geschrieben 2026 von Matthias Stilke (CaptainX).
Veröffentlicht: 29.03.2026. Rubrik: Fantastisches
Verlorener Sieg - Teil 1(3)
Dieser Dreiteiler ist die Fortsetzung des 'Psi-Jäger'. Die Lektüre des Zweiteilers ist aber nicht zwingend erforderlich, um 'Verlorener Sieg' folgen zu können.
Einleitung
Psionik war streng verboten. Die Behörden machten jagt auf die sogenannten Psi-Teufel (oder Begabte, wie sie sich selber nannten) und ihren Unterstützern.
Wie überall im Imperium lebten auch auf dem Planeten Estinaz die wenigen Psioniker abgeschieden und unerkannt im Untergrund. Neben der Polizei waren auch professionelle Kopfgeldjäger auf der Suche nach ihnen unterwegs. Mehrere dieser zweifelhaften Subjekte hatte Jaina zusammen mit ihrem Bruder Jeremia bereits ausgeschaltet.
*
Der alte Tay Antiss fuhr den ebenso alten Ernte-Truck langsam über seine Felder und wich bedächtig den Schläuchen der künstlichen Bewässerung aus. Der Anhänger sammelte automatisch und sorgfältig die Steinkürbisse ein und beförderte sie auf die Ladefläche des Fahrzeugs.
Seine Familie lebte nun schon seit Generationen hier in der Steppe des Outbacks, mehrere hundert Kilometer von den bevölkerungsreichen Küstenmetropolen entfernt. Das Leben hier draußen war hart und entbehrungsreich, aber schon eine gute Ernte konnte einen bescheidenen Wohlstand bescheren.
Plötzlich stoppte er den Truck und hob den Kopf. Tay verfügte über keinerlei psionische Kräfte, aber seine Fähigkeit, die subtilen Zeichen seiner Umgebung wahrzunehmen, waren beeindruckend.
"Wer ist das?", fragte er - ohne sich umzublicken - seine Tochter Jaina, die hinter ihm auf dem Bock saß, und die Sammelautomatik des Ernteanhängers überwachte.
Sie sah sich um. Am Feldrand stand dicht an ihrer Ranch ein hochgewachsener Mann, der sie anscheinend schon eine ganze Weile beobachtete.
Jaina sprang vom Bock: "Ich frage ihn mal, was er will."
"Hallo, Jaina.", grüßte der Mann lächelnd das junge Mädchen: "Es ist lange her."
"Lionell. Was willst du hier?", war die reservierte Antwort.
Auch sein Gesichtsausdruck verhärtete sich nun.
"Du weißt wieso, Jaina. Der Kopfgeldjäger vor ein paar Wochen!"
"Und?", schnappte sie kurz angebunden: "Er hat bekommen, was er verdient hat."
"Jaina!" Lionell holte tief Luft: "Das war jetzt bereits der vierte Zwischenfall dieser Art. Dein Kreuzzug zieht immer mehr Aufmerksamkeit auf sich. Das schadet uns allen. Die Ranger haben den Gleiter hundert Meilen von hier gefunden und schnüffeln überall herum."
"Ich weiß. Bei uns waren sie auch schon. Aber irgendjemand muss etwas tun!"
"Ich stehe aufgrund meiner Vergangenheit im Fokus der Ermittlungen. Ich werde mich absetzen müssen, Jaina. Deinetwegen!"
Die junge Frau schwieg.
"Wir kämpfen bereits seit vielen Jahrzehnten - lange vor deiner Geburt.", sagte Lionell etwas genervt. Diese Diskussion hatte er schon des öfteren mit ihr geführt.
"Euer Kampf ...", fuhr Jaina nun hoch, "... hat meine Mutter nicht gerettet. Und sie war noch nicht einmal begabt!"
Lionell schloss die Augen und sagte leise: "Ich weiß, Jaina. Das hätte nicht passieren dürfen. Wir alle hatten damals Fehler gemacht, die wir nun zutiefst bedauern." Dann sah er sie fest an: "Aber heute haben wir eine andere Zeit. Du ehrst das Vermächtnis deiner Mutter nicht, indem du uns alle fahrlässig in Gefahr bringst. Und deinen Vater und Bruder hast du nun auch noch da mit hineingezogen."
"Vater und Jeremia sind unbegabt!", sagte sie bestimmend.
"Glaubst du wirklich, dass die Behörden da einen Unterschied machen?", brauste Lionell jetzt auf.
"Jaina! Ich habe dir alles beigebracht, was ich über uns Begabte weiß. Das mit deiner Mutter tut mir leid. Dass du deine Ausbildung deswegen abgebrochen hast, war aber ein Fehler. Ich bitte dich: Lass uns nicht dafür büßen."
"Wir müssen alle das tun, was wir tun müssen!", sagte sie kalt, drehte sich um und ließ ihn am Feldrand stehen.
Zurück auf dem Bock fragte ihr Vater sie: "Wer war das?"
"Irgendein Fremder, der sich verlaufen hat."
Fortsetzung folgt ...
Geschrieben: März 2026
Autor: Matthias Stilke (c)
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