Kommunikation ausgewirkt hatte.

Helloway hatte diese Angelegenheit fast schon vergessen. Es tat ihr nicht alleine um Bogh's Forschung leid. Nur mit einem neuen Scanner hätte sie ihren immer noch vermissten Kollegen aus einer Dimensionsspalte retten können. Sie hatte sich informiert: Dieser Forschungszweig war in Imperialen Universitäten lange Zeit unterrepräsentiert. Entscheidende Durchbrüche würden wohl erst nach ihrem Ableben erzielt werden. Insofern hing jetzt alles an Bogh.
Und es kam noch schlimmer: Aus dem IISS-Journal ging hervor, dass das Imperium in Erwägung zieht, die Landeplattform auf 122-930, den Ort des Phänomens, auszutauschen und somit jeden Zugriff auf die Dimensionsspalten zunichte macht (122-930 war die Katalogkennung - einen offiziellen Namen hatte dieses System im Imperium nicht. Bei den Vargr hieß die Hauptwelt Khuegush).

Mehr aus Langeweile fing Helloway an, über den 'Kooperationskrieg' zu schreiben. Sie machte sich keine Illusionen über ihre bescheidenen, literarischen Fähigkeiten, hatte aber, als ehemaliges und hochdekoriertes Mitglied des IISS den Vorteil, an nicht öffentliche Berichte und Fachanalysen heranzukommen.

Der Krieg begann und endete im Jahr 1107. Eine Koalition aus Saetskhars' Rudeln unter Generaladmiral Lugkongnaerz und Streitkräften der Kfue griff mehrere, mit dem Imperium assoziierte Welten entlang der Grenze an. Alle Gefechte gingen mehr oder weniger verloren - trotzdem war es für Generaladmiral ein strategischer Sieg. Saetskhars konnte große Teile von der geschlagenen Kfue-Flotte übernehmen und sich zu einem neuen Machtfaktor im Subsektor entwickeln. Das Imperium hatte in dieser Zeit mit dem Fünften Grenzkrieg zu tun - einen jahrelang andauernden Konflikt, der viele militärische und ökonomische Kräfte band. Die Navy wurde anderswo gebraucht und Saetskhars konnte ungestört seine Macht ausbauen.

Sehr weit war sie mit ihrem Buch noch nicht gekommen. Sie hatte zwar einige Kapitel angefangen, war aber hauptsächlich mit Recherchen beschäftigt - ein mühseliges Geschäft, da sie auf ihre subsektorweiten Archivanfragen und Interviews teilweise monatelang warten musste.

Aber das machte nichts. Sie hatte ja jede Menge Zeit.


Eines Morgens erschien Bogh's Gesicht auf Helloway's Comvid. Er hob zum Gruß die Lefzen und entblößte seine Eckzähne.
"Guten Tag, Helloway. Ich bin gerade in Athana-Stadt und möchte sie bitten, mich noch einmal nach 122-930 zu begleiten."
"Hallo, Doc. Schön sie zu sehen. Dann haben sie einen neuen Prototyp konstruiert?"
Der Vargr zögerte einen Moment. Seine Augen wanderten kurz zu einem Punkt außerhalb des Bildschirms.
"Ja, Helloway. Ich habe jemanden gefunden, der mich bei meinem Projekt weiter unterstützt."
Helloway runzelte die Stirn. Es klang für sie nicht so, als ob Bogh sich darüber übermäßig freuen würde.
"Okay, Doc. Und wann geht es los?"
"Ich bin hier im Athana-Starport, Apartment 38. Wenn es ihnen recht ist, treffen wir uns hier."
"Alles klar, Doc. Ich bin in etwa vier oder fünf Stunden da."

Bogh zeigte zum Abschied seine Eckzähne und unterbrach die Verbindung.
Irritiert blickte Helloway noch einige Sekunden auf den nun schwarzen Schirm. Gegenüber früher war Bogh sehr einsilbig gewesen. Sie hatte noch nie viel mit Vargr zu tun gehabt, aber Bogh kannte sie ein wenig. Er wirkte irgendwie bedrückt auf sie. Aber wer konnte schon in einen Vargr hineinsehen?

Sie packte ihren Seesack und halfterte die Westlander-Pistole und einige Ersatzmagazine. Für die Wochen im Sprungraum nahm sie diesmal die Unterlagen zu ihrer Dokumentation mit. Sie wollte wenigstens das Kapitel über 'Strategische Grundsätze' fertigstellen. Dann sprang sie in ihr altes Verbrennerfahrzeug und nahm die Straße nach Athana-Capital.
Dort angekommen fuhr sie zum Starport Hotel. Es lag dicht am Raumhafen, aber noch außerhalb des Sicherheitsbereichs in einem etwas heruntergekommenen Teil der Stadt.
Sie durchquerte das leere, stinkige Foyer und ging gleich durch zum Treppenhaus. Apartment 38 lag im ersten Stockwerk am Ende eines langen Ganges.

Sie klopfte, aber niemand reagierte.
Sie klopfte erneut - diesmal etwas härter. Die Tür war nicht verriegelt und sprang auf.
"Hallo, Doc? Ich bin es. Helloway.", rief sie in den dunklen Spalt.
Wieder keine Antwort.

Sie zog ihre Knarre 'Betsy' und schob mit dem Lauf die Tür komplett auf. Das Apartment lag im Zwielicht. Irgendjemand hatte die Vorhänge von allen Fenstern zugezogen.
Als sich ihre Augen so leidlich an das Dunkel gewöhnt hatten, trat sie vorsichtig ein.
"Hallo, Doc? Sind sie da?"

Sie ging langsam den Gang hinunter, an der Tür zum Schlaf- und Badezimmer vorbei. Als sie den Wohnbereich erreichte, sah sie Bogh. Alle Möbel waren zur Seite geräumt. Der Vargr saß auf einem Stuhl in der Mitte des Raumes und sah sie stumm an.
"Doc? Alles in Ordnung mit ihnen?"
Bogh reagierte nicht. Da spürte sie plötzlich die kalte Mündung einer Pistole am Hinterkopf. Sie erstarrte. Jemand nahm ihr mit geübten Griff die Waffe aus der Hand.


Fortsetzung folgt ...

Geschrieben: Juni 2026
Autor: Matthias Stilke (c)
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