Veröffentlicht: 28.07.2026. Rubrik: Fantastisches
Letzte Rettung - Teil 2(4)
Zwei
Aus der Düsternis einer Ecke des Raumes trat eine Person ins Halbdunkel. Ein Mensch. Er trug einen dunkelblauen Overall mit einem rot abgesetzten Kragen. Er war unbewaffnet, aber Helloway war sich sicher, dass er innerhalb einer Zehntelsekunde eine Pistole aus einer seiner zahlreichen Taschen zaubern konnte.
"Ah. Sie müssen Nathalie Helloway sein ", sagte er mit einer merkwürdig hohen Stimme: "Ich heiße sie willkommen."
Irgendjemand schubste sie in den Wohnbereich. Hinter ihr standen plötzlich zwei weitere Personen, ebenfalls in dunkelblau und mit dieser auffälligen roten Kragen. Ein weiblicher Mensch und ein Vargr. Beide trugen kleine, längliche Automatikpistolen. Diese Waffen machten zwar nicht viel her, aber Helloway wusste, dass sie schnell und lautlos töten konnten. Aber sie hatte nicht vor, sich ohne Gegenwehr in die Defensive drängen zu lassen.
"Wer sind sie?", schnarrte sie wie ein Reibeisen.
Der Typ mit der hellen Stimme nickte Bogh zu.
"Das ist Mister Smith und seine Leute.", sagte der Vargr leise: "Er vertritt die Interessen meiner neuen Geschäftspartner."
"Sehen sie?", sagte Smith gönnerhaft: "Alles in Ordnung. Entschuldigen sie meine Sicherheitsmaßnahmen. Aber ich musste sichergehen."
Nichts war in Ordnung!
"Wer sind ihre Geschäftspartner, Doc?"
Smith kam Doc zuvor.
"Das ist uninteressant für sie, meine Liebe. Für sie ist nur wichtig, dass sie unseren netten Doktor hier bei seinem Feldtest tüchtig unterstützen werden."
Helloway hob die Augenbrauen: "Tue ich das?"
"Aber natürlich tun sie das. Wir sind doch nicht den weiten Weg quer durch den Subsektor gereist, um dann unverrichteter Dinge wieder umzukehren." So wie er das sagte, klang es mehr wie eine Drohung als wie ein ärgerlicher Umstand.
Helloway sah Bogh an. Er hatte seinen Kopf gesenkt. Diese Typen hatten ihn offensichtlich in der Hand und irgendein krummes Ding am Laufen.
"Na, dann werde ich sie mal alleine lassen.", sagte Smith: "Der Start ist für morgen früh 10 Uhr angesetzt." Er gab seinen Leuten ein Zeichen und verließ mit dem Vargr das Apartment. Die Frau blieb mit gezogener Waffe an der Eingangstür stehen und gab sich ebenso aufmerksam wie konzentriert.
"Es tut mir leid, dass ich sie in diese Sache hineingezogen habe.", stammelte Bogh, ohne den Kopf zu heben.
"Wie sind sie denn an diese Typen geraten?", fragte Helloway leise: "Das sind doch Taun's Leute, wenn ich mich nicht irre."
Horatio Taun war ein mächtiger Großkrimineller im Subsektor. Er kontrollierte die Regierung des Planeten Cran. Sein Hauptgeschäftsfeld war interstellarer Schmuggel, Waffenhandel und Drogengeschäfte - jedoch immer nur als Zwischenhändler, so dass ihm kaum etwas nachzuweisen war.
Seine Leute waren im gesamten Subsektor aktiv und von Kundigen an ihren roten Kragen zu erkennen.
Da sie keine Vorstrafen hatten und nie offen gegen planetares und Imperiales Recht verstießen, waren sie nahezu unantastbar. Trotzdem: Jeder wusste, dass Taun's Leute üble Verbrecher waren, mit denen man sich lieber nicht anlegte!
"Ich sollte mich auf Athana mit den Vertretern meines Geschäftspartners treffen. Erst hier erfuhr ich, dass es sich um Taun's Organisation handelt." Bogh sah Helloway fest in die Augen.
"Ich hatte wirklich keine Ahnung.", verteidigte sich Bogh: "Nachdem ich wieder zurück auf Gvutson war, übergab Patriarch mein Projekt seinem Wissenschaftsrat. Meine Forschungen liefen wieder an. Schnell hatte ich einen weit leistungsfähigeren Prototyp konstruiert. Alles war gut."
Bogh schwieg einen Moment. Helloway wusste, dass nun der große Haken kommen würde.
"Patriarch wollte das Projekt an eine fremde Macht verkaufen. Ich musste meine Unterlagen an diese Leute übergeben und die Tauglichkeit des neuen Dimensionsscanners bei einem Feldtest beweisen, um das Geschäft für Patriarch erfolgreich abschließen zu können."
"Und dazu brauchen sie mich!", resümierte Helloway.
"Korrekt. Sie wissen als einzige, wo ihr Kollege zur Zeit der Dimensionsverschiebung gestanden hat. Jedenfalls so ungefähr."
"Naja.", meinte sie: "Ich dachte, sie wollten die Leistungsfähigkeit des Scanners erhöhen, so dass die Positionierung nicht mehr kritisch ist."
"Habe ich auch. Ich konnte leider noch nicht das Problem mit der Abschirmung lösen, aber für einen erfolgreichen Test wird es reichen."
"Und was ist, wenn der Test fehlschlägt, Doc?"
"Dann, fürchte ich, ist das Geschäft gestorben."
Helloway blickte zu der bewaffneten Frau, die die Tür blockierte.
'Nicht nur das Geschäft', dachte sie so bei sich.
Fortsetzung folgt ...
Geschrieben: Juni 2026
Autor: Matthias Stilke (c)
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