Veröffentlicht: 11.06.2026. Rubrik: Menschliches
Umarme mich bitte einmal.
Eigentlich war sie mir nah fremd, eine Bekannte von einst, als sie um die 20 Jahre alt war. Ihr letztes Jahr verstorbener Vater sprach oft über sie. Er half ihr gerne verstand aber selten, was sie tat oder lebte.
Wir standen uns gegenüber, gingen die Treppe hoch zur Haustüre, betraten das nun leergeräumte Haus ihrer verstorbenen Eltern. Es tat etwas weh nun alles ausgeräumt zu sehen. Einst von ihrem Vater errichtet, gepflegt über die Jahre stand es nun zum Verkauf. In der ehemaligen Küche stand noch die Eckbank und ein kleiner Tisch. Sie begann mit mein Bruder regelt es mit dem Verkauf. Bisher wollte niemand dieses Haus zu dem Preis aber mein Bruder will diese Summe haben, nicht weniger dafür.
Wir setzten uns nebeneinander, schauten aus dem Fenster in den Garten in Hanglage. Die Ordnung von einst war nicht mehr vorhanden.
Weißt du noch, wie schön es hier aussah? Sie sagte es, schwieg dann. Ich erinnerte mich, was ihr Vater mir über sie erzählte. Früh aus dem Haus zog sie zu einem Freund, heiratete später einen anderen Mann, baute mit ihm ein Haus mit vielen Schulden, woran am Ende die Ehe ohne Kinder zerbrach. Danach fiel sie in ein tiefes Loch blieb aber ihren Eltern fern, besuchte sie nur einmal. Die Zeugen Jehovas nahmen sie auf, ihre Eltern verstanden es nicht. Jetzt saß sie neben mir, rückte näher und sagte diese Worte.
Ich umarmte sie, spürte den festen Griff ihrer Hände. Ihr Gesicht lehnte an meinem. Wir schwiegen, jeder dachte dabei wohl an etwas anderes. Sie wohnt weit entfernt, war hier nur wegen dem Hausverkauf wie sie sagte. Bei ihrem Bruder wohnte sie nicht, wollte es nicht und ich ahnte warum.
Was machst du mit all dem Geld, hast einen gutbezahlten Job, eine Eigentumswohnung wie dein Vater mir sagte. Wirst du reisen so wie deine Schwester?
Was nun aus ihr heraussprudelte, erschreckte mich. Sie sprach über ihre Gemeinde, über Gott und den Halt, den sie da bekommen hat in ihrer Lebenskrise, um gleich anzufügen sie hat in ihrem Testament den Zeugen Jehovas alles vermacht nach ihrem Tode. Es klang, als ob eine Art Gehirnwäsche sie gefangen hatte im Glauben. Ihr Vater, weniger ihre kath. gläubige Mutter äußerten sich stets abwertend über ihre Glaubensrichtung.
Hörbar öffnete jemand die Haustüre, sie stand auf. Ihr Bruder kam herein begrüßte mich in der falschen Annahme ich wäre ein Hauskäufer. Wir kannten uns nicht, sie klärte ihn auf sagte dazu er kam vorbei die Familie, die du angekündigt hast, kam noch nicht.
Ich ging, wünschte ihnen Erfolg beim Verkauf.
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