geschrieben 2026 von Matthias Stilke (CaptainX).
Veröffentlicht: 30.03.2026. Rubrik: Fantastisches
Verlorener Sieg - Teil 2(3)
Einige Tage später saß Jaina zusammen mit ihrem Vater am Küchentisch beim Essen.
Plötzlich klopfte es. Tay stand müde auf und schleppte sich zur Haustür. Jaina hatte irgendwie ein ungutes Gefühl und folgte ihm.
Er öffnete die schwere Bohlentür. Dahinter stand ein Mann, ganz in Schwarz gekleidet mit einem Allerweltsgesicht. Aus irgendeinem Grund offenbarte sich Jaina für den Bruchteil einer Sekunde dessen Astralaura: Schwarz, dunkelrot und abgrundtief böse! Dieser Mann war ein machtvoller Begabter!
Jaina griff intuitiv seinen Geist mental an, aber ihr Angriff verpuffte wirkungslos im Astralraum. Der Mann hatte um seinen Geist einen mächtigen Schild errichtet.
Dann versetzte er ihr einen mentalen Schlag, nicht stark aber stark genug, dass sie beinahe bewusstlos zu Boden sank.
Tay bekam von diesem Duell natürlich nichts mit. Er sah nur, wie der Fremde seine Tochter fixierte, sie ihre Augen verdrehte und zu taumeln begann. Er griff zu seiner Schrotflinte, die am Türrahmen lehnte, aber der andere Mann war schneller. Mit einer fließenden Bewegung zog er einen schweren Revolver aus dem Beinholster und hielt Tay den Lauf ins Gesicht.
"Nicht doch, alter Mann." Aus seinem Lächeln blitzten zwei Dutzend Goldkronen.
"Wer sind sie?", fragte Tay überrascht.
"Nennen sie mich Bowie, Großväterchen.", war seine Antwort.
Dann packte er Jaina am Arm und scheuchte Tay mit dem Revolver in die Küche zurück.
"Setzen!", befahl er den Alten. Die immer noch benommene Jaina schubste er auf einen der Stühle und setzte sich ihr gegenüber.
"So, meine Liebe. Dann werden wir uns mal unterhalten.", sagte er süffisant und faltete die Hände vor seinem Gesicht. Den Revolver hatte er offen in Griffweite mitten auf den Tisch gelegt.
"Ich muss schon sagen, dass dir die Überraschung gelungen ist. Eigentlich bin ich ja nur wegen deines Bruders gekommen. Dass du da mit drin hängst, habe ich nicht erwartet." Er grinste fies.
Jaina versuchte ihren Geist zu verschließen, aber sie war nach diesem Kampf mental stark geschwächt. Der Mann merkte es.
"Oh, Jaina. Schätze, dass ich mich dann mit deinem alten Herren auseinandersetzen muss."
"Lass ihn in Ruhe.", rief das Mädchen verzweifelt: "Er hat damit nichts zu tun."
"Das weiß ich doch, Kleine. Ich habe mir von ihm schon alles geholt.", grinste er diabolisch: "Du hast also deinen Bruder versteckt und deinen Daddy über den Ort in Unwissenheit gelassen. Sehr geschickt, Mädchen."
Er beugte sich zu ihr vor: "Dann liegt es also an dir, mir seinen Aufenthaltsort zu verraten."
"Aber warum?", rief sie: "Du weißt jetzt doch, dass Jeremia unbegabt und unschuldig ist."
"Er wird offiziell gesucht, Mädel. Tot oder lebendig."
"Aber er verfügt über keine Kräfte. Wenn die Behörden ihn testen, werden sie feststellen, dass er unschu ..."
Jetzt begriff sie!
Er lehnte sich entspannt zurück: "Richtig! Lebendig ist er wertlos - tot bringt er 8.000 Credits."
Geschockt blieb ihr der Mund offen stehen.
"Und für dich ...", fuhr er fort, "... bekomme ich locker 10.000. Mindestens. Klingt nach einem guten Geschäft für mich."
Nach einem breiten Grinsen beugte er sich wieder vor: "Also! Dann lass mal sehen."
Sie fühlte, wie er in ihren Gedanken herumwühlte. Sie war zu schwach, um sich zu wehren.
"Na, also.", sagte er schließlich, runzelte aber die Stirn: "Relativkoordinaten. Wie es sich gehört. Aber da ist noch etwas."
Er hielt den Kopf schräg.
"Ein Mann. Vor einigen Tagen. Sein Name ist ... Lionell. Ein Begabter. Ein ..."
Ihre Augen füllten sich mit Tränen. Er konnte in ihr lesen, wie in einem Buch!
"Ein mächtiger Begabter!" Ruckartig richtete er sich auf: "Dein Mentor! Etwa Lionell, der Meister des Astralraums?" Wieder setzte er sein ekliges Grinsen auf: "Na, dann haben wir ja mal in ein Wespennest gestoßen, nicht? Ich habe schon viel von ihm gehört."
Er stand auf: "Aber das muss warten und ich habe es eilig. Ich denke, du wirst mir den schnellsten Weg zu deinem Bruder zeigen, oder?"
Er drehte den Lauf seines Revolvers auf Jaina's Vater zu. Sie senkte den Kopf, was Bowie als stillschweigende Zustimmung richtig deutete.
Dann fesselte er Jaina's Hände auf ihren Rücken und stieß sie in Richtung Haustür. Dort griff er nach der Flinte und drehte sich zu Tay um.
"Die hier nehme ich lieber mit, alter Mann. Und bete, dass ich nicht zurückkommen muss, um noch ... Details zu besprechen, die mir deine Tochter vorenthalten hat."
"Meine Tochter hat bis jetzt immer das Richtige getan.", sagte Tay mit fester Stimme.
Für einen Moment schwand Bowie's Selbstsicherheit aus seinem Gesicht.
Fortsetzung folgt ...
Geschrieben: März 2026
Autor: Matthias Stilke (c)
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